AnleihenAufrüsten im Zinskrieg

Ben Bernanke
Auf seine Aussagen kommt es an: Fed-Chef Ben Bernanke
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Die US-Notenbank Fed hat sich in den vergangenen Monaten konsequent den Erwartungen der Marktbeobachter entzogen. Nachdem Fed-Chef Ben Bernanke monatelang Andeutungen hatte fallen lassen, dass die Bank den Umfang ihrer Staatsanleihen-Käufe reduzieren wolle, passierte bei der mit Spannung erwarteten Sitzung im September überhaupt nichts. Im kommenden Jahr könnte es nun endlich so weit sein, schätzen Analysten. Im Januar oder März 2014 dürfte die Notenbank Ernst machen und ihre Anleihekäufe zurückfahren, heißt es etwa beim Analysehaus Raiffeisen Research. In der Konsequenz würden die Zinsen am Kapitalmarkt steigen. Für Investoren, die Anleihen im Depot haben, wäre das zunächst einmal ungünstig. Denn wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse.

Anleiheinvestoren haben es bereits jetzt nicht leicht. Die niedrigen Zinsen verhageln ihnen die Rendite, die Politik der US-Notenbank sorgt für Unsicherheit. Anbieter börsengehandelter Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) bekommen das zu spüren: Renten-ETFs verzeichnen im laufenden Jahr die niedrigsten Zuflüsse seit Jahren. Die Anbieter versuchen gegenzusteuern und bringen seit einigen Monaten Indexfonds auf den Markt, die den Balanceakt zwischen mickriger Rendite und hohem Risiko meistern und Anleger bestenfalls auch noch gegen das Risiko steigender Zinsen absichern sollen.

Viele ETF-Häuser setzen jetzt auf Anleihen mit kurzer Restlaufzeit. Die reagieren nämlich weniger sensibel auf Zinserhöhungen als lang laufende Papiere. SPRD ETFs, die Indexfonds-Tochter des US-Vermögensverwalters State Street Global Advisors, hat bereits Ende August drei Kurzläufer-ETFs auf den deutschen Markt gebracht. Der erste Fonds bildet die Wertentwicklung US-amerikanischer Unternehmensanleihen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren ab, der zweite setzt auf Euro-Unternehmensanleihen mit derselben Laufzeit, der dritte auf US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem bis drei Jahren. Kurzlaufende Anleihen böten potenziell bessere risikobereinigte Renditen, wirbt der Anbieter.

Kurze bis mittlere Laufzeiten

Die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset & Wealth Management (DeAWM) hat im September vier ETFs aufgelegt, die die Kurse italienischer beziehungsweise spanischer Staatsanleihen abbilden. Papiere aus der Euro-Peripherie gelten als risikoreich und bieten Anlegern deshalb besonders hohe Renditen. Drei der neuen Produkte setzen auf Papiere mit kurzer bis mittlerer Restlaufzeit.

Auch die Blackrock-Tochter iShares setzt jetzt auf Kurzläufer, die besonders hohe Renditen versprechen. Sie hat im Oktober zwei ETFs aufgelegt, die die Entwicklung von Unternehmensanleihen aus Europa, Afrika und dem Nahen Osten (EMEA-Region) nachbilden. Die Restlaufzeit der Papiere beträgt höchstens ein Jahr, ist also selbst für Kurzläufer gering. Es gebe derzeit eine deutliche Nachfrage nach Strategien mit kurzer und ultrakurzer Duration, sagt Tom Fekete, Leiter Produktentwicklung für die EMEA-Region bei iShares. Die Duration gibt die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer von Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren an.

Um das Zinsänderungsrisiko bei Unternehmensanleihen gezielt zu minimieren, hat iShares darüber hinaus im September einen ETF mit Zinsabsicherung lanciert. Der Fonds mit dem sperrigen Namen iShares $ Corporate Bond Interest Rate Hedged UCITS ETF investiert in Unternehmensanleihen, die in US-Dollar notiert sind. Das damit verbundene Zinsänderungsrisiko bekämpft er, indem er Futures auf Staatsanleihen verkauft und eine äußerst geringe Duration von Null anstrebt. Er hoffe, das Angebot an solchen Produkten zu erweitern, sagt Produktentwicklungsspezialist Fekete.

Die neuen Renten-ETFs können Anlegern dabei helfen, ihr Anleiheportfolio günstig gegen die Niedrigzinsen und die Politik der Fed zu wappnen. Um sie sinnvoll einzusetzen, sollten Investoren allerdings eine Meinung dazu haben, wann die Zinsen ungefähr steigen könnten, und wissen, wie sie sich dann positionieren wollen. Wer dazu keine Meinung hat, dem helfen auch die neuen Produkte nicht weiter.

Renten-ETFs im Überblick

Name ISIN Gebühr p.A.
SPDR Barclays 0-3 Yr US Corp Bd ETF IE00BC7GZX26 0,20
SPDR Barclays 0-3 Yr Eur Corp Bd ETF IE00BC7GZW19 0,20
db x-trackers II IboxxSvrEurYldPls1-3 1C LU0925589839 0,15
db x-trackers II IboxxSpain UCITS ETF 1C LU0925589755 0,10
iShares Euro Ultrashort Bond DE000A1W4WF2 0,20
iShares $ Corp Bd Intr Rt Hdgd(USD) DE000A1W4V85 0,25

Quelle: Anbieter; Stand: 27.11.2013