Börsenturbulenzen Liebesgrüße für Aktien aus Berlin

Abwärts: Der Dax musste in seiner Geschichte schon einige Rückschläge verkraften
Die Folgen des Ukraine-Kriegs belasten die Kurse
© dpa
Raus aus Europa lautet derzeit das Motto nicht nur von vielen Profis an den Finanzmärkten. Vor allem der Dax leidet. Doch es gibt auch Profiteure der Entwicklung, die vor allem auf viel Rückenwind aus der Politik hoffen können

Im Februar und März 2020 sorgten die Folgen der Coronapandemie für Panik auf dem Parkett. Damals sackte der Dax innerhalb von etwa drei Wochen um rund 40 Prozent ab. Die anschließende Erholung verlief nur unwesentlich langsamer, denn die Notenbanken und Regierungen legten bisher unvorstellbare Rettungsprogramme auf, um die Wirtschaft zu stützen. Mut wurde damals an der Börse mit sehr hohen Gewinnen belohnt. Von den schnellen Profiten wurden viele Neulinge angelockt, Broker wie Flatex oder Smartbroker verzeichneten seitdem hohe Kundenzuwächse.

Fast genau zwei Jahre später dominiert erneut Panik. Die Weisheit „Politische Börsen haben kurze Beine“ könnte sich dieses Mal als falsch herausstellen. Für die Menschen in der Ukraine ist der Krieg zwar sehr dramatisch, nicht aber für die Märkte. So fällt der Export Deutschlands in Richtung Russland mit knapp zwei Prozent kaum ins Gewicht. Hingegen reagieren die Märkte empfindlich auf die Folgen der angekündigten Sanktionen und Gegenmaßnahmen, die eine belastbare Prognose für die Gewinnentwicklung der Firmen unmöglich machen.

Rohstoffpreise explodieren – Beruhigung nicht in Sicht

Die Preisrally bei den Energierohstoffen befeuert die ohnehin bereits hohe Inflation. „Gleichzeitig sind die Lieferketten weiterhin gestört, nach dem BIP-Rückgang im vierten Quartal 2021 droht jetzt eine technische Rezession mit zwei aufeinander folgenden Rückgängen“, erklärt Norbert Betz, Leiter der Handelsüberwachung der Börse München/Gettex. Aber es könnte noch schlimmer kommen: Bleibt die Teuerung hoch und kühlt sich die Wirtschaft ab, steigt das Risiko einer Stagflation, also eine stagnierende Wirtschaft plus Inflation.

Für die Notenbanken ein denkbar schlechtes Szenario: Um die Konjunktur in Schwung zu bringen wären ähnlich wie beim Corona-Crash neue Stützungsprogramme notwendig. Auf der anderen Seite wäre eigentlich eine Straffung der Geldpolitik notwendig, um die hohe Teuerung zu bremsen. Die Inflation wird aber zum Großteil durch steigende Energiepreise befeuert. Hier sind EZB und Fed mit ihrer Geldpolitik machtlos.

„In einem solchen Umfeld lohnt es sich, ausgewählte Branchen anzuschauen, die bald von einer Sonderkonjunktur profitieren dürften. So führt derzeit vor allem die hohe Energieabhängigkeit von Russland zum Umdenken, meint Gil Shapira, Chefstratege beim Broker Etoro. Bundesfinanzminister Christian Lindner lässt sich nicht lumpen und nachdem zunächst 100 Mrd. Euro für Rüstungsprojekte angekündigt wurden, legte er nach und plant bis 2026 mit 200 Mrd. Euro für den klimafreundlichen Umbau des Landes. Das Geld soll etwa für den Aufbau von E-Ladesäulen und die Wasserstoff-Erzeugung eingesetzt werden.

So profitieren Anleger

Damit die energetische Jahrhundert-Transformation möglichst reibungslos verläuft, sind massive Investitionen in Wasserstoff-Infrastrukturprojekte notwendig. Die gesamte Wertschöpfungskette dürfte daher einen Aufschwung erfahren. Neben Herstellern von Brennstoffzellen zählen dazu auch Anlagenbauer, Betreiber von Tankerflotten und Anbieter von neuartigen Mobilitätskonzepten. Um das Risiko möglichst breit zu streuen, bietet sich ein Zertifikat auf den Hydrogen Global Select Index an mit der WKN: HR61NA (onemarkets). Darin enthalten sind bis zu 25 Unternehmen, die an der Entwicklung und Produktion von (grünem) Wasserstoff, Wasserstoffantrieben, Brennstoffzellen sowie Fahrzeugbatterien involviert sind.  

Eng verknüpft mit der Wasserstofftechnologie ist der Markt für Elektrofahrzeuge. Autobauer wie Volkswagen, Hyundai, Fiat und Ford planen mittelfristig keine Fahrzeuge mehr mit Verbrennungsmotor anzubieten. Volkswagen will bis 2025 Marktführer in der Elektromobilität werden. Die etablierten Anbieter stehen unter Druck, Newcomer wie Tesla, BYD und NIO erobern zügig Marktanteile. So legte der Anteil an Neuzulassungen von E-Fahrzeugen in Deutschland im Vorjahr auf 13,6 Prozent zu, 2017 lag die Quote noch unter einem Prozent. Dank massiver Subventionen sind E-Fahrzeuge teilweise günstiger als Autos mit klassischen Verbrennungsmotoren. Auch hier sollten Anleger auf die gesamte Wertschöpfung setzen. Das Vontobel Electric Vehicle Basket mit der WKN: VQ32VY (Vontobel) enthält Hersteller von Elektrofahrzeugen und Batterien sowie deren Zulieferer.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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