AnleihenWo Anleihen Zinsen bringen

Rentenfonds, das klingt ungefähr so sexy wie Filzpantoffeln und Heizdecken. Viele Anleger verbinden damit bestenfalls ein schwerfälliges Wertpapier, das keine großen Erträge abwirft – mit dem sie sich oft sogar herbe Verluste einhandeln können. Dass Anleihen keine Rendite mehr bringen, dass man doch besser Aktien und Realwerte kaufen solle, hört man aktuell aus fast jedem Mund.

Doch ganz so einfach ist es natürlich nicht. Auch in Zeiten von Null- und Negativzinsen können festverzinsliche Geldanlagen Gewinne produzieren – und sind in vielen Depots weiter sinnvoll, wenigstens als Beimischung.

Zugegeben, der erste Blick auf die Renditen von Staats- und Unternehmensanleihen ist tatsächlich ernüchternd. Deutsche Bundesanleihen rentieren im Nullprozentbereich. Ein Drittel aller Papiere, mit denen sich europäische Staaten Geld von Anlegern leihen, wirft Renditen im negativen Bereich ab, man zahlt also Geld dafür, sie überhaupt besitzen zu dürfen. Und bei insgesamt zwei Dritteln liegen die Erträge unter einem Prozent.

Auch Unternehmen können sich zurzeit so billig verschulden wie noch nie und nutzen das reichlich aus. Gerade die stabilen und zahlungskräftigen Konzerne zahlen kaum noch Zinsen. BMW-Anleihen mit fünfjähriger Laufzeit etwa werfen rund 0,4 Prozent ab, beim Konsumgüterhersteller Henkel sind die Renditen sogar ins Minus gerutscht. Coupons wie diejenigen der Rabobank mit 1,4 Prozent wirken da schon beinahe gigantisch.

Trotzdem gibt es eine Reihe ganz guter Anlagechancen im Anleihebereich, übrigens selbst bei den Staatspapieren. Wer nach Einzelpapieren Ausschau hält, sollte zum Beispiel unbedingt über den Atlantik blicken: US-Staatsanleihen lohnen sich gerade jetzt für europäische Sparer. Die Zinsaufschläge, die sie im Vergleich zu hiesigen Staatsanleihen bieten, sind die höchsten seit 1989. Bei immerhin 2,3 Prozent liegen die Zinsen der zehnjährigen US-Treasuries aktuell. Und mit dem erhofften Wirtschaftsaufschwung, der anziehenden Inflation und den steigenden Notenbankzinsen in Amerika wäre künftig sogar noch ein bisschen mehr drin.

Einzelwerte versus Fonds

Dafür müsste man allerdings abwarten. Oder man kann auf Fonds setzen, die gezielt in einen Mix aus US-Anleihen investieren und somit auch von späteren Steigerungen profitieren, weil sie Papiere nachladen können. So macht es etwa der Nordea 1 US Total Return Bond Fund, der vorwiegend US-Anleihen mit mittlerer und langer Laufzeit bündelt. Er ist allerdings noch nicht so lange auf dem Markt, deshalb hat er noch keine große Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Zudem mag man die Spezialisierung auf Amerika für gewagt halten, denn schließlich weiß niemand, was unter einem unberechenbaren Präsidenten Donald Trump noch passiert. Aber man sollte ja ohnehin viel breiter investieren – und das geht mit diversen Fonds auch sehr leicht.

Beispielsweise mit einem preis-günstigen Indexfonds wie dem Barclays Euro Aggregate Bond ETF, der den kompletten Index europäischer Staatspapiere abbildet. Über die vergangenen fünf Jahre weist der Fonds eine erstaunliche Wertentwicklung von fünf Prozent pro Jahr auf – wobei sich der Trend zuletzt deutlich abgeschwächt hat: 2016 erzielte er wegen der niedrigen Zinsen und Kurse nur noch eine Rendite von 0,08 Prozent.

SPDR Barclays Capital Euro Aggregate Bond ETF Fonds

SPDR Barclays Capital Euro Aggregate Bond ETF Fonds Chart
Kursanbieter: L&S RT

Daher warnen Profis wie Frank Witt, Leiter der auf Anleihen spezialisierten Investmentgesellschaft Pimco Deutschland, die Hochphase für Europabonds könne bald vorbei sein: „Angesichts der politischen Risiken, der hohen Bewertungsniveaus und der niedrigen Zinsen sind wir vorsichtig eingestellt gegenüber europäischen Anleihen und haben zuletzt auch die Positionen in den Euro-Peripheriestaaten etwas zurückgefahren.“ Witt empfiehlt stattdessen Anlagen außerhalb des Euroraums.


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Mit etlichen Anleihefonds kann man die auch nutzen: Mit solchen Fondsmixen etwa, die nicht nur auf unterschiedliche Länder setzen, sondern auch auf unterschiedliche Arten von Anleihen, darunter auch auf gewagtere Konstruktionen. Mischt man das Ganze dann mit einem Aktienanteil von rund 40 Prozent, sind sogar noch viel höhere Renditen drin. Selbst mit defensiven Fonds lassen sich dann 3,5 bis vier Prozent erzielen, mit aggressiveren Anleihen-Aktien-Mischfonds sogar sechs bis sieben Prozent pro Jahr, selbst auf Zeitspannen von 20 Jahren. Ausnahmetalente schaffen sogar zehn Prozent. Solche Fonds werfen regelrecht „aktienähnliche Renditen“ ab, sagen die Analysten der Ratingagentur Morningstar, die den Markt jüngst ausgewertet haben.