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Daniel Saurenz Dax-Performance: Noch schlechter als es scheint

Im Dax 30 kommen und gehen die Unternehmen, die deutsche Wirtschaft aber bildet der Leitindex längst nicht mehr ab
Der Dax-Punktestand täuscht: Die Wahrheit kommt ans Licht, wenn man den Kursindex betrachtet
© STPP / IMAGO
Der Deutsche Aktienindex Dax erreichte Anfang Juli sein Jahrestief aus dem März. Der echte Blick auf die Titel offenbart aber, dass die Kurse noch günstiger sind als es scheint

Die Wahrheit für die 40 größten deutschen Aktien zeigt der Dax wie wir ihn kennen. Wirklich? Nicht ganz. Denn international vergleichbarer ist im Grunde der Dax-Kursindex. Und dieser bringt nicht erst seit diesem Jahr einige Erkenntnisse – technisch wie fundamental.

Zunächst gilt es aber einen wichtigen Unterschied festzuhalten. Wenn ein Unternehmen in einem Index eine Dividende ausschüttet, sinkt ein Kursindex um den Dividendenabschlag der Aktie, während ein Performanceindex darauf nicht reagiert. Dies hat Konsequenzen, die oft unterschätzt werden. Der Effekt zeigt sich bei Indizes mit hoher Dividendenrendite wie dem Dax besonders deutlich und je länger der betrachtete Zeithorizont ausfällt.

Der medial im Fokus stehende Dax Performance-Index profitiert von der Berechnung und sieht daher im direkten Vergleich mit den international fast durchweg beachteten Kursindizes besser aus als es in Wahrheit ist. Die Daten der Börse München spucken es sehr schön aus: Der Dax-Performanceindex derzeit rund 60 Prozent über dem Hoch vor Beginn der Finanzkrise Ende 2007. Pro Jahr erzielten Anleger somit eine Rendite von knapp 3,5 Prozent.

Ganz anders sieht die Rechnung beim Dax-Kursindex aus. Im Juli 2022 lag er bei rund 5200 Punkten und damit sogar etwas unter dem 2007er-Hoch. Anleger haben also unter dem Strich in den vergangenen 15 Jahren kein Geld verdient und bereinigt um die Inflation sogar deutlich verloren. „Zugleich zeigt der Vergleich aber die vor allem langfristige Bedeutung der Dividendenrendite. Noch mehr Freude bereiten aber Unternehmen, die hohe Wachstumsraten aufweisen, überdurchschnittliche Gewinne erzielen und Dividenden ausschütten“, findet Stefan Riße von der Fondsgesellschaft Acatis.

America first…

Eine einfache Gegenüberstellung mit den amerikanischen Indizes dürfte so machen Anleger die Augen öffnen. „Seit Ende 2007 kletterte der S&P 500 um 150 Prozent, pro Jahr waren so rund zehn Prozent möglich. Als Performanceindex berechnet steigt die Rendite sogar auf rund zwölf Prozent. Satte 15 Prozent pro Jahr brachte der Nasdaq 100-Index“, ordnet Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets die US-Märkte im Vergleich ein. Hier zeigt sich, dass vor allem Technologieaktien die Treiber der seit Jahren laufenden Rally waren.

…Europa second

Europa und vor allem Deutschland leidet hingegen unter einem Mangel an herausragenden Wachstumsfirmen. Mit der zunehmenden Digitalisierung in den vergangenen Jahren haben die USA ihr Gewicht an den Weltbörsen gefestigt, während Europa zu den großen Verlierern zählt. Eine Auswertung von Feingold Research zeigt, dass Ende 2007 noch 46 der 100 wertvollsten Unternehmen aus Europa kamen, 15 Jahre später sind es noch 16. Deutschland ist erstmals seit 2006 nicht mehr in den Top 100 vertreten, vor 15 Jahren waren es noch sieben Firmen. Auch in den kommenden Jahren wird die Digitalisierung noch viel Potenzial bieten und somit Aufholpotenzial für deutschen Konzerne. Doch um die Chancen zu nutzen, müssen auch die Rahmenbedingungen passen. Europa hat viel Arbeit vor sich, zumal sich Asien und besonders China anschickt, Amerika vom Thron zu verdrängen.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


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