LFF-Cheflobbyist„Green Finance wird sich exponentiell weiterentwickeln“

Nicolas Mackel ist CEO der Finanzplatzinitiative Luxembourg for Finance und bedauert den Brexit
Nicolas Mackel ist CEO der Finanzplatzinitiative Luxembourg for FinanceLFF

Nicolas Mackel ist qua Amt ein Lobbyist für grüne und nachhaltige Finanzanlagen. Der gelernte Diplomat ist CEO der Finanzplatzinitiative Luxembourg for Finance (LFF) und spricht damit für einen führenden Finanzplatz im Bereich nachhaltiger und grüner Finanzanlagen. So sind an der „Grünen Börse“ des Großherzogtums (Luxembourg Green Exchange, LGX) inzwischen 251 nachhaltige und mehr als 355 grüne Bonds gelistet.

Der ohnehin schon starke Trend zu einer nachhaltigeren Finanzwirtschaft wird sich Mackels Einschätzung zufolge noch beschleunigen. „Das Segment Green Finance wird sich exponentiell weiterentwickeln“, sagt er im Gespräch mit Capital.

Denn trotz Wachstums ist der grüne Finanzmarkt noch immer eine Nische, Mackel zufolge sind gerade einmal zwei bis drei Prozent der Anleihen grün. „Der Anteil wird stark steigen, nicht nur bei Anleihen sondern auch bei Fonds“, ist er überzeugt. Für Luxemburg ist das ein wichtiges Thema, ist das Land mit einem verwalteten Vermögen von rund 4,5 Bio. Euro doch der weltweit zweitwichtigste Standort für Investmentfonds nach den USA.

Wenn die Welt die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreichen wolle, „dann müssen wir etwas tun“, sagt Mackel. „Unser Ziel ist es, dass die Finanzaktivitäten insgesamt nachhaltiger werden.“ Der Trend in diese Richtung sei stark. „Alle institutionellen Investoren, wie Pensionsfonds, bewegen sich auf nachhaltige Investments hin. Sie fordern dies als Aktionäre immer mehr ein.“ Mit dem Verlassen der Nische werden seiner Einschätzung nach „graue“, also nicht-nachhaltige Investments „sehr viel schneller verschwinden als es gebraucht hat bis grüne Investments entstanden sind.“

Mackel sieht Vorteile für Anleger aber nicht nur in der Berücksichtigung grüner Aspekte, sondern auch bei der guten Unternehmensführung (Governance). „Wenn Investoren beginnen langfristiger zu denken, dann führt das auch längerfristig zu höheren Renditen.“ Hilfreich sei dabei auch die neue Taxonomie der Europäischen Union (EU) für nachhaltige Geldanlagen. „Jetzt kann man sich daransetzen und Produkte entwickeln“, sagt er.

Mackel ist jedoch nicht nur Lobbyist in Sachen grüner Geldanlage, sondern auch für die Finanzbranche insgesamt, die 31 Prozent zur Wirtschaftsleistung in Luxemburg beiträgt. Die Branche beschäftigt 51.000 Menschen, viele von ihnen pendeln auch aus Deutschland ein. In dem Großherzogtum mit rund 630.000 Einwohnern sind mehr als 500 Vermögensverwalter aktiv, dazu kommen 291 Versicherer und 128 internationale Banken. Mackel leitet die Agentur seit 2013, zuvor war er Luxemburger Generalkonsul in Shanghai.

Durch den britischen EU-Austritt hat sich die Zahl der Beschäftigten im Finanzsektor in Luxemburg erhöht, insbesondere bei Fondsgesellschaften. „In den zwei Jahren nach dem vollen Ausscheiden des Vereinigten Königreichs werden rund 3000 neue Arbeitsplätze entstanden sein“, berichtet Mackel. „Damit hat sich das jährliche Wachstum verdoppelt.“

Glücklich macht das den Chef der Finanzplatz-Initiative allerdings nicht. „Das ist kein Sechser im Lotto, mir wäre es lieber gewesen es hätte keinen Brexit gegeben“, sagt Mackel. Der Grund: „Wir glauben an die europäische Ideen und daran, dass der gegenseitige Nutzen durch Kooperation wächst. Deshalb ist es auch wichtig, eine gute Form der Zusammenarbeit mit Großbritannien für die Zeit nach dem Brexit zu finden.“

Brexit-Ärger liegt in der Luft

Eine Einigung ist auch deshalb wichtig, weil bei dem für Luxemburg wichtigen Fondsgeschäft Ärger in der Luft liegt. Es geht um die so genannte Delegation. Zwar haben viele Fonds in Luxemburg ihren Sitz und werden von dort aus verwaltet. Das Management, das entscheidet, welche Aktien oder Anleihen in den Fonds enthalten sind, ist jedoch häufig in London verblieben.

Medienberichten zufolge drängt insbesondere die französische Regierung darauf, diese Delegation nach dem Ende der Brexit-Übergangsfrist einzuschränken. Das ist nicht ganz selbstlos, denn es gilt als ausgemacht, dass viele Fondsmanager, wenn sie denn London verlassen müssten, lieber in die Metropole Paris als nach Luxemburg oder Frankfurt ziehen würden. Was wiederum Mackel nicht versteht, der Frankfurt als lebenswert empfindet und für Luxemburg als familienfreundlichen Standort wirbt.

Künftig mehr Arbeitsteilung

Dabei ist Luxemburg durchaus ein Gewinner des Brexit, nicht nur wegen der zusätzlichen Arbeitsplätze. In dem, in der Branche stark beachteten, Global Financial Centres Index (GFCI) ist das Großherzogtum im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und Belgien der wichtigste Finanzplatz innerhalb der Europäischen Union (EU), wenngleich es global nur für Rang 12 reicht.

Die Spitzenplätze belegen New York City, London und Shanghai. Die chinesische Finanzmetropole überholte in der 28. GFCI-Erhebung die japanische Hauptstadt Tokio, die nun nur noch auf Rang vier liegt. Frankfurt und Paris büßten jeweils drei Plätze ein und liegen nun auf Rang 16 bzw. 18. Größter Aufsteiger in der EU ist Madrid, das 15 Plätze nach oben sprang und nun auf Rang 28 landet. Die spanische Hauptstadt hat, so heißt es in der Branche, „das große Los gezogen“ mit der Credit Suisse, die von hier aus offenbar ihr EU-Geschäft steuern will. Konkurrent UBS hat sich mit seiner Europa-Bank in Frankfurt niedergelassen.

Zwischen den Finanzplätzen innerhalb der EU erwartet Mackel in Zukunft eine Art Arbeitsteilung, wobei er Luxemburg ganz vorn sieht bei Fonds, Privatbanken und dem Zahlungsverkehr. Frankfurt und Paris hätten ihre Stärken bei Investmentbanken und dem Derivate-Handel, während Amsterdam sich bei der Marktinfrastruktur profiliere. Von einer Fragmentierung des EU-Finanzmarktes will Mackel jedoch nicht sprechen. „Konkurrenz ist dann gut, wenn sie der Privatwirtschaft hilft“, sagt er. Dafür müssten sich die einzelnen Städte aber „so aufstellen, dass sie besser werden können.“