AktienAktien verspielen ihre Führung

Dem Aktienmarkt fehlt es an Dynamik, auch wenn viele Aktienmärkte das erste Quartal mit einem Plus abgeschlossen haben. Der Trump-Trade läuft allmählich aus, was an fallenden Zinsen und sinkenden Kursen von zyklischen Aktien abzulesen ist. Wie könnte es in dem Umfeld bei S&P 500 und Dax weitergehen?

Bei vielen Anlegern wächst die Skepsis. Nachdem die Gesundheitsreform von US-Präsident Donald Trump gescheitert ist, fehlen dem Staat Einsparungen in Höhe von ein paar hundert Milliarden Dollar, die zur Finanzierung eines Teils der Billionen schweren Steuerreform herangezogen werden sollten. Außerdem sind die anderen Reformvorschläge Trumps alles andere als sicher, etwa die Grenzsteuern, die einen Billionenbetrag in die Staatskasse spülen sollen.

Was kann Trump noch bewirken?

Investoren dämmert es daher allmählich, dass die geplanten Reformen viel kleiner ausfallen könnten als bislang erwartet, weil plötzlich Einnahmen von mehr als 1 Billionen Dollar fehlen könnten. Zumal etliche führende Republikaner zuletzt davon sprachen, die geplante Steuerreform müsse sogar aufkommensneutral ausfallen , die Staatsschulden sollen also nicht stärker steigen als derzeit ohnehin geplant. Daher befürchten plötzlich etliche Experten, dass Trump die Unternehmenssteuern entgegen seinen Ankündigungen nicht von 35 Prozent auf 20 Prozent senken werde, sondern womöglich nur auf 25 bis 30 Prozent. „Dann würde die Wirtschaft wesentlich weniger angekurbelt werden, als Investoren bislang erwartet hatten“, sagt Klaus Bauknecht, Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank.

Damit trüben sich die Gewinnperspektiven für die US-Bilanzsaison ein, die Mitte April startet, wenn die großen Unternehmen im S&P 500 über ihr vergangenes Geschäftsquartal berichten. „Der Schub für die Gewinne der S&P 500-Unternehmen durch die niedrigen Sätze für Unternehmenssteuern könnte kleiner ausfallen und später auftreten, als Investoren ursprünglich erwartet haben“, erläutern die Analysten von Goldman Sachs. Wegen der zunehmenden Konjunktursorgen sind Investoren in US-Anleihen geflüchtet, woraufhin die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen auf nur mehr 2,33 Prozent eingebrochen sind.

Zykliker meiden

Da sich die Perspektiven für die US-Wirtschaft und damit für die Weltwirtschaft insgesamt eintrüben, schichten Investoren am Aktienmarkt Geld aus Zyklikern, also konjunkturabhängigen Sektoren, in defensive Sektoren, wie Versorger, Telekom und Konsumgüter um. Unter Druck waren zuletzt vor allem die Aktien der US-Banken, wie JP Morgan oder Goldman Sachs. Sie leiden darunter, wenn die Zinsstrukturkurve abflacht, wenn also der Zinsaufschlag für langlaufende US-Anleihen gegenüber kurzlaufenden Anleihen kleiner wird. Denn damit engen sich die Zinsmarge und damit der Zinsüberschuss der Banken ein. Zudem wächst die Gefahr, dass es zu einem deutlichen Kursrückschlag am Aktienmarkt kommen könnte, wodurch das Investmentbanking der Institute unter Druck geriete, also das Handelsgeschäft, das Geschäft mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen sowie Fusionen und Übernahmen.

Gleichzeitig schichten Investoren Geld aus den bislang favorisierten „Value“-Aktien in „Growth“-Aktien um. Erstere sind Papiere mit niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), oder Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und einer hohen Dividendenrendite. Stattdessen sind nun „Growth“-Aktien gefragt, die mit starkem Wachstum überzeugen, wie Technologiewerte. Im Gegensatz zu den Vormonaten beginnen Investoren zudem darauf zu setzen, dass die US-Zinsen in den nächsten Monaten trotz der Zinserhöhungsserie der Fed nicht etwa steigen, sondern sinken könnten.

Wie könnte es am Aktienmarkt weitergehen?

Bei anhaltender Unsicherheit über Trumps Politik könnte der S&P 500 kurzfristig unter Druck bleiben. In dem Umfeld dürfte der Dax überproportional nachgeben, weil in dem Index der Anteil der Zykliker viel höher ist, als in vielen anderen Indizes der Welt. Möglicherweise beruhigt sich die Lage beim S&P500 aber deutlich schneller als viele Investoren derzeit erwarten. Denn bei einem sinkenden Dollar verbessern sich die Perspektiven der US-Exportwirtschaft und damit der Wirtschaft insgesamt, weil US-Produkte im Ausland billiger werden, während ausländische Produkte in den USA teuer werden. Gleichzeitig könnten die sinkenden Zinsen den US-Aktienmarkt allmählich stützen. Denn in einem schwächeren Konjunkturumfeld wird die Fed die Zinsen womöglich nicht so stark anheben, wie von Fed-Chefin Janet Yellen zuletzt signalisiert.

Zudem werden bei sinkenden Zinsen Aktien attraktiver, weil der Abstand zwischen den Zinsen für zehnjährige US-Anleihen von 2,36 Prozent und der Dividendenrendite des S&P 500 von 2,0 Prozent kleiner wird. Für deutsche Aktien sieht das Verhältnis sogar noch deutlich besser aus: Während die Dividendenrendite des Dax 2,7 Prozent erreicht, liegen die Zinsen für zehnjährige Anleihen bei lediglich knapp 0,4 Prozent. Das stützt den Index deutlich.

Die US-Zinsen sind ein guter Indikator der Trump-Trades. Sie spiegeln wider, ob Investoren die dazu eingegangenen Positionen weiter auflösen. In diesem unsicheren Umfeld sind Anlagen mit einem Puffer zu favorisieren, etwa Discount- oder Bonuszertifikate. Attraktive Papiere sind Capped-Bonuszertifikate ohne Aufgeld, die in einem Seitwärtstrend höhere Renditechancen haben als Papiere ohne Cap: PR2N4U (DAX), TD8SM5 (Aurelius), CY2YX6 (Deutsche Bank), CY14UR (Barrick Gold).


Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben