FondsDie Mischung macht's

Händler an der Frankfurter Börse vor einem Screen
Wohin bewegt sich der Aktienmarkt? Mischfonds sollen Kursstürze an den Börsen abfedern – Foto: Deutsche Börste AG

Nadine Oberhuber ist Wirtschafts- und Finanzjournalistin. Sie schreibt auf Capital.de über Geldanlagethemen


Monokulturen sind selten eine gute Idee. Mit Vielfalt lebt es sich in der Regel deutlich besser, auch bei der Geldanlage. Derzeit starren alle gebannt auf Griechenland und würden gerne wissen, welche Richtung Europas Börsen einschlagen, wenn das bisher Undenkbare passiert: die Pleite der Griechen und ihr Austritt aus dem Euro. Würde das einen großen Kurscrash bedeuten bei den Aktien? Und muss man als Anleger jetzt reagieren? Wenn Sparer aber die Vielfalt pflegen, wie Portfolioexperten immer empfehlen, dann könnten sie sich diese Sorge sparen. Sie besäßen nämlich nicht nur aus jedem Dorf eine Kuh, also eine Aktie, sondern auch noch ein paar Schweine, Schafe und Ziegen dazu. Sie könnten gelassener bleiben, auch wenn ein Wolf mal ein Zicklein reißt. Selbst wenn das nun Griechenland hieße.

Soweit die Theorie. In der Praxis sind die Depots vieler Sparer immer noch Monokulturen. Gut 80 Prozent des deutschen Gesamtvermögens parkt in festverzinslichen Sparanlagen und ist vor allem von einem abhängig: von den Zinssätzen der Notenbanken. Und der kleine restliche Teil steckt dann meist in Aktien oder Aktienfonds. Von den vielen Millionen Fondsanteilen in deutschen Depots ist fast jeder zweite ein Aktienfonds. Breit gestreute Vermögensanlage sieht anders aus.

Doch ändert sich das gerade etwas, zumindest an der Fondsfront. Mischfonds nämlich sind ganz groß im Kommen, also diejenigen Anlagetöpfe, in denen nicht nur Aktien stecken, sondern auch Anleihen, Rohstoffe, Immobilien und noch mehr. Die nicht nur aus jedem Dorf eine Kuh kaufen, sondern quasi einen ganzen Zoo. Zuletzt waren sie die am häufigsten verkaufte Fondsgattung überhaupt. Allein von Januar bis April flossen 17 Mrd. Euro in solche Produkte. Inzwischen haben sie ihren Anteil in den Depots seit 2009 verdoppelt und damit in der Gesamtstatistik sogar den Renten- also Anleihenfonds den Rang abgelaufen. Mischfonds sind nunmehr die zweitstärkste Fondsgattung in den Portfolios.

Must-have-Anlagen der Saison

Ob nun die Anleger nach den Gemischtwarenanteilen gieren und die Finanzindustrie deshalb flugs ihr Angebot ausgeweitet hat, wie sie selber sagt – oder ob die Papiere sich derzeit nur so gut verkaufen, weil die Fondsindustrie die Vielfalt-Produkte zu den neuen Must-have-Anlagen der Saison erklärt hat und sie aggressiv bewirbt, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall gibt es inzwischen eine Masse solcher Papiere. Viele dieser Kreaturen tragen schillernde Namen, so als seien sie tatsächlich die neueste und ultimativste Erfindung seit Einführung des Investmentfonds: Manche bieten sie als Multi-Asset-Fonds an, andere reden von Multi-Opportunities, Active Mix, Value Invest oder Flexible Allocation. Dabei steckt doch in ihnen allen bloß das Urviech, das ein Mischfonds ist, auch wenn die wenigsten das heute noch so simpel nennen. Ganz hochtrabend versprechen einige Anbieter sogar den Total-Return oder Absolute-Return, damit wollen sie sagen: Weil diese Fonds in viele Anlageklassen investieren, können auch ganz unterschiedliche Marktlagen ausnutzen. Deshalb ist für den Anleger immer eine Rendite drin, oder zumindest verliert er mit so einem Fonds nichts. Nur, stimmt das auch?

Beileibe nicht immer. Der erste Satz von der Vielfalt stimmt zwar bei vielen Mischfonds. Aber längst nicht allen gelingt es, tatsächlich eine Rendite einzufahren. Oft schaffen das nicht einmal diejenigen, die sich dieses Ziel mit den Worten „absolute“ oder „total Return“ in den Namen schreiben.

Wer in den vergangenen Monaten nur auf Aktien gesetzt hätte, für den sah die Bilanz so aus:  Allein von Januar bis Ende Mai legte der Deutsche Aktienindex um 16 Prozent zu, auf ein Jahr gesehen waren es 11 Prozent. Die Vielfaltfonds, die sich ebenfalls auf das deutsche Anlageuniversum konzentrierten, legten im besten Fall eine Performance von 16,5 Prozent auf Jahressicht hin. Aber: Die schlechtesten von ihnen kamen auf einen Verlust von 5,2 Prozent. Europäisch ausgerichtete Mischfonds liefen – wenn sie gut waren – deutlich besser. Die besten von ihnen schafften auf Jahressicht 35 Prozent Plus, allerdings fuhren die schlechtesten auch ein Minus von 14 Prozent ein.

Und je größer man das geografische Anlagebiet zieht, desto stärker klaffen die Ergebnisse der aktiv verwalteten Mischfonds auseinander: International ausgerichtete Fonds schafften im besten Fall 100 Prozent Plus, die schlechtesten aber auch knapp 100 Prozent Minus, obwohl sie die Begriffe Einkommenswachstum oder Absolute Return im Namen trugen, also mit Wertsicherungsmechanismen arbeiten. Viele schafften es auf Jahressicht dennoch nicht, irgendwelche Zuwächse für den Anleger zu erzielen. Trotz allgemein günstiger Lage an den Aktienmärkten und steigender Kurse bei den Anleihen. Auch auf Dreijahressicht hinkten die meisten aktiven Mischfonds satt hinter den Steigerungen hinterher, die Aktienmärkte in dieser Zeit hinlegten.