FondsFondsbranche in Not

Das Geschäft der Fondsanbieter schwächelt. Im vergangenen Jahr investierten Anleger weltweit unterm Strich rund 728 Mrd. US-Dollar neu in Publikumsfonds, einschließlich börsengehandelter Indexfonds (ETFs). Damit lagen die Nettozuflüsse 28 Prozent tiefer als im Jahr zuvor, zeigt die Gesamtmarktstatistik der Fondsratingagentur Morningstar. Die höchsten Zuflüsse verzeichneten Renten- und Geldmarktfonds. Aus Aktien- und Wandelanleihefonds zogen Anleger dagegen unterm Strich Geld ab.

Vor allem aktiv investierende Fondsanbieter klagen über das lahme Neugeschäft. Insbesondere die Konkurrenz durch passive Indexfonds macht ihnen zu schaffen. In den vergangenen Jahren entwickelten sich Anlageklassen wie Aktien und Anleihen zunehmend ähnlich. Die Korrelationen haben zugenommen, wie es im Fachjargon heißt. Aktive Fondsmanager hatten es deshalb schwer, den Markt zu schlagen. Schaffen sie das nicht, geraten sie mittlerweile unter Druck, die Anleger wandern ab. Denn die Marktentwicklung nachvollziehen, das tun auch ETFs – und zwar zu deutlich niedrigeren Gebühren als aktiv verwaltete Fonds. Aktive Manager müssen einen Mehrwert generieren, um Kunden an sich zu binden. Das haben zuletzt nur wenige geschafft.

Indexfonds sind gekommen, um zu bleiben

Seit der US-Wahl haben die Korrelationen zwar wieder etwas abgenommen, berichtet der US-Indexanbieter S&P Dow Jones Indices. Im laufenden Jahr ist es deshalb mehr aktiven Fondsmanagern als zuvor gelungen, ihre Benchmark zu übertreffen. Der langfristige Trend zu günstigen passiven Investments ist aber ungebrochen. Indexfonds sind gekommen, um zu bleiben.

Langfristig wird die Konkurrenz durch ETFs dazu führen, dass Fonds, die sich eng an ihre Benchmark halten, vom Markt verschwinden, urteilen Branchenkenner. „Mit semi-aktiven Produkten kann man in Zukunft kein Geld mehr verdienen“, sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse beim Datenanbieter Thomson Reuters Lipper. Anleger werden in Zukunft entweder aktiv oder passiv investieren, oder beide Stile kombinieren – nicht aber hohe Gebühren für Fonds zahlen, deren Performance sich kaum von der eines ETF unterscheidet.

Zahl der Fonds könnte bald schrumpfen

Einige Marktbeobachter gehen zudem davon aus, dass mittelgroße Investmenthäuser vom Markt verschwinden werden. Sie rechnen damit, dass es in Zukunft nur noch kleine, spezialisierte Boutiquen oder aber Investmentgiganten mit Allround-Angebot geben wird. Glow sieht das anders: „Viele mittelgroße Unternehmen in der Finanzbranche sind so effizient aufgestellt, dass sie durchaus eine Chance haben, zu überleben“, sagt er. Zudem fänden sich unter mittelgroßen Fondsanbietern viele, die tatsächlich aktives Management fern der Benchmark betrieben.

Pessimisten prophezeien der Fondsbranche eine Konsolidierungswelle. Ob es tatsächlich so weit kommt, muss sich erst noch zeigen. Ein gewisser Trend zur Konsolidierung ist allerdings bereits zu beobachten. In den vergangenen Monaten haben sich mehrere mittelgroße bis große Fondshäuser zusammengeschlossen: Amundi und Pioneer Investments, Henderson Global Investors und Janus Capital, Aberdeen Asset Management und Standard Life Investments – sie alle sind paarweise zusammengewachsen. „Es gibt den Druck, eine gewisse Größe zu erzielen, um die Profitabilität zu erhöhen“, sagt Glow. Fusionieren zwei Investmentgesellschaften, bereinigen sie üblicherweise auch ihre Fondspaletten, um Doubletten zu beseitigen. Die Zahl der Fonds könnte also bald schrumpfen. Ob auch der Anlageappetit der Investoren weiter abnimmt, wird sich Ende des Jahres zeigen.

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