Daniel Saurenz Das innere Kind muss investieren lernen

Handelssaal der Börse in Frankfurt
Handelssaal der Börse in Frankfurt
© IMAGO / STPP
Kaum ein Begriff umschreibt die Deutschen so gut wie „German Angst“. Dieses Phänomen steht sehr vielen Anlegern nachhaltig im Weg. Aber das muss nicht sein

Der Begriff der „German Angst“ ist ein sehr spezieller und trifft doch auf viele Deutsche bestens zu. Ob Coronapandemie, Wirtschaftskrisen oder persönliches Umfeld – viele Deutsche packen auf die Probleme der Welt immer noch eine Extraportion Angst drauf. Es könnte etwas schiefgehen, man könnte scheitern oder bei der Geldanlage finanzielle Einbußen erleiden.

Ihren kuriosen Höhepunkt findet diese Angst darin, dass viele Deutsche dann zu vermeintlich sicheren Geldanlagen greifen und regelmäßig danebenliegen. Container- und Filminvestments passen dazu ebenso wie offene Immobilienfonds zur Lehman-Krise.

Immer wieder das innere Kind

Dabei liegt es häufig nur am viel beschriebenen inneren Kind, das auch Anleger in sich tragen. US-Amerikaner haben in ihrer Erziehung vielfach mitbekommen, dass man viel schaffen kann und dass Risiken zum Leben dazu gehören. Wer dort Geld bei der Bank leiht, der nimmt einen Kredit während in Deutschland das absurde Wort Schulden noch immer geläufig ist. Schlimmer als jenes Wort kann kaum etwas klingen und so muss man sich nicht wundern, dass die deutsche Eigentumsquote niedrig ist und viele Menschen bis vor wenigen Jahren vor Eigentum, selbstgenutzt wie investiv, zurückschreckten. Die Idee, bloß niemand etwas zu schulden, war weit verbreitet und ging einher mit Sicherheit und Risikolosigkeit.

Ähnlich ist es am Aktienmarkt. Viele Anleger haben von zu Hause das Päckchen des inneren Kindes mitbekommen, dass Aktien etwas für ganz Wenige seien und sie irgendwie riskant sein sollten. Dieses innere Kind sollten die Deutschen endlich ins Kinderzimmer sperren und gut abschließen. Denn in Zeiten einer Inflation von sechs bis acht Prozent und Nullzinsen auf den Konten kostet dieses innere, ängstliche Kind Jahr für Jahr eine ziemliche Angstprämie. Der vielfach zu Hause gelernte Ratschlag, bloß keine Risiken einzugehen, resultiert nämlich in einem Vermögensverlust von 4000 Euro jährlich, wenn Sie 50.000 Euro auf der Bank haben. Acht Prozent sind futsch und da dürfen die Bankgebühren nicht mal allzu hoch sein.

German Mut

Halten Sie es also wie die Amerikaner. Je jünger man ist, desto mutiger kann man am Aktienmarkt agieren. Die alte Faustformel, wonach 100 minus Lebensalter die Aktienquote beim Vermögen sein kann, ist gar nicht mal schlecht. Großes Vorwissen ist keinesfalls nötig, ein Depot und eine Idee von Aktien-, ETF- oder Zertifikatesparplänen genügt schon. Ohne Experimente, breit gestreut.

Dazu werfen Aktien gute sieben Prozent pro Jahr ab. Nicht jedes Jahr und schon gar nicht genau jene sieben Prozent. Mal sind es minus 10, mal plus 30 – Aktien sind ein Risikoinvestment. Im Mittel der letzten 70 Jahre bringen sie aber jene gut sieben Prozent. Und diese schöne Verzinsung sollte das innere, ängstliche Kind doch beruhigen.

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


Mehr zum Thema



Neueste Artikel