KolumneCorona-Welle killt die gute Stimmung an den Börsen

Die gute Stimmung ist dahin: Die Pandemie lässt die Kurse an der Frankfurter Börse fallendpa

Land unter an den Börsen in Europa. Die Corona-Krise ist mit Wucht zurück und die Schwankungen an den Märkten nehmen zu. Im Frühjahr kam die Kaskade so richtig ins Laufen als Fonds ihre Risikoparameter einstellten und bei beginnender Panik Absicherungen einzogen. Das verstärkte die Welle und so etwas sehen wir in Ansätzen auch jetzt. Keine Frage, die Sorge vor einem Corona-Crash 2.0 entfacht derzeit wieder viel Nervosität. „Investoren steigen derzeit vor allem aus Euro-Aktien aus, denn für konjunktursensible Indizes wie dem Dax ist das aktuelle Umfeld denkbar ungünstig“, sagt Gil Shapira, Chefstratege beim Broker Etoro. Gleichzeitig hat der Dax erst ein Drittel seiner Gewinne seit März abgegeben. Eine normale Korrektur der Rally – bisher.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Derzeit kommt vieles zusammen: Die Coronavirus-Pandemie breitet sich immer stärker über Europa aus, ein erneuter Lockdown wird immer wahrscheinlicher, insbesondere in Frankreich, einer der wichtigsten europäischen Wirtschaftsnationen. Hinzu kommt die Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahl und eine schwache Bilanzsaison amerikanischer Unternehmen, die in dieser Woche Fahrt aufnimmt und zu einem Problem werden könnte. Der enttäuschende Ausblick von Microsoft steht stellvertretend für die bisherige Entwicklung im abgelaufenen Quartal.

„Die Analystenerwartungen wurden zwar in diesem Quartal spielend übertroffen, weil die Prognosen in der Corona-Krise deutlich nach unten revidiert worden waren“, meint Carlo Alberto de Casa, Chefanalyst beim britischen Broker Activtrades. „Doch wie bei zahlreichen anderen Unternehmen – in Deutschland war SAP das jüngste Beispiel – konnte Microsoft keine positive Prognose für die künftige Unternehmensentwicklung geben“, ergänzt de Casa. Im Gegensatz zu SAP, die nach einer ähnlichen Vorhersage mit einem Kurseinbruch von mehr als 20 Prozent abgestraft wurden, gab die Microsoft-Aktie aber nur wenig nach.

US-Aktien sind krisenresistenter

Weltweit behaupten derzeit noch rund zwei Drittel der großen Indizes ihre vielbeachtete 200-Tage-Linie. In Europa sieht die Lage hingegen anders aus: An den Börsen in Frankfurt, Paris, Madrid und Wien sind die Aktien mehrheitlich unter den Mittelwert gefallen, der Eurostoxx 50 weist einen Abschlag von gut vier Prozent auf. Viele regelbasierte Systeme steigen daher aus.

Anders die Lage in den USA. Die Wall Street profitiert noch von der anhaltenden Stärke der hoch gewichteten FAANG-Aktien (Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google). Der Dow Jones weist ein Polster von fünf Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt auf, der Nasdaq 100 sogar von 17 Prozent. Auch die Zahl der Aktien mit neuen 52-Wochen-Tiefs ist bisher nur leicht gestiegen.

Beruhigt sich die Lage bald wieder?

US-Anleger wetten derzeit sogar auf einen deutlichen Rückgang der Nervosität in der Zukunft. Der „VIX“ als Angstbarometer auf den S&P 500 ist zuletzt kräftig gestiegen – auch wegen der anstehenden US-Wahl. In den nächsten Monaten rechnen die Profis aber mit einer Beruhigung von aktuell 36 auf unter 30 zum Jahreswechsel.

Aus technischer Sicht ist die Lage daher klar: Risikopositionen wie beispielsweise am europäischen Aktienmarkt werden abgebaut, das Kapital fließt noch in die hochliquiden US-Technologiegiganten und damit die Corona-Gewinner wie etwa Amazon oder JD.com. Erst wenn auch dieser Trend ausläuft, drohen auch in den USA stärkere Verluste.

Für Anleger aber bleibt vor allem ein Ratschlag, den man mit professioneller Hilfe in seinem Depot umsetzen kann: Kühlen Kopf bewahren an stressigen Tagen, sukzessive Positionen aufbauen und nicht abbauen und die Basis für ein erfolgreiches Depot im Jahr 2021 und danach legen. So wie man es im März schon tun konnte. Die Volatilität ist dabei ein toller Taktgeber. Je niedriger sie ist, desto eher nimmt man Risiko raus. Je höher sie notiert, desto mutiger kann man sein. Frei nach dem Motto – sei mutig, wenn andere ängstlich sind und sei ängstlich, wenn Euphorie um sich greift.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com