VorsorgeLotto spielen statt Riestern


Uwe Redler ist Finanzberater. Er hilft Verbrauchern bei der Suche nach den richtigen Vorsorgeprodukten. Seit November 2015 ist Herr Redler Mitglied im Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen. Weitere Informationen unter www.uwe-redler.deUwe Redler ist Finanzberater. Er hilft Verbrauchern bei der Suche nach den richtigen Vorsorgeprodukten. Seit November 2015 ist Herr Redler Mitglied im Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen. Weitere Informationen unter www.uwe-redler.de


Ist das „Riestern“ eine gute Altersvorsorge oder eher ein Glücksspiel? Je nachdem, wen Sie fragen, werden die Antworten unterschiedlich ausfallen. Die Anbieter solcher Sparmodelle werden diese natürlich in den höchsten Tönen loben. Ich denke allerdings, dass Sie Ihr Geld eindeutig besser investieren können – außer, Sie mögen den Nervenkitzel des Lottospielens.

Staatlich gefördert wird sie, die Riester-Rente. Sie ist sicher und sorgt dafür, dass Sie Ihr Alter auch finanziell genießen können. Glauben Sie das? Ich hoffe nicht, denn ansonsten wird es ein Schockerlebnis für Sie geben und zwar spätestens dann, wenn Sie auf das Geld wirklich angewiesen sind.

Würden Sie auch dann noch eine Riester-Rente abschließen, wenn man Ihnen sagen würde: „Lieber Kunde. Vielen Dank für die regelmäßige Einzahlung Ihrer Beiträge. Sollten wir allerdings feststellen, dass Sie hohe Gewinne machen könnten, werden wir das zu verhindern wissen und ändern kurzerhand die Bedingungen.“ Wie klingt das für Sie?

Sie meinen, dass es solche Verträge gar nicht geben dürfte? Tatsächlich können die Anbieter von Riester-Tarifen ihre Konditionen während der Laufzeit (!) anpassen. Einfach so. Und zwar selbstverständlich zu Ihrem Nachteil – nicht dass Sie etwa denken, das könnte vorteilhaft für Sie sein. Was bitte nutzen Ihnen sämtliche Förderungen und Begünstigungen, wenn das Kleingedruckte Ihnen durch die Hintertüre wieder Geld abnimmt? Mit Vertrauen und einer fairen Geschäftsbeziehung hat das nichts zu tun!

Bloß nicht alt werden!

Die Riester-Rente wirbt unter anderem mit ihrer Flexibilität – was ja auch stimmt. Sie können den Rentenbeginn vorziehen oder hinausschieben oder eine Beitragsfreistellung in Anspruch nehmen. Was Sie vermutlich nicht wissen ist, dass Sie dafür von vielen Versicherungsgesellschaften abgestraft werden, indem in solchen Fällen ganz einfach die Rechnungsgrundlagen verändert werden.

So gibt es Tarife, die sowohl das Vorziehen der Rente zum 60. Lebensjahr ermöglichen als auch eine Mindestrente garantieren – allerdings nur getrennt voneinander. Gehen Sie nämlich früher in Rente, ist im Kleingedruckten festgeschrieben, dass Ihnen keine Mindestrente zusteht. Wer hier die Vertragsbedingungen studiert hat, ist klar im Vorteil – und schließt im besten Falle solch einen Tarif gar nicht erst ab.

Noch krasser wird es, wenn Sie die Unverschämtheit besitzen sollten, älter zu werden als erwartet. Da heißt es bei einer Versicherungsgesellschaft: „Wenn (sich) aufgrund von Umständen … die Lebenserwartung der Versicherten zu stark erhöht, so dass die … Rechnungsgrundlagen voraussichtlich nicht mehr ausreichen …, sind wir berechtigt … für die Berechnung des Rentenfaktors (die) Rechnungsgrundlagen an(zu)wenden … die für die Berechnung der Deckungsrückstellungen für neu abschließende Rentenversicherungen gelten.“

Im Klartext bedeuten diese verklausulierten Formulierungen nichts anderes, als dass Ihre Rente nach Belieben anhand anderer Grundlagen berechnet werden kann als anfangs vereinbart – wenn den Versicherungen die „Umstände“ nicht mehr in den Kram passen. Und dass sich diese Neuberechnung nicht zu Ihren Gunsten entwickelt, dürfte auch dem Gutgläubigsten klar sein. Übrigens ist die Gesellschaft mit den oben genannten zitierten Vertragsbedingungen im „Riester-Rating 2010“ unter den ersten Zehn gelandet ist. Hier sollten Sie sich auch mal die Frage stellen, inwieweit man solchen Auswertungen trauen kann.