FondsMischfonds in rauem Fahrwasser

Wollen Anleger wissen, ob ein Fondsmanager gute Arbeit leistet, schauen sie sich gern die Performance des Fonds in den vergangenen drei oder fünf Jahren an. Bei Mischfonds ist dieser Zeitraum wenig aussagekräftig: Sowohl an den Aktien- als auch an den Rentenmärkten ging es in den vergangenen Jahren aufwärts. Hauptgrund dafür war die ultralockere Geldpolitik der großen Notenbanken. Mischfondsmanager mussten da nicht viel tun, um gute Ergebnisse abzuliefern.

Nun ändert sich die Lage. Wachsende politische Risiken dürften im laufenden Jahr für starke Schwankungen an den Aktienbörsen sorgen, sagen Marktbeobachter. Klassischerweise sollen bonitätsstarke Anleihen solche Schwankungen in gemischten Portfolios abfedern. Dieser Aufgabe kann die Anlageklasse aber immer weniger gerecht werden. Grund: Steigende Zinsen in den USA, die auch auf den europäischen Aktienmarkt abstrahlen, setzen die Anleihekurse unter Druck.

Mischfondsmanager schichten um

In den vergangenen Jahren konnten Mischfondsmanager sowohl mit Aktien als auch mit Anleihen relativ einfach Gewinne erzielen. Nun drohen auf beiden Seiten Verluste. Mischfonds erfreuen sich bei Investoren seit Jahren großer Beliebtheit, konnten viel Anlegergeld einsammeln. Viele Fondsanbieter haben im Zuge des Booms neue Multi-Asset-Produkte aufgelegt. Nicht alle davon können in einem schwierigeren Marktumfeld bestehen, urteilen Fondsanalysten. Sie gehen davon aus, dass sich in den kommenden Monaten die Spreu vom Weizen trennt.

Viele renommierte Mischfondsmanager sehen an den Rentenmärkten offenbar größeres Unheil heraufziehen als an den Aktienmärkten. Zum Beispiel Bert Flossbach: Der Manager des rund 11 Mrd. Euro schweren „Flossbach von Storch Multiple Opportunities“ hatte die Aktienquote des Fonds im vergangenen Jahr auf unter 60 Prozent gesenkt. Mittlerweile liegt sie wieder bei fast 70 Prozent. Anleihen machen jetzt gerade einmal 6,2 Prozent des Fondsportfolios aus.

Flossbach von Storch SICAV – Multiple Opportunities R Fonds

Flossbach von Storch SICAV - Multiple Opportunities R Fonds Chart
Kursanbieter: L&S RT

Oder Edouard Carmignac: Bei seinem 21 Mrd. Euro schweren Mischfonds „Carmignac Patrimoine“ ist die Aktienquote zuletzt ebenfalls gestiegen, auf mittlerweile rund 50 Prozent. Die Anleihequote ist zwar nicht gesunken, das zusätzlich in Aktien investierte Kundengeld war zuvor am Geldmarkt geparkt gewesen. Carmignac hat aber auf mittlere Sicht sein Engagement in Staatsanleihen aus Industriestaaten reduziert und in Schwellenländerpapiere umgeschichtet. Diese bieten deutlich höhere Zinsen als Festverzinsliche aus entwickelten Ländern.

Risiko ist relativ

Luca Pesarini von der Investmentboutique Ethenea setzt insgesamt stärker auf Anleihen. Der Manager des rund 7 Mrd. Euro schweren „Ethna Aktiv“ hat derzeit eine Anleihequote von 55,8 Prozent. Aktien und Aktienderivate machen nur ein Viertel des Fondsportfolios aus. Pesarini ist ein gebranntes Kind: Ins vergangene Jahr war er mit einer deutlich höheren Aktienquote gestartet – und erlitt im Zuge der Kursstürze zu Jahresbeginn so hohe Verluste, dass er das Jahr mit einem Minus beendete.

Anleger können aus der Positionierung der Top-Mischfondsmanager die Lehre ziehen: Risiko ist relativ. Die einen verstehen darunter eine hohe Volatilität am Aktienmarkt, die anderen sehen Kursstürze auf der Anleiheseite als Hauptgefahr. Privatinvestoren sollten für sich klären, wo sie die größten Risiken sehen. Falls sie sich für Mischfonds interessieren, können sie dann ein entsprechend positioniertes Produkt wählen. Denn eines steht fest: Die Zeit, in der beide Haupt-Anlageklassen gut abschnitten, nähert sich dem Ende.