AktienmarktBei US-Tech-Aktien wächst die Angst vor einer Blase

Händler an der Wall Street
Händler an der Wall StreetGetty Images

Michael Hartnett, Chef-Analyst bei der Bank of America nennt ihn den „Ikarus Trade“. Wie die Figur aus der griechischen Mythologie, die zu hoch geflogen ist und dann abgestürzt ist, erwartet er ein ähnliches Schicksal für ausgewählte amerikanische Tech-Werte, vor allem aus dem E-Commerce-Sektor. Dazu zählen für ihn unter anderem Amazon, Facebook, Twitter, Netflix, Google und Ebay. Gestützt von einer jahrelangen expansiven Geldpolitik haben diese Werte seit der Finanzkrise 2008 mehr als 600 Prozent zugelegt.

Der Anstieg dieser Aktien hat laut Hartnett inzwischen zu einer der größten Blasen am gesamten Aktienmarkt geführt. Er stünde ohne den Tech-Sektor deutlich tiefer. Die Bewertung der Tech-Aktien alleine übertrifft inzwischen bei weitem diejenige für die Eurozone.

Kaum Verkaufsempfehlungen

Die US-Berichtssaison für das zurückliegende Quartal hat gerade begonnen und lenkt damit auch den Blick auf die Geschäftsentwicklung im Technologiesektor. Immer neue Rekorde wurden in den vergangenen Jahren erzielt. Die Branche macht inzwischen fast ein Viertel der Konzerngewinne am US-Aktienmarkt aus. Dieses Niveau werde laut Hartnett selten überschritten und sei häufig mit Blasenspitzen verbunden. Bei den Analystenempfehlungen auf eine andere US-Technologiegruppe „FAAMG“ (Facebook, Apple, Amazon, Microsoft und Alphabet) gebe es nur fünf Verkäufe unter den insgesamt 250 Empfehlungen.

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Auch der Datenschutz, der viele Unternehmen aus dem E-Commerce-Sektor betrifft, tritt nach dem Datenskandal bei Facebook in den Vordergrund. Für Mati Greenspan, Senior Market Analyst bei der Social-Trading-Plattform Etoro, ist der Tech-Sektor auch wegen des Datenschutzthemas anfällig – insbesondere Titel, die von Kundendaten profitieren wie etwa Amazon oder Facebook: „Unternehmen, die Daten von Kunden oder Usern bekommen, müssen künftig vorsichtiger damit umgehen. Sie werden stärker reguliert und ihnen drohen empfindliche Geldbußen, wenn die Regeln nicht eingehalten werden.“

In der EU etwa müssen die neuen Datenschutzgesetze bis Ende Mai umgesetzt werden. Dazu gehören strengere Regeln für die Nutzung und Übermittlung von persönlichen Daten. Bei Verstößen wie im Fall Facebook können den Unternehmen dann Strafen in Höhe von vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes aufgebrummt werden.

Mehr Regeln in anderen Sektoren

Laut Hartnett bedrohen US- und EU-Datenschutzgesetze rund vier Prozent der Einnahmen des US-Tech-Sektors. Wie lax die Branche bisher reguliert wurde, zeige eine andere Zahl: Es existieren nur rund 27.000 Vorschriften für Tech-Unternehmen in den USA. Im Vergleich dazu gibt es in der Industrie 215.000 Regeln und im Finanzsektor 128.000. Eine Frage lässt Hartnett allerdings offen, nämlich wie man von der Anfälligkeit profitieren kann. Denn die Nervosität und damit die Volatilität könnte im Tech-Sektor weiter zulegen, wenn die ersten Auswirkungen einer strengeren Regulierung deutlicher werden.

„Anleger, die den Parameter Volatilität bei ihren Investments berücksichtigen, eröffnet sich gerade mit Hilfe von Derivaten ein größeres Spektrum an Renditechancen“, erklärt daher Marcus Landau, Derivateexperte bei der DZ Bank. Wer etwa Put-Optionsscheine auswählt, um von einer Korrektur der US-Tech-Aktien zu profitieren, gewinnt nicht nur durch fallende Kurse, sondern auch durch steigende Volatilitätsbewertungen – eine doppelte Renditechance quasi. Umgekehrt belasten fallende Volatilitäten die Optionsscheinpreise. Mit Puts auf Amazon (WKN: MF423G), Facebook (WKN: CY19FV) oder Twitter (WKN: ST0WN6) sind Anleger auf einen Abschwung vorbereitet, denn in der Vergangenheit haben Branchen wie Tabak, Finanzen, Biotech bereits gezeigt, wie Regulierungswellen zu einer Underperformance von bestimmten Sektoren führen können.