AltersvorsorgeExtrarente und Bürgerfonds - zwei Konzepte mit Fragezeichen

Rentner in Deutschland
Rentner in Deutschlanddpa

Die Angst vor Altersarmut in Deutschland wächst und viele Bundesbürger wünschen sich höhere Renten. Der Verbund der Verbraucherzentralen und das Münchener Ifo-Institut haben darum jeweils einen Vorschlag gemacht, der für höhere Altersbezüge sorgen soll. Beide Ideen fußen auf einer staatlich geförderten Anlage in Aktien. Das Ifo-Institut hat die Einrichtung eines „Deutschen Bürgerfonds“ beworben. Die Idee: Der Staat legt jedes Jahr 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts über eine Gesellschaft in Aktien an. Bei einer durchschnittlichen Renditedifferenz von zwei Prozentpunkten, käme der Staat dem Institut zufolge nach 50 Jahren auf ein Plus von 16.000 Euro pro Erwerbstätigen. Das Ersparte würde dann beim Renteneintritt mit 67 Jahren ausgezahlt.

Gegen 16.000 Euro mehr hätte wohl kaum ein Rentner etwas einzuwenden. Doch ob dieses Ziel wirklich erreicht wird, ist unter Experten umstritten. Der Finanzanalytiker Volker Looman hat zum Taschenrechner gegriffen und nachgerechnet. Das Ergebnis: Unter der Annahme, dass die Deutschen im Schnitt 85 Jahre alt werden und somit rund 216 Monate Rente beziehen, bietet der „Deutsche Bürgerfonds“ lediglich ein Plus von 74,07 Euro monatlich. Eine Lösung des Vorsorgeproblems liefere der „Deutsche Bürgerfonds“ des Ifo-Instituts somit nicht, so das Fazit des Experten.

Rendite ist nicht garantiert

Der Verband der Verbraucherzentralen hat einen anderen Ansatz für den Vorschlag der „Extrarente“ gewählt. Der Staat soll Arbeitnehmern und Selbstständigen ein Standardprodukt zur betrieblichen Altersvorsorge anbieten. Denn das wünschen sich laut einer Umfrage der Verbraucherzentralen rund 75 Prozent der Deutschen, bei den 14- bis 29-Jährigen sind es sogar 90 Prozent. Die „Extrarente“ sieht vor, dass Arbeitnehmer automatisch über ihren Arbeitgeber in die Vorsorge einzahlen – außer sie widersprechen. Selbstständige können frei entscheiden, ob sie einzahlen wollen oder nicht. Vier Prozent des Bruttoeinkommens sollen so standardmäßig in die Vorsorge wandern. Wer will, kann den Satz auch anheben.

Ein privater Fondsmanager soll im Auftrag eines öffentlichen Trägers das Geld dann in Fonds investieren. Die Anlagestrategie soll sich im Laufe des Lebens ändern. Bis zum 49. Lebensjahr des Sparers soll der Fondsmanager komplett auf Aktien setzen, was höhere Risiken aber auch eine höhere Rendite bringe. In den letzten Jahren vor der Rente soll das Geld dann nach und nach in weniger schwankende Anlagemöglichkeiten fließen. Das soll eine höhere Rendite als bei anderen Vorsorgeprodukten bringen, und zudem die Kosten niedrig halten. Im Alter soll die „Extrarente“ monatlich ausgezahlt werden, indem der Fondsmanager die einzelnen Anteile stückweise verkauft. Hat der Sparer vor der Rente 45 Jahre lang monatlich 100 Euro zurücklegt, könnte er laut Berechnungen der Verbraucherzentralen im Rentenalter monatlich 675 Euro „Extrarente“ beziehen.

Die Rendite ist allerdings nicht garantiert. Denn am Aktienmarkt geht es mitunter rasant zu; Kurse steigen und fallen. Bei der „Extrarente“ verbleibt das komplette Risiko bei den Anlegern. Allerdings haben sich langfristige Aktienanlagen in der Vergangenheit immer bewährt.

Wollen die Versicherten mehr Risiko eingehen?

Umstritten ist aber, warum der Vorschlag kostengünstiger als bestehende Vorsorgeangebote sein soll. Denn auch bei der Extrarente seien die Verwaltungskosten hoch, kritisiert der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die Verbraucherzentralen äußerten sich bislang nicht zu der Kritik.

Beide Vorschläge haben somit ihre Tücken. Zudem ist fraglich, ob die Mehrheit der gesetzlichen Rentenversicherten das Risiko einer Anlage in Aktien überhaupt tragen möchte – auch wenn die Rendite am Kapitalmarkt höher als bei anderen Vorsorgenprodukten sein kann.