BitcoinPeter Thiel hält Monsterwette auf Bitcoin

Es ist eine Überraschung. Einer der prominentesten Namen im Silicon Valley wettet im großen Stil auf Bitcoin. Peter Thiels Wagniskapitalfonds Founders Fund hält hunderte Millionen Dollar der Kryptowährung. Nach Angaben aus seinem Umfeld sind seit Mitte 2017 mehrere Einzelfonds beteiligt.

Der deutschstämmige Milliardär hat gewöhnlich eine Nase dafür, zu einem frühen Zeitpunkt in junge aufstrebende Unternehmen einzusteigen, wie etwa bei Facebook. Anders als bei solch eher langfristig angelegten Engagements scheinen die Früchte von Bitcoins nun greifbarer. Founders kaufte sich mit rund 15 bis 20 Mio. Dollar ein und ließ Investoren wissen, dass der Schachzug sich bereits mit hunderten Millionen Dollar ausgezahlt habe.

Ob Thiel Teile der Investments wieder verkauft hat, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass der Kurs der digitalen Währung sich 2017 vervielfachte. Die Kryptowährung legte spektakulär von 1000 Dollar Anfang des Jahres auf nahezu 20 000 Dollar zu. Getrieben war der Run auf das virtuelle Zahlungsmittel, das ohne Backing von Regierungen oder Zentralbanken funktioniert, hauptsächlich vom Spekulationshandel privater wie institutioneller Anleger. Nach dem Allzeithoch Mitte Dezember sackte der Kurs zum Jahresende leicht ab – auf rund 14 000 Dollar. Am 2. Januar 2018 sprang der Kurs um zehn Prozent auf 14 783 Dollar. Die Nachricht von Thiels Einstieg sorgte für Auftrieb.

Gegen den Strom

Der 50-Jährige ist damit einer von nur wenigen Mainstream-Kapitalgebern, die große Summen auf die Digitalwährung setzen. Die Mehrheit hegt Bedenken, was Sicherheit und Liquidität betrifft, oder sie fürchten fanz einfach Verluste. Berühmtheit erlangte die Aussage des CEOs von JPMorgan Chase, James Dimon, Bitcoin sei „Betrug“, während der Gründer von Bridgewater Associates, Raymond Dalio, von Hype und Blase spricht. Und wer Bitcoins hält, redet nicht darüber, aus Frucht, die Aufmerksamkeit von Hackern auf sich zu ziehen.

Einige sind auch von der Jahresendkorrektur abgeschreckt. So verkündete der prominente Kapitalgeber Michael Novogratz am 22. Dezember den Aufschub eines geplanten Hedgefonds mit Krypto-Fokus: „Die Marktbedingungen für Einsteiger behagten uns nicht.“ Südkorea kündigte gar Maßnahmen gegen den Handel mit Kryptowährungen an – ein seltsamer Schritt vor dem Hintergrund, dass in dem Land einmal global ein Viertel aller Bitcoin gehandelt wurden.

Nach WSJ-Informationen stieg Thiels Fonds ein, bevor Bitcoins Volatilität zunahm. Die Entscheidung sei nach Rücksprache mit anderen Partnern des Founders Fund gefallen. Die Wagniskapitalgeber gehören zu den erfolgreichsten der amerikanischen Tech-Szene. Der Fonds verwaltet mehr als 3 Mrd. Dollar und hält Anteile an mehr als 100 Unternehmen, darunter Facebook, Airbnb, SpaceX und Lyft. Jüngere Beteiligungen sind Krypto-orientierte Hedgefonds wie Metastable Capital und Polychain Capital, die auf Blockhain-Technologien setzen.

Nicht riskanter als überbewertete Tech-Start-Ups

Ein direkter Einstieg in Bitcoins erscheint da wie ein Bruch mit bisherigen Investitionsmustern. Gegenüber Anlegern gibt Founders jedoch die Parole aus, es handele sich um ein durchaus mit anderen Wetten vergleichbares hochriskantes Investment mit potenziell hoher Rendite. Millionen-Investitionen in Technologie-Start-Ups, deren Bewertungen in historische Höhen kletterten, seien kaum weniger riskant. Der Wert der Bitcoin könnte hingegen in den kommenden Jahren um ein Vielfaches steigen.

In einem Interview im vergangenen Oktober hatte Thiel selbst Kryptowährungen als „charismatisch“ bezeichnet. Auf einer Investitionskonferenz in Saudi-Arabien sagte er: „Ich bin zwar den meisten gegenüber skeptisch. Aber ich glaube, Bitcoin wird ein wenig unterschätzt, besonders weil es eine Form der Geldreserve ist. Wenn die Währung das digitale Gegenstück zu Gold wird, hat es großes Potenzial.“

Thiel ist bekannt dafür, mit seinen libertär geprägten Meinungen nicht hinterm Berg zu halten. Schlagzeilen machte der Mitgründer des Bezahldienstes Paypal in den vergangenen Jahren auch als Finanzierer der Republikanischen Partei und aktiver Unterstützer von US-Präsident Donald Trump. Nun sitzt er im Technologie-Beirat der Regierung.

Dank des mehr oder weniger stetigen Kursgewinns von Juli bis Mitte Dezember dürfte Thiels Bitcoin-Wette bereits die lohnendste im Portfolio des jüngsten, 1,3 Mrd. Dollar schweren Wagniskapitalfonds sein. Dennoch hat Founders seine Teilhaber vor einer potenziell gefährlichen Parallele zu herkömmlichen Wagnisfinanzierungen gewarnt: Die digitale Währung könnte an Ende gar nichts oder fast nichts mehr wert sein.

Copyright Wall Street Journal, 2017