AktienUS-Börsen - hohe Bewertung kommt vor dem Fall

In diesen Tagen Woche gab es seit Monaten den ersten schweren Rücksetzer an den internationalen Aktienmärkten. Trumps Unberechenbarkeit wird ihm allmählich zum Verhängnis. Zwar notieren die meisten Indizes noch am Rekordhoch, doch die Unsicherheit nimmt zu. Besonders gefährdet erscheinen die US-Aktienmärkte, die im Vergleich höhere Bewertungen haben und damit anfälliger sind. Der Dow ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,8 hoch bewertet und liegt deutlich über dem langfristigen Schnitt von rund 15. Die Kurse spiegeln ein gutes wirtschaftliches Umfeld wider, von einem robusten Arbeits- und Immobilienmarkt bis hin zu einer kürzlich abgeschlossenen guten Berichtssaison. Die Quartalsergebnisse der US-Unternehmen waren so gut wie seit Jahren nicht mehr und die Analystenerwartungen wurden locker übertroffen.

Dow Jones Industrial Average Index

Dow Jones Industrial Average Index Chart

Das Risiko zeigt sich am Anleihenmarkt beziehungsweise in der US-Notenbankpolitik. Sollte die Fed mit den in Aussicht gestellten zwei bis drei Leitzinserhöhungen die Wirtschaft abwürgen und diese in eine Rezession abrutschen, dürften die Gewinne der Unternehmen wieder deutlich sinken. Das könnte für einen kräftigen Kursrückschlag am Aktienmarkt sorgen.

Zykliker dominieren den Dow

Wann immer es zu diesem Szenario kommen sollte, wird dem Dow Jones wohl vor allem eines zum Verhängnis: Dass viele Zykliker, also Aktien aus konjunkturabhängigen Sektoren, ein hohes Gewicht in dem Index haben. Im Dow sind die Aktien im Gegensatz zum S&P 500 nicht nach dem Börsenwert des Free Floats, also der umlaufenden Aktien gewichtet, sondern anhand des Aktienkurses. Mit einem Gewicht von 7,3 Prozent führt Goldman Sachs die Rangliste an, vor dem Mischkonzern 3M (6,4 Prozent) und Boeing (6,0 Prozent). Sollte eine Rezession zu einem Kursrückschlag am Aktienmarkt führen, könnte die Aktie von Goldman Sachs deutlich unter die Räder kommen, weil das Geschäft der Bank stark abhängig ist vom Investmentbanking. Boeing muss damit rechnen, dass in schlechten Zeiten die Fluggesellschaften ihre Aufträge stornieren.

Nach dem Gesundheitskonzern United Health (5,7 Prozent), also einer Aktie aus einer defensiven Branche, kommen auf den folgenden Plätzen wieder eine Reihe von Zyklikern, von der Baumarktkette Home Depot (5,2 Prozent) über Apple (5,0 Prozent) bis zu IBM (4,9 Prozent). Bei einer Konjunkturkrise, oder wenn gar eine Blase am Immobilienmarkt platzen sollte, würde das Geschäft von Home Depot stark unter Druck geraten.

In dem Umfeld dürfte es Apple schwerer fallen, iPhones für 800 bis 1000 Dollar an den Mann/die Frau zu bringen. Apple hatte im vergangenen Quartal überraschend einen leichten Absatzrückgang bei iPhones gegenüber dem Vorjahr verbucht. Die Erklärung von Vorstandschef Tim Cook, das liege an Berichten über die kommenden neuen Geräte, hat nicht alle Investoren überzeugt. Immerhin waren die iPhone-Verkäufe bereits in drei der vorherigen vier Quartale zurückgegangen.

Unter viel größerem Druck steht IBM. Der Konzern hat 20 Quartale in Folge Umsatzrückgänge ausgewiesen. Im ersten Quartal lag der Erlös mit 18,2 Mrd. Dollar auf dem niedrigsten Niveau seit dem ersten Quartal 2002. Dass die Investmentlegende Warren Buffett zuletzt ein Drittel des IBM-Anteils von Berkshire Hathaway verkauft hat, spricht Bände. Die IBM-Aktie ist seit Anfang März um rund 20 Prozent abgerutscht und notiert auf dem niedrigsten Niveau seit Oktober 2016.

Preiswerte Absicherung

Die Musik spielt noch auf der Börsenparty, allerdings sind die Risiken unübersehbar. Vorsichtige Investoren sollten die derzeit noch günstigen Absicherungsmöglichkeiten über Put-Optionsscheine nutzen und sich zumindest temporär schützen. Zwei preisgünstige Alternativen sind die Puts mit der WKN XM2MCY oder alternativ die WKN GD1V67.


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


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