AktienGeld verdienen mit Kursschwankungen

Starke Kursrückgänge, wie wir sie nach dem Crash an Chinas Börsen erlebt haben, überfordern viele Anleger: Entweder sie stoßen ihre Wertpapiere ab und realisieren die Verluste. Oder sie behalten sie stoisch und müssen oft Jahre warten, bis sich der Kursrückgang kompensiert hat. Wenige entscheiden sich, ihr Depot mit Methoden wie der Stop-Loss-Strategie abzusichern.

Erfahrene Investoren können von starken Schwankungen indes profitieren – etwa indem sie auf Volatilitätsindizes setzen. In der Regel nehmen die Schwankungen in Zeiten fallender Kurse zu, während sie in einem Börsenaufschwung weitgehend unverändert bleiben oder sogar sinken. Je nach Risikoneigung lassen sich Depots so absichern – oder sogar auf Gewinn trimmen.

Die sogenannten Vola-Indizes haben sich an der Börse als Gradmesser für die Nervosität etabliert. Der VDax-New etwa drückt die vom Terminmarkt erwartete Schwankungsbreite des Dax aus. Er gibt in Prozentpunkten an, welche Volatilität in den folgenden 30 Tagen für den Dax erwartet wird. Grundlage für die Berechnung sind Optionskontrakte auf den Index, deren Kurse umso weiter auseinanderliegen, je weniger die Erwartungen der Marktteilnehmer übereinstimmen.

Nachdem der VDax-New im Juni und Juli 2015 noch weit unter 20 Punkten notierte, schoss er nach den schweren Kursverlusten im August zeitweise auf mehr als 40 Punkte nach oben. Das ist allerdings immer noch weit entfernt von der Unruhe an den Märkten 2008, als die Finanzkrise ausbrach. Damals lag der Index bei mehr als 80 Punkten. Aktuell notiert der VDax-New bei 27 Punkten.

Vorsicht vor Rollverlusten

Privatanleger können die unsichere Lage nutzen, indem sie Zertifikate auf Volatilitätsindizes kaufen. Solche Produkte werden beispielsweise auf den VStoxx angeboten, dem europäischen Pendant zum VDax-New. Papiere wie das der Commerzbank (siehe Tabelle unten) bilden die Wertentwicklung eines dem Index zugrundeliegenden Futures ab.

Wer in Vola-Zertifikate investiert, sollte sich genau mit deren Funktionsweise beschäftigen: Mit Ablauf eines aktuellen Future-Kontraktes investiert („rollt“) das Zertifikat automatisch in den nächsten Kontrakt mit der höchsten Liquidität. Der Preisunterschied zwischen altem und dem neuen Future kann sich im Kurs des Zertifikats als sogenannter Rollverlust niederschlagen. Diese Eigenart führt dazu, dass Anleger, die auf einen Anstieg der Volatilität gesetzt haben, womöglich Verluste hinnehmen müssen, selbst wenn sich der VStoxx nicht verändert.

Investoren, die dies vermeiden möchten, greifen deshalb besser zu Papieren, die vor allem von kurzfristigen Bewegungen der Vola-Indizes profitieren. Denn auf Sicht von wenigen Tagen spielen Rollverluste kaum eine Rolle. Solche Spekulationen sind unter anderem mit sogenannten Hebelprodukten, etwa einem Turbo-Long-Zertifikat auf den amerikanischen Volatilitätsindex Vix, möglich. Die Gewinnchance ist hier weitaus größer – ebenso wie das Risiko, Verluste einzufahren.