AktienmarktDas Ende der Hausse kommt erst noch

Der jüngste Kurseinbruch am Aktienmarkt muss noch nicht das Ende der Hausse bedeuten
Der jüngste Kurseinbruch am Aktienmarkt muss noch nicht das Ende der Hausse bedeutenGetty Images

Geschichte wiederholt sich, manchmal sogar innerhalb weniger Monate. Wie schon zu Beginn dieses Jahres sind die Aktienkurse in der vergangenen Woche überraschend abgestürzt, sowohl in Europa als auch in den USA. Seit einigen Tagen geht es zwar wieder aufwärts. Immer mehr Anleger fragen sich aber, ob der jüngste Mini-Crash nur ein weiteres Symptom für steigende Unsicherheit an den Märkten ist – oder der Anfang vom Ende der ungewöhnlich langen Hausse.

Die Antwort: Man weiß es nicht. Investmentprofis und Analysten sind im Grunde ebenso ratlos wie Privatanleger. Das größte Problem ist, dass die Aktienmärkte stark stimmungsgetrieben sind. Das macht verlässliche Prognosen schwierig. Es gibt zwar gute Argumente dafür, dass die Aktienkurse in den kommenden Monaten weiter klettern könnten – doch ebenso gute Argumente dafür, dass ein Bärenmarkt kurz bevor steht.

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Kursanbieter: L&S RT

Für eine Fortsetzung der Hausse spricht etwa, dass der Kurseinbruch aus heiterem Himmel kam. „Einen unmittelbaren Auslöser gab es nicht“, sagt Daniel Hartmann, Chefökonom beim Fondsanbieter Bantleon. Im Gegenteil: Die wenigen Konjunkturdaten, die zuletzt veröffentlicht wurden, seien besser ausgefallen als erwartet. Die jüngsten Inflationszahlen aus den USA hätten niedriger gelegen als gedacht, was wiederum die Angst vor rascher steigenden Zinsen gedämpft habe. Zinsängste galten als Auslöser des sogenannten Flash-Crashs zu Jahresbeginn. Auch auf der politischen Bühne habe es außer den laufenden Scharmützeln zuletzt nichts Neues gegeben, sagt Hartmann.

Wann kommt die große Wende?

Alles gut also? Im Gegenteil: „Was den Zeitpunkt anbelangt, kam die Korrektur völlig überraschend. Auf der anderen Seite war sie aber überfällig“, sagt der Ökonom. Die Wirtschaft in Europa und in vielen Schwellenländern wachse mittlerweile langsamer als zu Beginn dieses Jahres. Selbst in den USA scheine der Wirtschaftszyklus seinen Zenit erreicht zu haben. Andere Ökonomen sehen das ähnlich. Sie weisen darauf hin, dass nur das immer noch starke Wachstum in den USA dafür sorgt, dass die Weltwirtschaft und die Aktienmärkte noch nicht in schlechterer Verfassung sind. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass sich die Hausse dem Ende zuneigt.

Die Frage ist, wann und wie plötzlich der nächste Bärenmarkt über Investoren hereinbricht. Während Bantleon-Volkswirt Hartmann eine Korrektur für überfällig hält, ist es nach Ansicht anderer Marktbeobachter dafür noch zu früh. „Selbst das reduzierte globale Wachstum reicht für steigende Unternehmensgewinne“, ist Christian Heger überzeugt, Chefanlagestratege bei HSBC Global Asset Management in Deutschland. Der Zinsanstieg sei zu moderat, um Aktien unter Druck zu setzen, ein genereller Abschwung sei nicht in Sicht.

Substanzwerte sind jetzt die erste Wahl

Anleger stellt das Marktumfeld vor Herausforderungen. Sie sollen sich einerseits auf eine Baisse vorbereiten. Wer Korrekturen fürchtet und sie nicht einfach aussitzen will, kann sich dagegen absichern, etwa mit Stop-Loss-Orders. Andererseits können die Kurse gerade in der Spätphase eines Zyklus‘ noch einmal kräftig steigen, gibt Tilmann Galler zu bedenken, Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset Management. Wer seine Schäfchen jetzt schon ins Trockene bringt, verpasst womöglich die Abschlussparty.

Flexibilität ist jetzt besonders wichtig, sagt Galler. Investoren sollten ruhig an Aktienpositionen festhalten, aber darauf achten, ihr Geld über mehrere Regionen hinweg zu streuen. Standardwerte bieten in Abschwungphasen mehr Sicherheit als Nebenwerte, weil ihre Kurse meist nicht so stark abstürzen. Daneben seien Substanzwerte jetzt gegenüber Wachstumsaktien die bessere Wahl, sagt Galler. Auch auf der Rentenseite sollten Anleger auf Flexibilität achten und Papiere aus unterschiedlichen Regionen mit unterschiedlichen Laufzeiten und Risikoprofilen ins Portfolio holen.