Interview"Fintechs wecken Emotionen"

Paypal-Symbol auf einem Smartphone
Bezahldienste wie Paypal kommen bei jungen Menschen gut an
© Getty Images

Capital: Finanz-Start-ups, sogenannte Fintechs, schaffen es besser als klassische Banken, junge Zielgruppen anzusprechen. Warum?

Korschinowski: Fintechs nutzen moderne Technologien stärker als traditionelle Banken, und junge Menschen sind besonders technikaffin. Das Smartphone ist mittlerweile einer der wichtigsten Kanäle für Bankgeschäfte. Über das Smartphone werden Informationen beschafft und Transaktionen getätigt. Hinzu kommt, dass die Fintech-Angebote der ersten Generation stark auf den B2C-Bereich abzielen, sich also an Privatkunden richten. Die Gründer der Unternehmen sind häufig junge Menschen, die zu Beginn selbst noch nicht lange im Berufsleben standen. Viele Angebote waren daher von Anfang an für andere junge Menschen konzipiert.

Hat sich das in der zweiten Generation geändert?

Ein Stück weit. Die ersten Fintechs haben vor allem Zahlungsverkehrslösungen angeboten. Mittlerweile sind Fintechs auch im Kreditwesen aktiv, Stichwort Crowdlending, sie bieten überhaupt fast alle Produkte an, die Banken auch anbieten. Damit richten Sie sich heute an Kunden aller Altersklassen. Zum Beispiel der Bereich Robo-Advisory: Die Klientel, die mit Hilfe digitaler Beratung Anlageentscheidungen trifft, ist über 40, zum Teil über 50. Das sind keine Digital Natives.

„Fintech-Kunden haben ihre Filiale in der Hosentasche“

Wie begegnen Banken den neuen Mitbewerbern?

Überspitzt formuliert: Banken haben seit 40 Jahren keine Innovationen mehr entwickelt. Was war die letzte Innovation? Der Geldautomat? Banken brauchten auch nicht innovativ zu sein. Seit einigen Jahren gibt es aber mit den Fintechs neue Spieler im Markt. Sie holen die Kunden dort ab, wo sie stehen. Bankkunden müssen oft noch immer in die Filiale kommen, wenn sie etwas erledigen wollen. Fintech-Kunden haben ihre Filiale in der Hosentasche, in Form ihres Smartphones. Darüber hinaus bieten Fintechs eine völlig andere User Experience als klassische Banken. Ihre Produkte sehen moderner aus und fühlen sich moderner an. Dadurch wecken sie bei den Kunden Emotionen. Und das ist etwas, woran es im Finanzsektor mangelt. Ein Konto ist per se kein emotionales Produkt, man kann es ja nicht einmal anfassen. Fintechs haben das geändert, sie haben Banking schick gemacht. Mit ein paar neuen Apps ist es deshalb für Banken nicht getan. Die sehen zum Teil genauso verstaubt aus wie die Filialen.

Immer mehr Banken arbeiten mit Fintechs zusammen, um junge Kunden anzusprechen. Ist das der richtige Weg?

Viele Banken haben erkannt, dass sie nicht alles allein machen können, beziehungsweise dass Fintechs eine bessere User Experience bieten können. Kooperationen zwischen Banken und Fintechs oder auch anderen Technologieunternehmen sind deshalb sinnvoll. Wichtig ist, dass Banken generell offener werden für Innovationen, und dass sie den Umgang mit Innovationen als Kreislauf verstehen. Man ist nie fertig, es gibt immer etwas zu tun.


Sven Korschinowski ist Experte für Bezahldienste und Digital Banking bei der Beratungsgesellschaft KPMGSven Korschinowski ist Experte für Bezahldienste und Digital Banking bei der Beratungsgesellschaft KPMG