AnleihenHochzinsanleihen - Attraktive USA

Air Berlin hat Probleme. Im vergangenen Jahr machte die Fluggesellschaft mehr als 300 Mio. Euro Verlust, über die Jahre hinweg hat sie einen gewaltigen Schuldenberg angehäuft. Ende April versuchte die Gesellschaft, mit einer neuen Anleihe, die bis zum Jahr 2019 läuft, 250 Mio. Euro frisches Kapital einzusammeln – und war überraschend erfolgreich. Binnen weniger Tage hatte sie das selbstgesteckte Ziel erreicht und konnte das Orderbuch schließen. Investoren hatten tüchtig zugegriffen, was wohl nicht zuletzt am Kupon der Anleihe in Höhe von 6,75 Prozent lag.

Der Fall Air Berlin illustriert das Dilemma, in dem Rentenanleger stecken: Wer auskömmliche Zinsen haben will, muss deutlich höhere Risiken eingehen als noch vor einigen Jahren. Staatsanleihen bieten überwiegend mickrige Zinsen, auch Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Bewertung werfen kaum noch etwas ab. Anleihen mit höheren Kupons und entsprechend hoher Ausfallwahrscheinlichkeit sind allerdings so gefragt, dass die Firmen, die sie ausgeben, längst nicht mehr so hohe Zinsen zahlen müssen wie früher, um ihre Papiere verkaufen zu können. Setzen Rentenanleger ihr Portfolio nicht sehr sorgfältig zusammen, laufen sie Gefahr, unangemessen hohe Risiken in Kauf zu nehmen.

hohes Bonitätsrisiko

Von Mittelstandsanleihen, zu denen auch das neue Wertpapier von Air Berlin gehört, raten viele Experten ab. Das noch junge Segment ist hochspekulativ, Privatanleger können das Ausfallrisiko einzelner Titel kaum einschätzen. Mittelstandsanleihen bekommen üblicherweise keine Noten von großen Ratingagenturen, die Bewertungen von kleineren Ratinganbietern wie Creditreform gelten als wenig verlässlich. Seit dem Start der Anlageklasse im Jahr 2010 sind der Ratingagentur Scope zufolge 13 Prozent der an Mittelstandsbörsen notierten Anleihen ausgefallen, Anleger haben also ihr Kapital mit Verzögerung oder gar nicht mehr wiederbekommen.

Auch Hochzinsanleihen bergen ein vergleichsweise hohes Bonitätsrisiko. Obwohl die Papiere – wenig schmeichelhaft – auch als Schrottanleihen bezeichnet werden, lagen ihre Ausfallraten zuletzt allerdings deutlich niedriger als die von Mittelstandsanleihen, bei nur geringfügig niedrigeren Kupons. Weltweit konnten im vergangenen Jahr weniger als zwei Prozent der mit der Note „B“ bewerteten Anleihen nicht bedient werden. Im historischen Vergleich ist das ein ausgezeichnetes Ergebnis.

Im laufenden Jahr könnten Hochzinsanleihen im Schnitt fünf bis sechs Prozent Rendite abwerfen, schätzen Analysten. Das ist weniger als noch vor einigen Jahren. Schuld daran ist unter anderem das große Interesse der Investoren, das die Kurse der Papiere in die Höhe getrieben und damit die Renditen gedrückt hat. Trotzdem lohnt sich der Einstieg noch, sind die Experten der Hamburger Privatbank M.M. Warburg überzeugt: Anleger sollten Hochzinsanleihen in ihrem Portfolio jetzt übergewichten, Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Status dagegen untergewichten. Erhole sich die Konjunktur in Europa weiter, könnten die Risikoprämien der Papiere fallen, die Kurse in der Folge weiter steigen.

Nur als Beimischung ins Depot

Die meisten Investmentgesellschaften finden Hochzinsanleihen aus den USA aktuell interessanter als ihre europäischen Pendants. In den Vereinigten Staaten wächst die Wirtschaft nämlich schneller als in Europa. Das kommt den dort ansässigen Unternehmen zugute und senkt die Gefahr, dass Firmen mit mäßiger Bonität ihre Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können. Amerikanische Hochzinsanleihen könnten im laufenden Jahr überdurchschnittlich gut abschneiden, schätzt die Fondsgesellschaft MFS in ihrem aktuellen Rentenausblick. Die MFS-Anleihespezialisten bevorzugen Papiere mit der Note „BB“, deren Bewertung sich in naher Zukunft noch verbessern könnte.

Privatanleger sollten Hochzinsanleihen nur als Beimischung einsetzen. Denn trotz der niedrigen Ausfallraten bleiben sie ein vergleichsweise riskantes Investment. Nähert sich die Laufzeit der Papiere ihrem Ende, ist das Risiko allerdings einigermaßen überschaubar, drastische Kurseinbrüche sind dann unwahrscheinlich. Alternativ können Investoren einen Fonds kaufen: In den vergangenen zwei bis drei Jahren haben viele Investmentgesellschaften Fonds aufgelegt, die hauptsächlich hochverzinste Kurzläufer kaufen. Auch günstige börsengehandelte Indexfonds (ETFs) mit diesem Anlageschwerpunkt sind mittlerweile zu haben.

Hochzins-Kurzläufer-Fonds

Name ISIN Perf. lfd. Jahr* Perf. 1 Jahr* Agio* Gebühr p.a.* Auflage-
datum
Pictet-EUR Short Term High Yield-P dy LU0726357790 1,59 4,85 5,00 0,90 30.01.12
AB SICAV Shrt Dur Hi Yld A2 EUR Hdg Acc LU0654560878 1,87 2,77 6,25 1,10 29.07.11
Swisscanto (LU) BI Sht Tm Glb HY H EUR A LU0830970272 1,11 2,67 3,00   24.09.12
Muzinich Short Duration HY Hdg EUR A Acc IE00B5BHGW80 0,82 2,31 1,00 0,80 04.10.10
AXA IM FIIS US Short Dur HY F-C USD LU0292585030 0,11 -3,15 3,00 1,00 30.03.07

* in Prozent

Quelle: Morningstar, Stand: 9.5.2014