KolumneEuropas Finanzmarktregulierung ist krachend gescheitert

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Die Einführung vieler zusätzlicher Regeln für den Finanzmarktsektor im Nachgang der amerikanischen Subprime-Krise hat den europäischen Finanzmärkten in den letzten Jahren schweren Schaden zugefügt. Gespeist aus einer unter Top-Politikern verbreiteten Verachtung der Finanzbranche, die ihrerseits aus Unkenntnis derselben sprießt, bemüht man sich in Brüssel seit Jahren, Finanzmarkt- und Bankgeschäfte an die Kandare zu nehmen.

Gerade in Deutschland erntet dieses Vorgehen viel Beifall. Wenn man bedenkt, dass der deutsche Finanzminister nach wie vor beabsichtigt, eine Transaktionssteuer auf Aktiengeschäfte einzuführen, dann lässt sich unschwer erkennen, wie Berlin in Sachen Finanzmarkt tickt.

Zur Verblüffung der EU sind aber die Folgen der vielen Mifid-Direktiven desaströs. Besonders geringer kapitalisierte börsennotierte Unternehmen werden inzwischen vom Finanzmarkt völlig vernachlässigt. Dazu muss man wissen, dass in Europa viel mehr kleine Unternehmen an der Börse notiert sind als etwa in den USA. Das Wohlstandsgefälle zwischen den Vereinigten Staaten und der EU hat in den letzten Jahren weiter zugenommen, weil der amerikanische Finanzmarkt geringer und vor allem klüger reguliert ist.

Wohlstandsmotor Wall Street

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass europäische Richtlinien in der Regel von Berufspolitikern ersonnen werden, die selbst noch nie eine Aktie in ihrem Leben besessen haben. In den Vereinigten Staaten hingegen kommen die Finanzminister in aller Regel von der Wall Street und bringen die notwendigen Kenntnisse über Banken, Börsen und Finanzmärkte mit.

Ich persönlich war immer der Meinung, die Aufgabe der Politik liege darin, Regelungen und Rahmenwerke bereitzustellen, die eine gute Wohlstandsentwicklung der Bevölkerung ermöglichen. Passiert ist das Gegenteil: Durch unsinnige Regulatorik, ausufernde Bürokratie besonders bei den sogenannten Aufzeichnungspflichten, eine allgemeine Eigenkapitalfeindlichkeit und unklugen Steuersystemen, ist es so gekommen, dass die meisten Bürger den Weg in die Aktienmärkte nie gefunden haben. Dies wäre aber aufgrund der demografischen Entwicklung und der Abschaffung positiver Habenzinsen dringend notwendig gewesen.

Mit Verwunderung, Grimm und Neid fällt dagegen der Blick auf den Wohlstandsmotor Wall Street. Ohne die Wall Street sind Erfolgsgeschichten wie Amazon.com oder Tesla überhaupt nicht vorstellbar. Eine florierende Finanzmarktkultur hat es Amerika ermöglicht, ein großes Wohlstandsgefälle zu Europa aufzubauen.

Beschäftigungsprogramm für Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörden

Bekanntlich hat sich ja gerade in Deutschland das private Geldvermögen aufgrund des ökonomischen Analphabetismus und der daraus folgenden Sachwertfeindlichkeit besonders schwach entwickelt. Und über den Zustand der Banken in Europa, zumal in Deutschland, wollen wir gar nicht erst sprechen. Es ist ein Trauerspiel. Im Übrigen sei daran erinnert, dass alle großen Finanzmarktsektoren (Rating, Research, Banking, Venture Capital, Hedge Fonds, Private Equity, Indizes, etc.) von amerikanischen Adressen dominiert werden.

Nun aber deutet die EU an, sie wolle sich die Dinge nochmals überlegen und womöglich Teile von Mifid zurücknehmen. Zur Begründung heißt es lapidar, man wolle die wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Pandemie unterstützen. Indes lautet der wahre Grund: Mifid ist krachend gescheitert und hat die Vermögensentwicklung der Menschen in Europa negativ beeinflusst. Lediglich als Beschäftigungsprogramm für Wirtschaftsprüfer und stetig wachsende staatliche Aufsichtsbehörden war Mifid ein Erfolg.

Aber immerhin, die späte Einsicht ist zu loben. Wie wäre es übrigens, wenn man sich einmal überlegen würde, wie Europa an die Spitze beim Thema Finanzmarkt gelangen könnte? Dazu aber bedürfte es eines radikalen Umdenkens in Brüssel – und auch in Berlin. Darauf deutet freilich nichts hin.

 


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns