KolumneBitte keine Gewinnerfonds jagen

Christian Kirchner
Christian Kirchner, Capital-Chefkorrespondent in FrankfurtGene Glover

Vor zehn Jahren gelang den Verwaltern des Mischfonds Carmignac Patrimoine ein Coup: Trotz Lehman-Pleite und Finanzkrise schafften sie im Horrorjahr 2008 eine „schwarze Null“. Es folgten viele Empfehlungen, hohe Mittelzuflüsse – und eine irre Negativserie: 2018 wird der immer noch 18 Mrd. Euro schwere Fondsriese das neunte Jahr in Folge hinter seinem Vergleichsindex bleiben.

Da liegt eine Frage nah, die sich viele unzufriedene Anleger wahrscheinlich täglich stellen: Sollten sie das gute Stück verkaufen und das Geld lieber Managern mit besseren Leistungen anvertrauen?

Die Kolumne ist in der aktuellen Capital erschienen

US-Forscher um den Kapitalmarktökonomen Robert Arnott sind dieser Frage nun wissenschaftlich nachgegangen. Der Titel ihrer Studie nimmt das Ergebnis vorweg: „Über die Dummheit, Gewinner zu kaufen und Verlierer zu feuern“.

Sie sahen sich alle rund 3300 Investmentfonds an, die es seit dem Jahr 1990 für den US-Aktienmarkt je gegeben hat. Ihr Ergebnis: Das beste Fünftel an Fonds eines beliebigen Dreijahreszeitraums schnitt in den folgenden drei Jahren rund einen Prozentpunkt schlechter ab als das schlechteste Fünftel. Dieses Ergebnis gilt für die absolute und die relative Wertentwicklung. Die Gewinner von gestern sind in der Regel die Verlierer von morgen und umgekehrt.

Der Befund klingt vernachlässigenswert? Unterstellt man eine durchschnittliche reale, historisch übliche Aktienrendite von vier Prozent nach Kosten, geht es damit um ein Viertel des Gesamtertrags.

Geringe Gebühren sind ein Kaufargument

Das Fazit der Forscher: Gute Fonds zu „jagen“ bringt zumindest auf kurze Sicht das Gegenteil: Es kostet Gebühren und schmälert den Ertrag. Auch deshalb nutzt Capital in der Regel langfristige Betrachtungen von fünf bis zehn Jahren, die mehrere Börsenzyklen umfassen, etwa für den „Fondskompass“.

Nun heißt das gleichwohl nicht, an Verlierern ewig festzuhalten – im Fall des Carmignac Patrimoine hat dies in den vergangenen Jahren auch nicht geholfen. Stattdessen plädieren die Forscher dafür, das Ergebnis konstruktiv zu deuten: Machen Sie sich auf die Suche nach Fonds, die nicht allzu teuer sind (Gebühren sind ein wichtiger Faktor für künftige Erträge), deren Anlagestil konsequent durchgehalten wird und die damit schlecht abgeschnitten haben. Man landet so vermutlich bei ungeliebten Fonds, die mit ungeliebten Strategien arbeiten – aber langfristig gute Chancen haben sollten.

Bezogen auf die aktuelle Börsenlage bedeutet dies: Suchen Sie Fonds, die sich bei Technologie- und Wachstumstiteln zurückhalten, auf Dividenden- und Substanzstärke setzen und idealerweise ein Faible für Schwellenländer haben.

Und vermutlich hat auch der Carmignac Patrimoine wieder gute Chancen. Die Strategie, öfter mal ängstlich die Aktienpositionen abzusichern, war in den guten Börsenjahren Gift für die Leistung. In der nächsten Krise dürfte sie sich gleichwohl auszahlen.