AnleihenDer Druck auf Bond-Anleger steigt

Kurstafel an der Frankfurter Börse
Kurstafel an der Frankfurter BörseGetty Images

Die vergangenen zehn Jahre waren für Anleger eine außergewöhnliche Zeit. Renteninvestoren fanden sich in einem Marktumfeld wieder, wie sie es noch nie zuvor erlebt hatten: Die Leitzinsen in den USA und in Europa sanken und sanken, und wenn alle dachten, dass es nicht mehr weiter abwärts gehen könnte, sanken die Zinsen weiter. In der Folge legten die Kurse älterer, auskömmlich verzinster Anleihen kräftig zu. Auch die Nachfrage nach Festverzinslichen mit mäßiger Bonität und nach riskanten, aber vergleichsweise hoch verzinsten Papiere wie Bonds aus der Euro-Peripherie stieg.

Im kommenden Jahr wird sich die Geldpolitik nach einer Dekade im Ausnahmezustand allmählich normalisieren, sagen Ökonomen. Die US-Notenbank Fed hat bereits begonnen und den Leitzins in den USA seit Dezember 2015 schrittweise angehoben. Aktuell liegt er in einer Spanne zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte nach Einschätzung von Marktbeobachtern frühestens im Jahr 2019 die erste Zinsanhebung seit der Finanzkrise wagen. Auch sie dürfte die Anleger aber im kommenden Jahr auf eine weniger lockere Geldpolitik einstimmen.

Die Leitzinsen sind nicht der einzige Faktor, der die Anleihekurse beeinflusst. So will die Fed im kommenden Jahr ihre Bilanz verkleinern und aus diesem Grund weniger US-Staatsanleihen kaufen. Auch die EZB hat angekündigt, ihr Anleihekaufprogramm zurückzufahren. Das dürfte den Anleihekursen einen Dämpfer versetzen, selbst wenn die Leitzinsen unverändert niedrig bleiben.

Ein Bärenmarkt mit anhaltend fallenden Anleihekursen sei noch nicht in Sicht, sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Bloß der jahrelange Bullenmarkt neige sich dem Ende zu. „Wir rechnen sowohl am kurzen als auch am langen Ende der Zinskurve mit weiter steigenden Zinsen in den USA und in der Eurozone“, sagt Stephan. Er weist darauf hin, dass es für den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik keinen Präzedenzfall gibt: „Die Währungshüter müssen unerforschte Pfade einschlagen und sich dementsprechend vorsichtig bewegen.“

Nicht nur Notenbanker, auch Rentenanleger müssen sich im kommenden Jahr in unerforschtes Gebiet vortasten. Anlageexperten können ihnen dabei kaum helfen. Als sie Investoren in früheren Jahren auf steigende Zinsen vorbereiten wollten, rieten sie oft zu einem Investment in Hochzinsanleihen. Grund: Die Papiere bieten hohe Kupons und reagieren vergleichsweise wenig sensibel auf Zinsanstiege. Mittlerweile sind viele Ramsch-Bonds aber sehr teuer, die Risikoaufschläge, die Anleger gegenüber bonitätsstarken Anleihen kassieren, sind gesunken. Damit bieten High-Yield-Bonds keinen adäquaten Ausgleich mehr für das Risiko, das Anleger mit einem Investment eingehen.

Profi-Investoren sehen Hochzinsanleihen mittlerweile skeptisch. So hat Michael Schoenhaut, Fondsmanager bei J.P. Morgan Asset Management, die High-Yield-Quote in seinem Mischfonds zuletzt deutlich gesenkt. Stattdessen setzt er nun auf der Rentenseite auf Hybridanleihen und hypothekenbesicherte Papiere aus den USA. Für Privatanleger ist ein Investment in solche komplexen Bonds nicht zu empfehlen.

Wer im kommenden Jahr nicht stärker auf Aktien setzen will als bisher, wird es schwer haben, auskömmliche Erträge zu erzielen, sagt Hans-Jörg Naumer, Leiter Kapitalmarktanalyse beim Fondsanbieter Allianz Global Investors (AGI). Sein Rat: Um sich gegen steigende Zinsen zu wappnen, sollten Anleger, die Bonds nicht bis zur Fälligkeit halten, auf Papiere mit kurzen Laufzeiten setzen. Als Beimischung für etwas höhere Renditen findet der AGI-Analyst inflationsgeschützte Anleihen und Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern interessant. Selbstläufer für das Rentenportfolio werden im kommenden Jahr allerdings Mangelware sein, sagt auch Naumer: „Die Entscheidung, wo man am Anleihemarkt investieren soll, ist derzeit extrem schwierig.“