FondsKein Schiff wird kommen

Die Andre Jacob, ehemals Margara, liegt seit Mitte Juli vor Gibraltar
Die Andre Jacob, ehemals Margara, liegt seit Mitte Juli vor Gibraltar
© Jon Segui

Seit etlichen Monaten dümpelt die Andre Jacob vor Gibraltar. Kaum eine Fahrt machte der Rohöltanker in diesem Jahr. Mal lag das Schiff im Atlantik auf Reede, mal vor Malta. Der Markt ist tot. Seit Mitte Juli dient das stolze Schiff als storage tanker – als eine Art schwimmende Lagerhalle. Und wartet auf bessere Zeiten.

Ob der Tanker die noch erleben wird, ist fraglich. Denn mit jedem Tag in diesem öden Auf und Ab im Takt der Wellen rückt das Ende der Andre Jacob näher, droht die Insolvenz und damit der Totalverlust. Für die Privatinvestoren ist das ein Desaster. Erst am 23. Oktober machten sie ihrem Ärger bei der Gesellschafterversammlung Luft.

Die Andre Jacob, die bis 2008 unter dem Namen Margara fuhr, erwartet ein ähnliches Schicksal, wie es bereits viele Schiffe der deutschen Fondsflotte erlitten haben. Und doch ist der Fall der Margara besonders. Denn er wirft einen dunklen Schatten auf eine der stolzesten Adressen unter den deutschen Privatbanken: M.M. Warburg & Co in Hamburg.

Die meisten der Anleger sind vermögende Kunden der Bank, die auf ihr Anraten in die Schifffahrtsgesellschaft „Margara“ investiert hatten. Teils hohen Summen zwischen 50 000 und 400 000 Euro. Anwälte, Ärzte, Adelige sowie Unternehmer und bekannte deutsche Schauspieler sind darunter.

Viele von ihnen bereiten Klagen vor, einige Prozesse laufen bereits. Es geht um zu hohe Provisionen, Prospekthaftung und Interessenkonflikte. Von einem „verschachtelten System der Gier“ spricht ein enttäuschter Anleger. Der Schifffahrtsexperte Jürgen Dobert sieht in der Margara einen „besonders gravierenden Fall“ mit einer „enormen Verflechtung“ innerhalb des Hauses Warburg.

Seit den 70er-Jahren sind Hunderttausende deutsche Privatanleger dem Ruf der Banken und der Politik gefolgt. Anfangs, um Steuern zu sparen, später, weil zweistellige Renditen versprochen wurden. Allein in der Boomzeit zwischen 2003 und 2008 haben Anleger in Deutschland mehr als 17 Mrd. Euro in Schiffsbeteiligungen investiert.

Schiffe stecken in Schwierigkeiten

Knapp 200 der rund 2500 Fondsschiffe in Deutschland sind bislang pleite, die Einlagen der Anleger komplett verloren. Es geht um rund 
1 Mrd. Euro. Ende Juli meldete beispielsweise das Emissionshaus Dr. Peters für 14 Fonds Insolvenz an. Laut den Analysten der Deutschen Fondsresearch stecken zwei Drittel der Schiffe in Schwierigkeiten: Sie machen keinen Gewinn, schütten kein Geld mehr an Anleger aus oder können die Kredite nicht mehr tilgen. Hunderte Fonds sind in der Sanierung. Anleger werden aufgefordert, Geld nachzuschießen. Ansonsten drohe der Totalverlust.

Den befürchten auch die Anleger der Margara. Bereits 2011 stand das Schiff kurz vor der Insolvenz. Nur weil die Gesellschafter weitere 3 Mio. Euro nachschossen, konnte sie abgewendet werden – vorläufig. Doch das Geld hat nicht gereicht. Bei der Gesellschafterversammlung vor wenigen Tagen forderte die Geschäftsführung des Fonds weitere 400.000 Euro von den Anlegern, um den Betrieb des Schiffes sicherzustellen. Das, so berichtet einer der Anwesenden, sei eine Forderung der kreditgebenden Banken, habe es geheißen. 

Einige Anleger argwöhnen aber, dass die Insolvenz der Margara unumgänglich sei, weitere Kapitalspritzen nur den Betrieb verlängern sollen, um möglichst lange Profit aus dem Schiff zu schlagen.

Die Bank wehrt sich gegen diese Vorwürfe, sagt, sie tue alles, um das Schiff zu retten. So habe sie im Zuge des Fortführungskonzeptes den Kontokorrentkredit für die Schifffahrtsgesellschaft auf 4,5 Mio. Dollar erhöht und bis Ende 2013 verlängert. Die Fronten sind verhärtet.