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Aktien Öl-Aktien: Schmierstoff fürs Depot?

Chevron-Logo auf einem Bildschirm an der New Yorker Börse
Die Geschäfte bei Chevron laufen prächtig, davon profitiert auch die Aktie
© picture alliance/AP Images | Richard Drew
Von Umweltschützern werden sie verschmäht, für Anlageprofi Warren Buffett sind sie ein Must-have. Obwohl die Rohölpreise unter Druck stehen, sind entsprechende Titel bei Investoren beliebt. Ein Kaufsignal für Privatanleger?

Die Angst vor einer Rezession ist groß. Steigende Preise und Zinsen wirken sich schon jetzt negativ auf viele Positionen aus, nicht zuletzt den Rohstoffsektor. Auf den ersten Blick ein ungewöhnlicher Moment, um hier zuzuschlagen. Doch genau dazu raten einige Anlageexperten – und einer der berühmtesten Investoren überhaupt geht mit entsprechendem Beispiel voran. Warren Buffett, CEO von Berkshire Hathaway, hat im ersten Halbjahr dieses Jahres noch einmal bei den Öl-Positionen in seinem Portfolio zugegriffen. Occidental Petroleum und Chevron gehören zu den größten Beteiligungen in Buffetts Portfolio. Bei Chevron hat das „Orakel von Omaha“ im ersten Jahresviertel zugeschlagen und um 33 Prozent erhöht. Die Position von Occidental Petroleum hat Buffett im Juni noch einmal ausgebaut und ist jetzt zu 20 Prozent an dem Konzern beteiligt. Immer wieder wird spekuliert, das Buffett den Konzern künftig vollständig übernehmen könnte.

Der 92-Jährige ist mit seinem Engagement in Öl-Titeln kein Einzelgänger. So empfehlen auch die Analysten des Investmenthauses Goldman Sachs: „Angesichts der Tatsache, dass Öl der Rohstoff der letzten Instanz in einer Ära schwerwiegender Energieknappheit ist, glauben wir, dass der Rückschlag im gesamten Ölkomplex einen attraktiven Einstiegspunkt für langfristige Anlagen bietet." Zwar räumen die Experten ein, dass die Aktien unter einer anhaltend hohen Inflation auch in den kommenden Monaten leiden könnten. Diese Bedenken relativieren die Experten jedoch gleich wieder: „Andererseits sind Rohstoffe die beste Anlageklasse in einer spätzyklischen Phase, in der die Nachfrage das Angebot übersteigt.“

Klar ist: Das Geschäft mit Öl-Aktien ist kein Erfolgsgarant. Banken wie die Citigroup warnen vor weiteren Preisabstiegen beim Rohöl. Die Citigroup-Analysten rechnen damit, dass der Preis für ein Barrel Rohöl bis Ende des Jahres auf 65 US-Dollar fallen könnte, sollte eine nachfragelähmende Rezession eintreten. Aktuell liegt der Preis für ein Barrel der Sorte Brent bei rund 97US-Dollar. Und: Wer in seinem Portfolio besonderen Wert auf umweltfreundliche Investments legt, wird wohl einen großen Bogen um den fossilen Brennstoff machen müssen.

Wer allerdings mit dem Gedanken spielt, über entsprechende Unternehmenstitel vom Öl-Markt zu profitieren, sollte langfristig denken und daher auf das Gesamtpaket achten. Im Fall von Chevron gehören zu diesem Gesamtpaket beispielsweise beachtliche Investitionen in Erneuerbare Energien. Im Februar dieses Jahres gab Chevron die Übernahme der Renewable Energy Group bekannt. Chevron hat den Hersteller von Biodiesel für rund 3 Mrd. US-Dollar gekauft, um so das Thema Nachhaltigkeit im Konzern voranzutreiben. Bis 2030 will Chevron pro Tag 100.000 Barrel Biokraftstoffe produzieren.

Verlässliche Dividendenzahler

Außerdem interessant: Chevron gehört zu den dividendenstarken Titeln, in den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Auszahlung an die Anleger stetig erhöht. Aktuell notieren die Titel von Chevron bei 158,08 US-Dollar. Im zweiten Quartal dieses Jahres machte der Konzern so viel Gewinn wie nie zuvor, er wuchs von 3,3 Mrd. US-Dollar im Vorjahresquartal auf 11,6 Mrd. US-Dollar. Der Umsatz stieg um über 80 Prozent auf 68,8 Mrd. US-Dollar. Für das Gesamtjahr 2022 erwarten Analysten einen Umsatzanstieg von acht Prozent auf 175 Mrd. US-Dollar sowie ein Ergebnis in Höhe von 10,62 US-Dollar je Aktie.

Natürlich gibt es nicht nur in den USA vielversprechende Öl-Unternehmen. Bekannt und bei Anlegern beliebt ist beispielsweise Shell. Die gelbroten Shell-Tankstellen sind vielen deutschen Autofahrern ein Begriff. Auch Shell ist ein beständiger Dividendenzahler, wobei das Unternehmen aufgrund von Corona-Turbulenzen die Auszahlung an seine Aktionäre erstmals senken musste. Analysten empfehlen den Titel derzeit einstimmig zum Kauf. Die britische Investmentbank Barclays hat das Kursziel für Shell zuletzt von 3000 auf 3300 Pence, also von gut 34 auf gut 38 Euro, angehoben und die Einstufung auf „Overweight“ belassen.


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