FondsWarum Renten-ETFs beliebt sind

Börsengehandelte Indexfonds (ETFs), die Anleihe-Indizes nachbilden, haben im laufenden Jahr ihr bisher stärkstes Quartal hingelegt. Weltweit verzeichneten die Produkte im ersten Quartal 2017 Nettozuflüsse in Höhe von 44,5 Mrd. US-Dollar, berichtet die US-Investmentgesellschaft Blackrock. Das waren rund 2 Mrd. Dollar mehr als in den ersten drei Monaten des vergangenen Jahres, und mehr als in jedem anderen Quartal zuvor.

Auf den ersten Blick erstaunt diese Entwicklung. Schließlich hat die US-Notenbank Fed im März den Leitzins in den USA angehoben. Weitere Zinsschritte dürften folgen. Steigende Zinsen sind Gift für Anleihen, ihre Kurse fallen in einem solchen Umfeld. Die höheren Zinsen in den USA wirken sich auch auf den europäischen Rentenmarkt aus. Dies- wie jenseits des Atlantiks geraten Anleihen immer stärker unter Druck.

Ein Investment in Anleihe-ETFs ist jetzt riskant. Wenn die Zinsen weiter steigen, wird sich kein Rentenfonds dieser Entwicklung völlig entziehen können. Ein Blick auf die Indexfonds mit den höchsten Zuflüssen zeigt allerdings, dass sich Anleger dieses Problems durchaus bewusst sind. Sie präferierten zuletzt solche Bond-Segmente, die von steigenden Zinsen vergleichsweise wenig in Mitleidenschaft gezogen werden: Besonders gefragt waren ETFs auf US-Unternehmensanleihen guter bis sehr guter Bonität, auf US-Staatsanleihen mit Inflationsschutz sowie auf Schwellenländer-Bonds.

Anleger setzen auf steigende Inflation

Unternehmensanleihen bieten höhere Kupons als Staatsanleihen. Im aktuellen Niedrigzinsumfeld sind sie deshalb beliebt. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse von Unternehmensanleihen überdies meist nicht so stark wie die Kurse von Staatsanleihen. Steigende Zinsen deuten nämlich auf ein intaktes Wirtschaftsumfeld hin. Und wenn die Wirtschaft gut läuft, kommt das den Unternehmen zugute.

Die Nachfrage nach inflationsgeschützten Staatsanleihen hat weniger mit den Zinsen als mit der Teuerung zu tun. Die hohen Nettozuflüsse in entsprechende ETFs deuten darauf hin, dass Anleger mit einer weiter steigenden Inflation rechnen. Seit rund einem Jahr klettert die Teuerungsrate in den USA, derzeit liegt sie bei 2,4 Prozent. Die Zinsanhebung der Fed hat die Inflationsentwicklung zwar gebremst. Anleger sind aber offenbar der Meinung, dass die Verbraucherpreise langfristig weiter steigen. Bei inflationsgeschützten Anleihen ist der Kupon an einen Verbraucherpreisindex gekoppelt. Steigt der Index, bringen die Anleihen höhere Erträge. Das kann die Inflation ausgleichen.

Schwellenländer-Bonds bieten höhere Kupons als Anleihen aus Industriestaaten. Auch sie waren deshalb in den vergangenen Jahren gefragt. Nach dem Wahlsieg von Donald Trump gerieten Emerging Markets unter Druck, viele Schwellenländerwährungen werteten gegenüber dem US-Dollar ab. Nun hat sich die Lage offenbar wieder beruhigt. Die meisten Emerging-Markets-Devisen haben sich erholt, Anleger achten wieder mehr auf Fundamentaldaten. Und die sehen in vielen der aufstrebenden Volkswirtschaften gut aus. Das dürfte dazu beigetragen haben, dass Investoren zuletzt wieder verstärkt in Schwellenländer-Anleihen investiert haben.

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