GeldanlageLasst das Geld arbeiten!

Blaues Sparbuch
Es bringt kaum Zinsen, trotzdem schlummert in Deutschland noch viel Geld auf Sparbücherndpa

Die allerwenigsten Menschen würden sich wohl über 285 Mrd. Euro aufregen. Vor allem dann nicht, wenn sie das Geld, von anderen in die Hand gedrückt bekämen. Der Chef der Deutschen Bank aber, John Cyan, tut es. Sein Problem mit diesem Geld ist nämlich: Es ist der Betrag, den Kunden zuletzt in das Bankhaus trugen, um es dort auf Girokonten oder Tagesgeldkonten aufbewahrt zu wissen. Es sind die täglich fälligen Einlagen, die zwar bei der Bank herumliegen, aber jederzeit von ihren Besitzern wieder abgeholt und abgehoben werden können. Sie müssen täglich verfügbar sein und weil die Bank das sicherstellen muss und deshalb sozusagen über Nacht bei der Zentralbank zwischenparken muss, zahlt sie Strafzinsen dafür. Die Strafzinsen sind einerseits der Grund, weswegen sich der Deutsche Bank Vorstand ärgert, denn sie schmälern seine Rendite. Andererseits sind sie auch die Begründung dafür, dass die Sparer selbst für ihr Geld keine Zinsen mehr bekommen. Im Grunde nützt dieses Geld eigentlich niemandem.

Schon klar, es bietet den Kunden eine gewisse Sicherheit. Denn viele parken ihr Geld ja nicht aus lauter Einfallslosigkeit auf den Konten, sondern weil sie einen finanziellen Puffer brauchen; eine größere Investition tätigen wollen, für die sie liquide sein müssen; oder weil sie dem Auf und Ab an den Kapitalmärkten nicht trauen – und schlicht zu ängstlich sind, das Geld woanders zu investieren. Gründe, um Geld auf solchen Konten zu parken, gibt es viele. Weil deutsche Bankkunden sehr viele davon haben und auch sehr lange daran festhalten, sieht die Lage aber hierzulande so aus: Deutsche sind – zusammen mit den Österreichern – in Europa dasjenige Volk, das am diszipliniertesten spart. Zumindest steigt der Betrag, den die Bundesbürger von ihrem Arbeitseinkommen abzweigen und zurücklegen Jahr für Jahr, so hat die Allianz in einer globalen Vermögensstudie ermittelt.

Dennoch wächst das Vermögen in anderen Ländern viel stärker als bei uns. Und das ist keine Momentaufnahme, sondern gilt dauerhaft. Auf der Skala der reichsten Länder – gemessen am durchschnittlichen Geldvermögen pro Kopf – liegt Deutschland ziemlich weit abgeschlagen hinten und damit weit hinter den USA, der Schweiz, Skandinavien, den Niederlanden oder Großbritannien. Seit dem Jahr 2000 hat es beim Bruttogeldvermögen sogar zwei Plätze eingebüßt. Wie kann das sein?

Viel Geld liegt auf Giro- und Tagesgeldkonten

Die Studie drückt es so aus: Während anderswo das Geld für die Sparer arbeitet, arbeiten Deutsche noch immer für ihr Geld. Vor allem haben sie das Gefühl, sie müssten immer mehr davon horten und zurücklegen, damit das bisherige Kapital bei den derzeitigen Niedrigzinsen und der wieder auflebenden Inflation nicht permanent weniger wird. Mit dieser Einschätzung haben sie auch nicht ganz Unrecht, zumindest wenn sie weiterhin so viel Geld auf Giro- und Tagesgeldkonten parken wie bisher, stimmt sie. Dort liegen nämlich rund 2 Billionen Euro, umgerechnet rund 24.400 Euro pro Kopf. Nur ein Viertel dieses Geldes steckt in Fonds. Nun blasen uns zwar Fondsgesellschaften und Investmentverbände regelmäßig enorme Zahlen um die Ohren, die bebildern sollen, wie stark die Fondsindustrie hierzulande wächst. Aber wenn man diese beiden Zahlen im Vergleich sieht, so ist es doch immer noch verhältnismäßig wenig, was in solchen Vehikeln steckt und wie viel stattdessen bei den Banken liegt.

Bei einem Zinssatz von zwei Prozent, der nun wirklich nicht üppig ist und vor einigen Jahren noch durchaus üblich war, würfe dieser Kapitalstock von 24.400 Euro jedem Anleger, der es zehn Jahre liegen ließe, rund 5000 Euro an Zinsen ab. So war es früher einmal. Und heute? Da kann man schon froh sein, wenn man 0,7 Prozent Zinsen bei der Bank bekommt, viele Bestandskunden müssen sich eher mit 0,1 bis 0,05 Prozent zufrieden geben – falls man bei dieser Zinshöhe überhaupt noch das Wort zufrieden in den Mund nehmen kann. Es entspricht im allerbesten Fall gerade einmal 1733 Euro, aber auch nur dann, wenn der heutige Zinssatz auch die kommenden zehn Jahre noch gilt. Bisher wurde er ja regelmäßig noch weiter nach unten korrigiert. Im schlechtesten Fall sind es nur 120 bis 240 Euro für zehn Jahre Sparphase. Das kann man schon nicht mehr als Rendite bezeichnen, das ist nicht mehr als eine Aufwandsentschädigung dafür, dass man das Geld zur Bank überweisen hat und irgendwann zurücknimmt.

