GeldanlageBanken bieten wieder Chancen

Bankentürme
Banken werden für Anleger wieder interessant

Tobias Spies ist Leiter Fixer Income bei der Huber Reuss & Kollegen Vermögensverwaltung


Eigenkapital erhöhen und Risiken reduzieren: So lautete die Devise für viele europäische Banken aufgrund gesetzlicher Vorgaben in den vergangenen Jahren. Nun hat die Europäische Zentralbank  im Banken-Stresstest überprüft, ob die Geldinstitute ausreichend vor Krisen geschützt sind. Für Anleger stellt sich die Frage: Kann man wieder in Banken investieren – und wenn ja, wie?

Über ein Jahr lang hatten mehr als 6000 Experten der EZB, der nationalen Aufsichtsbehörden und externe Wirtschaftsprüfer die Bilanzen der 130 größten europäischen Banken auf Herz und Nieren geprüft. Am 26. Oktober gaben sie die Ergebnisse bekannt: 25 Banken sind durch den Stresstest gefallen, 13 müssen ihre Kapitalbasis um rund 9 Mrd. Euro aufbessern.

Die Anforderungen waren deutlich komplexer als bei vorherigen Bankentests. Hintergrund ist, dass die europäische Bankenaufsicht (EBA) seit dem 4. November alle systemrelevanten Banken in Europa kontrolliert. Um sich vor negativen Überraschungen zu schützen, wurden daher die Bankbilanzen im sogenannten Asset Quality Review akribisch unter die Lupe genommen. Dazu gehörte auch, dass der Stresstest die Auswirkungen eines drastischen Konjunktureinbruchs auf die Bankbilanzen untersuchte. Nach diesem Test steht fest: Die Geldinstitute in Europa sind sicherer und krisenbeständiger als vor dem Ausbruch der Finanzkrise. Doch wie können Anleger davon profitieren?

Außergewöhnliche Chance für Investoren

Eine Lehre aus der Finanzkrise war, dass bei einer Bankrettung zunächst Aktionäre und Kreditgeber ihren Beitrag zu leisten haben, bevor der Staat mit Steuergeldern einspringt oder Kleinsparer um ihre Einlagen fürchten müssen. Zu diesem Zweck hat die Politik mit der Bankenrichtlinie Basel III die Eigenkapitalanforderungen verschärft. Die Banken müssen nun sukzessive bis zum Jahr 2021 ihre Kernkapitalquoten auf bis zu 15 Prozent erhöhen. Bereits in den vergangenen Jahren haben die Banken ihr Eigenkapital um 200 Mrd. Euro gestärkt und die Spielräume bei der Bewertung der Aktiva wurden verschärft. Außerdem wurden die Instrumente, die dem Eigenkapital angerechnet werden können, neu definiert – und genau hier verbirgt sich für Investoren eine außergewöhnliche Chance.

Das Eigenkapital von Banken bilden neben Aktien auch Hybridanleihen. Dazu gehören so genannte Tier 1-Anleihen, die haftungstechnisch nur eine Stufe vor den Aktien rangieren und dem Kernkapital angerechnet werden, sowie Tier 2-Anleihen, die als Ergänzungskapital eingestuft werden. Vor den Basel-III-Richtlinien wurde das Ergänzungskapital noch in Lower Tier-2 und Upper Tier-2 unterteilt. Für Investoren haben die alten Lower Tier 2-Anleihen besondere Reize: Sie bieten höhere Renditen als normale Inhaberschuldverschreibungen, haben wie diese aber eine feste Laufzeit, und die Zinszahlung fällt ebenfalls nur im Konkursfall aus.

Kursgewinne dank niedriger Bewertung

Wie bereits erwähnt, müssen Nachranganleihen künftig andere Merkmale aufweisen, um als Eigenkapital zu gelten. Konkret: Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Banken Lower Tier 2-Anleihen nicht mehr wie bisher voll als Eigenkapital werten, sondern müssen diese Einstufung Jahr um Jahr um zehn Prozentpunkte reduzieren. Damit erfüllen die hoch verzinsten Anleihen den Zweck der Eigenkapitalbeschaffung immer weniger. Die Folge:  Die Institute haben daher großes Interesse, die Anleihen vorzeitig vom Markt zu nehmen oder, wie es im Fachjargon heißt,  zu „callen“, was bedeutet: Sie zahlen den Anlegern die Anleihe zum Nennwert zurück.

Der Punkt ist nun: Viele dieser Anleihen notieren unter pari. Dadurch winken attraktive Kursgewinne, wenn die Banken sie vom Markt nehmen. Rentenanleger haben mit Nachranganleihen von Finanzunternehmen also überdurchschnittliche Ertragsaussichten, während die Risiken durch die strikten Vorgaben der europäischen Bankenkommission überschaubarer geworden sind – das haben die Ergebnisse des Banken-Stresstests nochmals verdeutlicht. Einziger Wermutstropfen ist, dass man sich auf gewisse Kursschwankungen einstellen muss, weil die Liquidität aufgrund des sinkenden Angebots zurückgeht.

Fazit: Auch in Zeiten negativer Realzinsen gibt es am Rentenmarkt dank der vor Basel III emittierten Nachranganleihen interessante Anlagemöglichkeiten. Diese Anleihen bieten eine attraktive Ergänzung in einem breit diversifizierten Portfolio.