Aktien"Der Aufwärtstrend ist stabil"


Christos Arbaras ist Vorstand der Vermögensverwaltung Anodos Asset ManagementChristos Arbaras ist Vorstand der Vermögensverwaltung Anodos Asset Management

 


Capital: Seit Mitte 2016 ist der griechische Leitindex Athex deutlich gestiegen. Ist das der Beginn eines langfristigen Aufwärtstrends?

Christos Arbaras: Ich denke ja. Sowohl die Fundamentaldaten als auch die Charttechnik sprechen dafür. Ich gehöre zu denen, die davon ausgehen, dass die Kurse die Nachrichten machen und nicht umgekehrt. Der Index ist jetzt charttechnisch auf einem Niveau angekommen, bei dem man von einer Trendwende sprechen kann.

Auch vor 2016 war es zwischenzeitlich bergauf gegangen, sogar stärker als jetzt. Was macht sie so sicher, dass es sich bei den jüngsten Kursanstiegen nicht wieder um ein Strohfeuer handelt?

In den vergangenen Jahren gab es am griechischen Aktienmarkt zeitweise deutliche Ausreißer nach oben und nach unten. Das ist richtig. Der aktuelle Aufwärtstrend ist aber schon vergleichsweise lange stabil. Ich gehe deshalb davon aus, dass er sich fortsetzen wird. Solche Extreme wie in den vergangenen Jahren wird es wahrscheinlich nicht wieder geben. Nehmen Sie zum Beispiel die griechische Telekom: Die Aktie stand zeitweise bei rund 1 Euro und war damit extrem unterbewertet.

Um welche griechischen Unternehmen ist es besonders gut bestellt?

In Griechenland gibt es viele hochprofitable Unternehmen, die wegen des praktisch nicht mehr existierenden lokalen Bankensektors ihr Wachstum nicht ausreichend finanzieren können oder nur mit großem Zeitverlust. Jene Firmen, die es durch die vergangenen sieben Jahre geschafft haben, sind jetzt jedenfalls sehr gut aufgestellt. Sie mussten sich schließlich alleine durch die Krise kämpfen, ohne Unterstützung. Investoren können meiner Ansicht nach mit einer Investition in solche griechischen Unternehmen viel gewinnen.

Erholung wird sehr langsam verlaufen

An welche Firmen denken Sie konkret?

Zum Beispiel an die Modefirma Folli Follie. Sie hat eine Marktkapitalisierung von 1,4 Mrd. Euro und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zirka sechs. Ihre Umsätze macht sie zu fast 80 Prozent im Ausland. Das Unternehmen ist europaweit bisher wenig bekannt, wächst aber rasch. Es eröffnet fast jede Woche neue Geschäfte, vor allem in Südostasien. Auch im Energiesektor gibt es in Griechenland spannende Unternehmen, zum Beispiel im Bereich Windkraft. Die Lebensmittel-, Logistik- und Tourismusbranche sind ebenfalls interessant. Und die griechische IT-Industrie gehört, was viele Anleger nicht wissen, zu den innovativsten in Europa. Griechische IT-Unternehmen sind deshalb beliebte Übernahmeziele. Samsung hat etwa im Juli das Athener Start-up Innoetics übernommen.

Folli Follie Aktie

Folli Follie Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Kann der griechische Leitindex seine alten Höchststände von mehr als 5000 Punkten auf lange Sicht wieder erreichen?

Man kann die heutige Lage am griechischen Aktienmarkt nicht mit der Situation vor der Krise vergleichen. Damals war der Bankensektor an der Börse sehr stark vertreten. Mittlerweile ist er quasi unbedeutend. Ich rechne damit, dass die Erholung der griechischen Börse zwar stabil, aber sehr langsam verlaufen wird. Wir sprechen hier über einen Zeitraum von mindestens zehn Jahren, eher 20, mit einer durchschnittlichen Jahresrendite von etwa 15 Prozent.

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