GeldanlageWohin mit unserem Geld?

Drei deutsche Prototypen© Illustration: Jindrich Novotny

Hans, 49 Jahre (l.), arbeitet seit 24 Jahren bei Daimler, inzwischen als Schichtleiter. Wohnt in einem Haus 60 Kilometer westlich von Stuttgart, zwei Kinder. Hat gerade 4 350 Euro Gewinnbeteiligung bekommen

Konrad, 38 Jahre (M.), arbeitet seit neun Jahren bei einer Bank, hat eine Freundin, keine Kinder. Sein Geld steckt in Fonds und Aktien, er hat gerade einen Bonus von 45.000 Euro bekommen

Matthias, 44 Jahre (r.), verheiratet, ein Sohn. Betreibt eine  PR- und Werbeagentur. Verdient gut, erhielt gerade eine Steuerrückzahlung in Höhe von 10.000 Euro. Die liegen wie alle anderen Ersparnisse auf dem Girokonto

Eine Kneipe, wie man sie schätzt: Tresen, Holztische, eine murrende Wirtin, eine Handvoll rustikale Speisen (mit hinreichenden Sättigungsbeilagen) und ein gemischter Salat vorweg. An einem Tisch sitzen drei Männer: Hans, 49, Schichtleiter bei Daimler und ausgewiesener Fan der eigenen vier Wände; Matthias, 44, Inhaber einer kleinen Werbeagentur, ein Mann mit gefährlichem Halbwissen – und Konrad, 38, der bei einer Bank arbeitet, bekennender Pragmatiker. Sie haben schon eine Runde getrunken.

Matthias: So, Jungs, die nächste Runde geht auf mich. (ruft nach hinten) Resi, machst du noch mal drei Pils für uns?

Resi: Große?

Matthias: Na klar, das Geld ist doch bald eh nichts mehr wert, wenn Draghi die Druckerpresse anschmeißt! Oder, Konrad? Was erzählt man sich in der Bank so?

Konrad: Wir wissen auch nicht, wohin mit dem ganzen Geld, das Idioten wie du bei uns auf dem Sparbuch zu Nullzinsen liegen lassen. Bei der Zentralbank bekommen wir schließlich auch negative Zinsen – aber wehe, wenn wir die an Sparer weiterreichen. Dann kommen die Leute mit Messern und Ketten.

Matthias: Du bist lustig. Hast du denn eine Alternative?

Konrad: Hast du wenigstens mal das Geld vom Girokonto auf ein Tagesgeldkonto umgeschichtet, wie ich dir letzten Herbst geraten habe?

Matthias: Die Angebote habe ich schon eingeholt, ja.

Konrad: Hast du oder nicht? Matthias: Ich musste da jede Menge Seiten ausdrucken, zur Post, mich identifizieren…Am Ende war’s mir zu aufwendig. Wegen der paar Kröten! Ich bin doch ein Gewinner des Niedrigzinses. Jetzt entgeht mir wenigstens kaum noch was.

„Mein Kredit diszipliniert uns“

Hans: Komm, ich werbe dich jetzt bei der ING-Diba, da gibt’s zwei kleine Flaschen Schampus.

Resi bringt drei Bier.

Resi: Wie bitte, ich soll noch zwei Schampus bringen?

Hans: Nee, die gibt es fürs Tagesgeld. Oder Tankgutscheine.

Matthias: Was machst du eigentlich mit deiner Prämie? Ich habe auf „Spiegel online“ gelesen, dass jeder bei Daimler eine Beteiligung von 4000 Euro bekommt.

Hans: 4350 Euro. Die Hälfte geht ja eh an Schäuble für die schwarze Null. Mit dem Rest mache ich eine Sondertilgung für mein Haus.

Konrad: Unser kleiner Immobilienmogul Hans! Wie war das noch, als du 2011 den Kredit verlängert hast? Viereinhalb Prozent für 15 Jahre, und es musste schnell gehen, weil die Zinsen eh nicht weiter sinken, hast du uns immer erzählt, historische Chance, jeder weiß das doch … (Gelächter)

Hans: Lacht ihr nur. Wenigstens weiß ich, wohin mit meinem Geld. Mein Kredit diszipliniert uns, und ich kann anfassen, was mir gehört.

Konrad: Ja, du. Und wer nach dir? Du bist jetzt fast 50, deine Kinder ziehen demnächst aus, du drehst hier Däumchen, und kein Mensch will in zehn Jahren in einem Häuschen in der Provinz mit 200 Quadratmeter Wohnfläche 60 Kilometer vor Stuttgart wohnen.