AnleihenBundesanleihen - bedrohte Lieblinge

Firmenschild Finanzagentur des Bundes
Die Finanzagentur des Bundes in Frankfurt ist für das Schuldenmanagement zuständig (Foto: Finanzagentur des Bundes)

Als Mitte Januar eine deutsche Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren auf den Markt kam, konnte sich der Bund über reges Interesse der Anleger freuen. Die Anleihe bot zwar einen Kupon von gerade einmal 0,5 Prozent. Investoren hofften aber darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik weiter lockern und so den Kurs der Anleihe in die Höhe treiben würde. Und genauso kam es dann auch.

Bundesanleihen gehörten jahrzehntelang zu den beliebtesten Geldanlagen der Deutschen. Die Papiere galten als sicheres Kerninvestment, das jeder deutsche Anleger im Depot haben sollte. In den vergangenen Jahren ist der Kupon neu ausgegebener Bundesanleihen kontinuierlich gesunken. Trotzdem waren sie ein gutes Investment – oder vielmehr genau deswegen: Sinken die Zinsen, werden ältere, höher verzinste Anleihen stärker nachgefragt, ihre Kurse steigen. So konnten Anleger, die deutsche Staatsanleihen nicht bis zur Fälligkeit halten, sondern vorher verkaufen, zuletzt einen guten Schnitt machen.

In den kommenden Monaten könnte es weiter gut laufen. Die EZB will nach aktuellem Stand bis September 2016 jeden Monat Anleihen aus der Eurozone im Wert von 60 Mrd. Euro kaufen. Weil gleichzeitig weniger Bundesanleihen ausgegeben werden dürften, sei davon auszugehen, dass die Notenbank in diesem Zeitraum bis zu 20 Prozent aller ausstehenden Bundesanleihen einsammeln werde, sagt Markus Steinbeis, Leiter des Fondsmanagements beim Münchener Vermögensverwalter Huber, Reuss & Kollegen. Dadurch könnten die Kurse der Papiere noch einmal anziehen.

Gefährlicher Cocktail für Bundesanleihen

Ob die Kursspekulation aufgeht, hängt auch davon ab, ob die Zinsen noch einmal gesenkt werden. Dieses Szenario halten viele Anlageexperten ebenfalls für wahrscheinlich. „Wir erwarten, dass die Zinsen nochmals fallen und sich das Zinsniveau in den tieferen Minusbereich entwickelt“, sagt Sascha Anspichler, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters FP Asset Management in Freiburg. Mit negativen Zinsen könnte die EZB einem ihrer wichtigsten Ziele, einer höheren Inflationsrate, näherkommen: Konsum und Investitionen würden angekurbelt, wenn sich Anleger und Unternehmen noch günstiger Geld leihen könnten als bisher. „Obwohl die Kurse von Bundesanleihen aktuell in der Nähe ihrer historischen Hochs notieren, raten wir, diese noch zu halten“, resümiert Anspichler.

Die Frage ist allerdings, wie lange Anleger die Papiere noch halten sollten. Auf längere Sicht steigen mit den Kursen nämlich auch die Verlustrisiken. „In Europa braut sich ein für Bundesanleihen möglicherweise gefährlicher Cocktail zusammen“, warnt David Roberts, Rentenspezialist beim Fondsanbieter Kames Capital. Deutsche Staatsanleihen waren in den vergangenen Jahren vor allem deshalb gefragt, weil Anleger sie als sicheren Hafen betrachteten. Nun scheint sich die Wirtschaft in der Eurozone aber schneller zu erholen als gedacht. Im Zuge dieser Erholung könnten die Kurse deutscher Staatsanleihen sinken. Anleger sollten deshalb jedes weitere Kursplus dazu nutzen, Gewinne mitzunehmen, rät Roberts.

Für Anleger, die nicht auf Kursgewinne setzen, sondern Bundesanleihen bis zur Fälligkeit halten und in der Zwischenzeit den Kupon einstreichen, sind die Papiere schon längst kein gutes Investment mehr. „Negative Realzinsen und eine deutliche Abwertung des Euro sorgen für eine sukzessive Enteignung deutscher Sparer“, sagt Steinbeis von Huber, Reuss & Kollegen: „Wer das begriffen hat, sollte seine Bestände in Bundesanleihen deutlich reduzieren und in ein breit gestreutes Portfolio investieren.“