Vor allem diese niedrig verzinsten Konten sorgen dafür, dass deutsche Sparer sehr wenig Vermögenszuwachs durch die Vermehrung des Geldes erzielen, das sie bereits zurückgelegt haben. Dessen Zinswachstum trägt nämlich nur zu einem Viertel unseres Gesamtgeldwachstums bei. Die übrigen Dreiviertel kommen da her, dass Bundesbürger noch mehr zusätzliches Geld monatlich abknapsen. Seit 2013 ist die Sparquote hierzulande um rund einen Prozentpunkt gestiegen, von neun Prozent auf 9,9 Prozent. Langfristige Verträge, etwa Versicherungsverträge, bei denen wegen der Beitragsdynamik jedes Jahr die Einzahlungen steigen, fließen in diese Rechnung mit ein, Betriebsrentenverträge ebenso. Insgesamt läpperten sich die zusätzlichen Sparbeträge auf 4000 Euro seit 2012 sagt die Studie. In anderen Ländern der EU ist das Verhältnis genau umgekehrt: Sie legen nicht mehr Geld zurück, sondern erzielen im Schnitt 70 Prozent ihres Vermögenszuwachses dadurch, dass sie ihr Geld für sich arbeiten lassen.

Langfristig rechnet sich die Fondsanlage

Wie macht man das nun? Man könnte ja zumindest einmal anfangen, wenigstens das zusätzlich zurückgelegte Geld nicht auch noch auf unverzinste Konten zu schichten. Oder in Versicherungsverträge mit Minirenditen. Falls sie so einen Vertrag haben, dessen Beiträge sich Jahr für Jahr erhöhen, dann stoppen Sie wenigstens die Dynamik und legen stattdessen den Zusatzbetrag selber an. Anhand der 4000 zurückgelegten Euro lässt sich der Unterschied nämlich gut erklären: Hätte ein Sparer die zusätzlichen 4000 Euro 2012 ebenfalls auf ein Tagesgeldkonto gelegt, dann hätte er heute bei einer sehr guten Bank 4141 Euro zusammen, in weiteren fünf Jahren könnten es dann 288 Euro Zinsen sein. Hätte er das Geld aber 2012 am Aktienmarkt investiert – und zum Beispiel zum Stand von 7200 Punkten einen Indexfonds auf den Dax gekauft – dann könnte er sich heute über einen Zuwachs von 73 Prozent freuen. Denn der Dax steht inzwischen bei 12.500 Punkten. In Euro bedeutet das: Er hätte nicht mehr 4000 Euro auf dem Konto, sondern 7900 Euro, schon fast das Doppelte.

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Nun weiß natürlich jeder, dass nicht alle Jahre am Aktienmarkt gleich sind. Und die vergangenen Jahre waren nun mal sehr gute Jahre. Von daher werden viele sagen: Wer weiß, wie das in anderen Phasen ausgesehen hätte und ob sich der jüngste Kursaufschwung so auch in Zukunft fortsetzen wird? Das weiß niemand, aber rechnen wir einmal zurück, was in den vergangenen zehn Jahren passiert wäre, in die nun ungeschickterweise der große Finanzmarkt- und Aktiencrash von 2007 fiel. Der Marktabsturz pulverisierte fast alle Kurse geradezu – aber: Hätte der Sparer also vor zehn Jahren seine 4000 Euro angelegt, dann hätte er jetzt – trotz Crash und jahrelanger Erholungsphase – immerhin 7231 Euro zur Verfügung. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 6,1 Prozent. Und es sind immer noch 3000 Euro mehr als auf der vermeintlich „sicheren Bank“.

Das gilt für die Einmalanlage, also für den Fall, dass der Sparer die gesamten 4000 Euro zu einem Zeitpunkt angelegt hätte. Was ist, wenn er dieses Geld nicht in einem Batzen übrig hätte oder nicht auf einmal am Markt investieren will, weil er fürchtet, den falschen Zeitpunkt zu treffen? Schließlich mahnen Finanzwissenschaftler nicht umsonst, dass Privatanleger nicht sehr gut darin sind, den richtigen Zeitpunkt für ein Aktieninvestment zu treffen. Professionelle Fondsmanager sind darin übrigens nicht besser. Dann wäre es eine Idee, einfach regelmäßig kleinere Beträge zu sparen, so wie man es mit Fondssparplänen tut. Die 4000 Euro in fünf Jahren entsprechen einer Sparrate von rund 66 Euro im Monat. Das könnten sich viele leisten. Wären diese 66 Euro seit 2012 in einen Dax-Fonds geflossen, stünden jetzt 5716 Euro auf dem Depotauszug. Das ist weniger als bei der Einmalanlage, das liegt daran, dass der Zinseszinseffekt hier geringer ausfällt. Würde der Sparer auch konsequent noch die kommenden fünf Jahre durchhalten, käme er nach zehn Jahren auf einen Depotwert von 10.834 Euro. So zumindest hätte sich sein Aktiendepot mit Sparplan seit 2007 entwickelt. Und noch viel schlimmer als in der Finanzkrise wird es doch auch künftig hoffentlich nicht kommen, oder?

Wenn er sogar das Glück hat, dass auch die nächsten Jahre gute Aktienjahre werden, könnte sein Kapital sogar noch weiter anwachsen. Von sieben bis acht Prozent Jahresrendite gehen die Statistiken schließlich bei der längerfristigen Aktienanlage aus, als bei zehn Jahren oder mehr. So, und nun rechnen Sie das Ganze einfach mal mit den 24.400 Euro durch, die rein rechnerisch jeder auf dem Nullzinskonto liegen hat. Als Ergebnis kommen zwar keine 285 Mrd. Euro raus, aber vielleicht ärgern Sie sich am Ende schon fast so wie John Cryan.


Nadine OberhuberNadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen

 


 

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