KolumneKrisengewinner Gold

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Das Edelmetall Gold (ebenso wie sein zu wenig beachteter Bruder Silber) steht auf der Sonnenseite der Krisengewinner. Glänzend sind die Zukunftsaussichten, denn der einstige Feind des Goldes, der Zins, wurde grosso modo von den Notenbanken gänzlich abgeschafft. Die Nullzinspolitik der Zentralbanken, die seit der Subprimekrise 2007 in Gang gekommen ist, entzieht dem Gold sein Hauptmanko: den Nullertrag.

Stattdessen kommt der Hauptvorteil des Goldes als Währung zum Tragen, der darin besteht, nicht so beliebig vermehrbar und in der Verfügungsgewalt des Staates zu sein wie Fiat-Geld bzw. Papierwährungen. Entsprechend ist der Anstieg des Goldpreises durchaus als Misstrauensvotum gegenüber den etablierten Währungen zu verstehen.

Goldpreis Rohstoff (je Unze in Dollar)

Goldpreis Rohstoff Chart
Kursanbieter: FXCM

Zwar bemühen sich die Anbieter von Goldprodukten emsig, ihre Preziosen etwas zu strecken, etwa durch die Verwertpapierlichung von Goldanlagen oder eine Hinterlegung mit physischem Gold von weniger als 100 Prozent, aber gegenüber der ungeheuren Geldvermehrung durch die Notenbanken ist das nur ein Klacks. Über die zusätzlichen praktischen Nachteile des Goldes als Währung (teure Aufbewahrungskosten, Unhandlichkeit als Zahlungsmittel, hohe Übertragungskosten etc.) kann man getrost hinwegsehen.

Bundesanleihen als sichere Häfen

Besondere Beliebtheit genießt das gelbe Metall in Deutschland, wo mehr als fünf Prozent der weltweiten Goldmenge privat gehortet wird. Manche Experten meinen, die Hyperinflation aus den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts sei für die Gold-Vorliebe der Deutschen verantwortlich. Gewiss darf man aber sagen, dass ihnen die Aktien-DNA fehlt, obwohl es Hinweise gibt, dass nicht wenige Mitbürger den Kurssturz der Corona-Pandemie aus dem Frühjahr genutzt haben, um Aktiendepots zu eröffnen.

Im Grunde ist die Bundesrepublik aber ein Land der Zinsanleger und seine Staatsanleihen sind nicht zuletzt auch international en vogue. Denken wir nur an die jüngst aufgelegte zehnjährige Bundesanleihe, die im Juni bepreist wurde und einen Kupon von Null trägt. Mittlerweile notiert dies Staatspapier mit 105,25 EUR deutlich über Pari, woran sich seine Beliebtheit unzweifelhaft ablesen lässt.

Während aber solche Anlagen früher als reine Spekulation angesichts fehlender Cashflows und langer Dauer bezeichnet wurden, hat sich in den letzten Jahren und Monaten die Weisheit durchgesetzt, dass Anlagen, die im Kurs steigen, als sogenannte sichere Häfen angesehen werden können. Der Ahnherr vernunftbasierten Investierens Benjamin Graham sprach zynisch von einem Investment als Spekulation, die erfolgreich verlaufen sei. Aber das ist lange her. Heute dominieren Momentum und relative Stärke nebst einem ´überzeugenden´ Narrativ die Anlageentscheidungen.

Am Verschuldungsrad drehen

Immerhin möchte man als Staatsbürger der Bundesbank empfehlen, jetzt ihre Goldbestände vorsichtig zu veräußern und mit den Erlösen kupontragende deutsche Staatsanleihen zu kaufen, um die Zinsbelastung des Bundeshaushaltes weiter zu verringern. Was nämlich den Apples und Microsofts bei deren enormen Aktienrückkaufprogrammen recht ist, dass sollte der Bundesbank billig sein. Wenn dann die Zinslast für den Bund bei null gelandet ist, lässt sich das Verschuldungsrad noch viel kräftiger drehen. Mit den beschlossenen Eurobonds ist man auf diesem Gebiet bereits gut unterwegs.

Dann fehlt nur noch Inflation, um die reale Entschuldung voranzutreiben. Aber auch hier besteht Hoffnung, denn die EZB hat es sich ja explizit zum Ziel gesetzt die gewünschte Inflation herbeizuführen. Davon dürfte dann wiederum Gold profitieren.

 


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns