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KI-Aktie Kann der Nvidia-Höhenflug anhalten?

Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang profitiert vom Boom der Künstlichen Intelligenz
Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang profitiert vom Boom der Künstlichen Intelligenz
© IMAGO / ZUMA Wire
Nvidia bedient erfolgreich die hohe Nachfrage nach Chips für Künstliche Intelligenz – und liefert Rekordzahlen. Die Frage ist, wie lange das so weitergehen kann

Der kalifornische Chiphersteller Nvidia steigt in fantastische Sphären empor: Die Erwartungshaltung vor der Bekanntgabe der Zahlen des Techunternehmens war groß. Aber das Ergebnis übertraf noch einmal alle Erwartungen.

Der KI-Boom hat das Geschäft im vergangenen Quartal explodieren lassen: „In diesem Quartal gab es eine 46-prozentige operative Marge. Nvidia existiert seit 32 Jahren, in diesen ganzen Jahren hat Intel nie eine solche Marge erreicht. Die höchste war 32 Prozent“, sagt Daniel Kröger, Fondsmanager Vermögensverwaltung Ehrke & Lübberstedt, zu ntv. Nvidia kann nicht nur den Umsatz im vergangenen Quartal zum Vorjahr auf 13,5 Mrd. Dollar verdoppeln. Auch der Gewinn klettert von 656 Mio. auf 6,2 Mrd. Dollar (5,7 Mrd. Euro).

Wer Computerspiele spielt, in virtuelle Welten abtaucht, nutzt – meist ohne es zu wissen – Chips von Nvidia. Aber es ist vor allem der Bereich künstliche Intelligenz, der das Wachstum des Unternehmens aus dem Silicon Valley zuletzt turbomäßig beschleunigt hat. Im allgemeinen KI-Fieber ist Nvidia im Vorteil. Denn seine Chips und Software eignen sich besonders gut für KI-Anwendungen. Unter anderem kommen sie beim Anlernen von Programmen wie dem gehypten Chatbot ChatGPT zum Einsatz.

Das Techunternehmen habe seine Wettbewerber weit hinter sich gelassen, sagt Fondsmanager Kröger. „Nvidia hat einen 80-prozentigen Marktanteil, das ist gewaltig. Nicht nur auf der Hardwareseite, sondern auch auf der Softwareseite ist das Unternehmen stark überlegen.“ Auf Softwareseite sei es Konkurrenten wie AMD „um Jahre voraus“.

Für Experten wie Kröger ist das kein Zufall. „Der Hype ist nicht vom Himmel gefallen“, sagt der Fondsmanager ntv.de. „Die Forschung in diesem Bereich gibt es seit 2015. Dass Nvidia etwas kann, ist lange bekannt. Erst haben sie für Spieler entwickelt, dann kam Bitcoin. Man hat sich immer weiterentwickelt. Was nicht absehbar war, war die große Nachfrage im Bereich KI, die wir heute sehen.“

Es ist die Gunst der Stunde für das Unternehmen: Rechenzentren rüsten im großen Stil um. Nvidia hat genau dafür eine Familie von Hochleistungschips entwickelt. Zur großen Freude von CEO Jen-Hsun Huang: „Eine neue Ära der Datenverarbeitung hat begonnen. Unternehmen auf der ganzen Welt gehen vom Allzweck-Computing zu beschleunigten Rechenverfahren und zur generativen KI über.“ Die Zahlen belegen: Einen besonders großen Sprung gab es im vergangenen Quartal im Geschäft mit Technik für Rechenzentren. Der Umsatz stieg zum Vorjahr um gut 170 Prozent.

Kann der Erfolg von Dauer sein?

Kröger erwartet kein abruptes Ende des Hypes. „Der Boom und die Nachfrage im Bereich KI ist immer noch gigantisch groß. Gerade, wenn man in die Server-Landschaft schaut. In den letzten Jahren wurden Chips im Gegenwert bei den Cloudanbietern von einer Billion Dollar installiert. Genau das ist (Nvidias) Markt,“ sagt Fondsmanager. Aktuell kann nur 50 Prozent der Nachfrage geliefert werden. Die künftige Nachfrage zu bedienen, werde zu einer Herausforderung. „Man sieht, wie sich der Markt komplett gedreht hat.“

Die Börse zweifelt offenbar nicht daran, dass Nvidia diese Herausforderung bewältigen kann. Die Aktien haben einen Lauf, wie ihn Börsianer nur selten sehen. Analysten hatten im Vorfeld zwar Sorgen geäußert, dass sich das Unternehmen möglicherweise nicht genug Produktionskapazitäten bei Auftragsfertigern sichern könnte. Denn Nvidia selbst hat keine eigenen Fabriken zur Fertigung von Chips. Stattdessen spannt es verschiedene Auftragsfertiger wie die taiwanischen TSMC- und UMC-Gruppen für die Massenfertigung ein. Aber die Prognose fürs nächste Quartal scheint die Bedenken zu zerstreuen.

Offenbar habe man sich mit den Fertigern gut geeinigt, so Kröger. Inwiefern Nvidia bei TSMC die Produktionszahlen noch zu seinen Gunsten justieren kann, bleibt abzuwarten. Kröger geht davon aus, dass langfristige Verträge den Nachschub auf dem bisherigen Niveau sichern. Insgesamt machen die Chips, die Nvidia braucht, nur fünf Prozent der gesamten Chip-Produktion aus.

Mittlerweile kosten Nvidia-Papiere mehr als dreimal so viel wie noch zu Jahresbeginn. An der Börse ist das Unternehmen damit rund 1,2 Billionen Dollar wert. Zum Vergleich: Der lange dominierende Halbleiter-Riese Intel bringt gerade einmal gut 143 Mrd. Dollar auf die Waage.

KI werde langfristig unterschätzt

„Kurzfristig hat der Hype vielleicht einen ungesunden Punkt erreicht. Ob man auf diesem Niveau noch einsteigen sollte, ist eine berechtigte Frage“, sagt Kröger. „Aber langfristig ist es eine Wette auf Kow-how. Wir unterschätzen, was bei KI noch herauskommt.“ Kröger geht davon aus, dass es in den nächsten fünf bis sechs Jahren in der Entwicklung und Anwendungen viel Luft nach oben gibt. „Bill Gates hat es einmal so formuliert: Dinge erfahren kurzfristig einen Hype, aber langfristig werden sie unterschätzt. So ist es auch bei KI.“

Nvidia befeuert diese Fantasie: Das Unternehmen rechnet für die kommenden drei Monate mit einem weiteren Umsatzanstieg auf rund 16 Mrd. Dollar. Nahezu so viel hatte das Unternehmen im gesamten Ende Januar 2021 abgeschlossenen Geschäftsjahr umgesetzt. “Der Ausblick unterstreicht die Rolle von Nvidia als Hauptnutznießer des Booms im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Angesichts der sprunghaft steigenden Nachfrage nach Chatbots und anderen Tools decken sich die Firmen mit den Prozessoren des Unternehmens ein“, schreibt Marktanalyst Konstatin Oldenburger von CMC Markets. Es scheine so, als könne Nvidia demnächst sogar Apple vom Börsenthron der wertvollsten Unternehmen stoßen. Andererseits würden auch die Bäume für Nvidia nicht in den Himmel wachsen. Die angekündigte Kapitalerhöhung könnte darauf hindeuten, dass es in Zukunft schwieriger werde, Bereiche zu finden, in die Nvidia expandieren könne. „Das ist auch eine Warnung an die KI-Fans“, so Oldenburger.

„Per gestern schien die Börsenbewertung zu hoch“, sagt Kröger. „Ich sage mal, mit den Zahlen fürs nächste Quartal kommt die Bewertung ein Stück weit runter. Aber Nvidia muss dieses Wachstum natürlich sehr lange halten, um die Bewertung zu rechtfertigen.“ Kröger zitiert Jeff Bezos: „Your margin is my opportunity.“ Übersetzt heißt das: Deine Marge ist meine Herausforderung. „Bei den hohen Margen werden Konkurrenten mit draufspringen, sie wollen was vom Kuchen abhaben.“ Diese Aufholjagd könne aber noch „zwei bis drei Jahre dauern“.

Der Beitrag ist zuerst bei ntv.de erschienen

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