Börsen Aktienindizes: Tops und Flops 2021

Die Börse in Istanbul gehörte zu den schwächsten in diesem Jahr
Die Börse in Istanbul gehörte zu den schwächsten in diesem Jahr
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Indexanbieter S&P DJI lässt das Jahr Revue passieren und stellt die Ergebnisse seiner Indexsammlung zur Verfügung. Die Performances einzelner Märkte überraschen

Pandemie hin oder her: Die großen börsennotierten Unternehmen schwimmen derzeit in Geld. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres erzielten beispielsweise die Dax-Konzerne einen gemeinsamen Nettogewinn von fast 90 Mrd. Euro , so viel wie nie zuvor. Die außerordentlich gute Ertragslage hängt sowohl mit den weiterhin günstigen Zinsen zusammen und natürlich mit der erstaunlich robusten Konjunktur. 2021 war aber auch ein hervorragendes Jahr für Börsianer: Die starke Kursperformance an den Kapitalmärkten weltweit wird dabei nicht nur durch die positive Gewinnentwicklung, sondern neuerdings auch noch durch steigende Inflation befeuert. Mehr und mehr Anlegerinnen und Anleger fliehen mit ihrem Geld in Sachwerte, um der Inflation zu entkommen.

Das Ergebnis dieser Entwicklung in Zahlen: Der S&P 500 legte seit Jahresbeginn um stolze 25,60 Prozent zu, der Russell 1000 um rund 24 Prozent und der Dax immerhin um 12,60 Prozent. Wie aber steht es eigentlich mit der Performance an den unbekannteren Börsenplätzen? Der Indexanbieter S&P Dow Jones (S&P DJI) gibt dazu einen Einblick in die Entwicklung weniger bekannter Indizes. Ihre Ergebnisse dürften viele überraschen.

Eines vorweg: Die Daten beziehen sich auf die hauseigenen Indizes von S&P DJI, nicht auf regionale Aktienindizes einzelner Länder. Der sehr breit gefasste S&P Global Broad Market Index (S&P Global BMI) dient als gemeinsame Basis. Er beinhaltet rund 90 S&P-Länderindizes mit insgesamt 11.000 Unternehmen, die zudem eine Marktkapitalisierung von mindestens 100 Mio. US-Dollar vorweisen müssen, um im Index Platz zu finden. Damit finden sich darin sowohl Large-, also auch Mid- und Small-Caps. Mit einem Anteil von knapp 60 Prozent am Indexgewicht sind US-Unternehmen am stärksten vertreten, zu den Schlusslichtern zählt Chile mit gerade einmal 0,1 Prozent.

Die Rendite (Year-to-date Performance) der einzelnen Indizes bezieht sich auf die ersten elf Monate des Jahres. Der S&P Global BMI erfasst Industrienationen, Schwellenländer und auch Staaten, die den Status eines Schwellenlandes noch nicht erreicht haben. Diesen Aspekt sollten Anleger unbedingt im Hinterkopf behalten: Die besonders hohen Kurssteigerungen mancher Schwellen- und Entwicklungsländer gehen nicht nur mit extrem hoher Volatilität einher. An vielen der exotischen Märkte herrscht auch kaum Handel, sie sind entsprechend illiquide. Wer sich dieser Risiken bewusst ist, kann am besten über börsengehandelte Indexfonds oder aktive Investmentfonds in die Nischen investieren.

Unter den von S&P DJI abgebildeten Länderindizes schaffte es Sambia mit großem Abstand weltweit auf Platz eins. Der Binnenstaat im südlichen Afrika kommt auf eine überwältigende Elf-Monats-Rendite von 118 Prozent. 45 Prozentpunkte trennen Sambia vom Zweitplatzierten Kasachstan, das es auf eine Jahresperformance von bisher 73 Prozent geschafft hat. Auf Platz drei folgt der Libanon mit einem Jahres-Kursplus von 70 Prozent. Eine der weltweit schlechtesten Performances legte die Türkei hin. Hier brachen die Börsen ein, die Kurse sanken um 29 Prozent. Verantwortlich dafür war insbesondere der drastische Wertverfall der Lira.

Ein Blick auf die erfolgreichsten Branchen verrät: Die Schifffahrtsindustrie schnitt mit einer Gesamtrendite von 52 Prozent seit Jahresbeginn weitaus am besten ab. Reedereien profitieren von der weltweit hohen Nachfrage nach ihren Flotten, ausgelöst durch Lockdowns und Lieferengpässe. Auf Rang zwei folgen Halbleiterhersteller mit einer Performance in Höhe von 48 Prozent seit Jahresbeginn, was ebenso der weltweiten Versorgungsknappheit geschuldet war. Unternehmen aus den Bereichen Öl, Gas und Verbrauchskraftstoffe legten um 40 Prozent zu. Verantwortlich dafür sind die stark gestiegenen Energiepreise.

Der Industrie-Flop des Jahres war der S&P-Sub-Index Gesundheitstechnologien. Er verbuchte einen Rückgang von 20 Prozent. Der Indexname leitet sicher manchen in die Irre, denn der Index beinhaltet keine Biotechunternehmen, sondern Informations- und Technologiedienstleister im Gesundheitssektor, die in diesem Jahr offenbar mit herben Mittelabflüssen zu kämpfen hatten.

Die Zusammensetzung des S&P Global BMI mag an mancher Stelle eigentümlich wirken. Für renditeorientierte Anleger, die abseits des Mainstreams agieren möchten, lohnt sich jedoch ein Blick auf die breite Palette an Sub-Indizes und Nischenbranchen.


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