AnleihenAnti-Euro-Rhetorik belastet Anleihemärkte

Bei einem Wahlkampfauftritt Anfang des Jahres in Lyon schockierte Marine Le Pen, Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Front National, einmal mehr mit EU-feindlichen Aussagen. „Im Namen des Volkes“ warnte die französische Präsidentschaftskandidatin vor „zwei totalitären Ideologien, die Frankreich bedrohen“. Gemeint waren die Globalisierung und der islamische Fundamentalismus. Im Falle eines Sieges bei den Präsidentschaftswahlen Anfang Mai kündigte Le Pen ein Referendum über den EU-Austritt Frankreichs an, einschließlich einer Rückkehr zum Franc. Das ist nichts Neues – die Anleger reagierten trotzdem besorgt. Le Pens Anti-Euro-Rhetorik ließ die Risikoaufschläge französischer Staatsanleihen gegenüber zehnjährigen Bundesanleihen auf ein Vierjahreshoch schnellen. Auch die Spreads italienischer, spanischer und portugiesischer Anleihen stiegen deutlich.

Die Sorge der Anleger scheint berechtigt. „Der Austritt Frankreichs aus der Währungsunion hätte dramatische Folgen für die Eurozone und die Weltwirtschaft“, sagt Daniel Hartmann, Analyst beim Anleihespezialisten Bantleon. Im Falle eines Frexits würden sich internationale Investoren von Frankreich abwenden. „Dabei ist das Land ist auf externes Kapital angewiesen. Über 60 Prozent der französischen Staatsanleihen befinden sich in ausländischer Hand“, erklärt Hartmann.

Der Franc würde nach seiner Wiedereinführung wahrscheinlich rasch unter Druck geraten und mindestens 20 bis 30 Prozent abwerten. „Die Abwertung würde zwar den französischen Unternehmen beim Export helfen. Gleichzeitig entstünde aber eine riesige Verunsicherung über den künftigen politischen Kurs Frankreichs“, sagt Hartmann. Sollte Frankreich aus der EU austreten, wären Diskussionen über weitere Austritte vor allem südeuropäischer Länder programmiert. „Die Spreads italienischer, spanischer und portugiesischer Anleihen würden neue Rekorde erreichen“, prophezeit der Analyst.

Wahlsiege der Populisten sind eher unwahrscheinlich

Nicht nur in Frankreich sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch. In den Niederlanden setzt Geert Wilders mit seiner „Partei für die Freiheit“ auf einen Nexit. „Wir wollen unsere Niederlande wieder“, wettert er bei Wahlkampfauftritten, setzt auf Patriotismus und Abschottung. Die niederländische Parlamentswahl findet Mitte März statt, also noch vor den Wahlen in Frankreich. Ein Sieg der Populisten dort hätte weniger gravierende Folgen für die Rentenmärkte der Eurozone. Die Niederlande haben innerhalb der Währungsunion ein wesentlich kleineres ökonomisches Gewicht als Frankreich, erklärt Hartmann. Zudem sei der holländische Gulden in der Vergangenheit eine stabilere Währung gewesen als der französische Franc. Sollte der Gulden wieder eingeführt werden, stünde er deshalb wohl unter weniger starkem Abwertungsdruck als der Franc. „Die Verunsicherung dürfte aber für eine ökonomische Krise in den Niederlanden sorgen“, sagt der Analyst.

Die gute Nachricht: Ein Nexit ist eher unwahrscheinlich. „Wilders kommt auf 20 Prozent der Stimmen. Es will so gut wie niemand mit ihm koalieren. Er würde keine Mehrheit im Parlament erreichen“, sagt Hartmann. Auch ein Wahlsieg des Front National in Frankreich ist längst keine ausgemachte Sache. Aktuellen Umfragen zufolge dürfte Le Pen zwar siegreich aus dem ersten Wahlgang am 23. April hervorgehen. Ein Durchmarsch in den Élysée-Palast gilt trotzdem als wenig wahrscheinlich. „Kommt es zum Äußersten, halten die demokratischen Kräfte in der Regel zusammen“, sagt Hartmann. Ein Referendum über den EU-Austritt müsste in beiden Kammern des Parlaments mit absoluter Mehrheit abgesegnet werden. „Das scheint aus heutiger Sicht ausgeschlossen.“

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