Daniel Saurenz Deutsche Sparer vernichten 200 Mrd. Euro

Höhere Zinsen für das Ersparte sind nicht in Sicht
Viele Deutsche machen immer noch einen großen Bogen um die Geldanlage - stattdessen vertrauen sie ihr Geld Sparkonten an, wo es nichts bringt
© IMAGO / Panthermedia
Die Inflation in Deutschland hat den höchsten Stand der letzten 40 Jahre erreicht. Trotzdem horten Sparer nach wie vor Milliarden als Spargeld ohne Verzinsung auf der Bank. Die finanziellen Einbußen sind immens

Nie war es leichter in Deutschland sein Geld in Aktien, Fonds, Zertifikaten oder Kryptowährungen anzulegen. Ein paar Klicks und ein schnelles Video-Verfahren genügen und schon hat man bei bekannten Brokern ein Depot eröffnet. Anders als in den 2000er-Jahren kostet der Kauf einer Telekom, Allianz oder Tesla-Aktie dann nicht 10 oder 20 Euro Gebühren, sondern man ist mit 1 oder 2 Euro dabei. So jedenfalls beim Smartbroker oder einem der Newcomer wie Trade Republic. In Sachen Handelsqualität hat dabei in den letzten 24 Monaten in der Coronakrise vor allem die Nummer zwei aus Berlin Smartbroker überzeugt während Trade Republic einige Probleme verzeichnete. Die App ist jedoch einfach und leicht zu bedienen, da hinken die alten Institute wie ING oder Comdirect weit hinterher.

Wichtig ist jedoch, dass Anleger überhaupt etwas für ihre Geldanlage tun. Denn schon 2021 waren es angesichts von knapp drei Prozent Inflation rund 116 Mrd. Euro Kaufkraftverlust, den das Parken von Geld auf Girokonten hervorrief. Gebühren wurden dabei nicht einmal einkalkuliert. Geht man 2022 von rund sechs Prozent Inflation final aus, so dürften am Kapitalmarkt mindestens 200 Mrd. Euro von der Geldentwertung aufgefressen werden.

Nun könnte der Ausweg in klassischen und vermeintlich sicheren Geldmarktfonds liegen, doch Inflation plus ein klein wenig Rendite sind dort beim besten Willen nicht zu erreichen. Selbst wer bisher Scheu vor Zertifikaten hatte, sollte sich dort Zinsersatzpapiere einmal genau ansehen und sich des Risikos verglichen zur Chance bewusst werden.

Zum Beispiel ein Bonuszertfikat mit Cap auf den EuroStoxx50-Index. Die Funktionsweise ist denkbar einfach. Anleger erhalten bei einem Invest in die WKN UE3WLT eine Rendite von momentan exakt zehn Prozent pro Jahr, wenn der EuroStoxx50 bis zum 16. Dezember 2022 immer mindestens bei 2900 Zählern notiert. Heißt: Der Index kann sogar 26 Prozent im schlimmsten Fall fallen und es gäbe immer noch zehn Prozent. Fällt der Index noch weiter, ergibt sich beim Papier dieselbe Rendite wie bei einem vergleichbaren ETF.

In Sachen Risiko sieht man also sofort, dass das Risiko nach unten geringer ist als bei einem Fonds- oder ETF-Investment und das Papier für Anleger einen sehr schönen Puffer bietet für raue Zeiten. Nachteil – die Rendite ist auf zehn Prozent begrenzt. Für ängstliche Sparer wäre ein solches Papier aber genau das richtige, um sich an den Kapitalmarkt heranzutasten, ohne gierig gleich hohe Renditen anzupeilen. Im Gegenteil gleichen zehn Prozent die Inflation aus und liefern einen kleinen Schnaps obendrauf. Besser als Geldvernichtung auf dem Sparkonto ist es allemal.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


Mehr zum Thema



Neueste Artikel