Kommentar4 Gründe, warum der Bitcoin-Hype bei null endet

Bitcoin ATM in Italien: Hier kann man Bitcoins in Bargeld tauschenGetty Images

In der vergangenen Woche durchbrach der Bitcoin-Kurs die Marke von 19.000 Dollar. Händler und Spekulanten wird schwindlig bei diesen Kursen. Mancher macht ein Vermögen, aber langfristig ist es schlauer gegen die virtuelle Währung zu wetten, und zwar aus mindestens vier Gründen.

Erstens ist Bitcoin zu instabil, um eine verlässliche Wertanlage zu sein. Die nationalen Währungen beruhen auf realer Produktivität und der fiskalischen Leistungsfähigkeit der Bürger. Bei der Digitalwährung gibt es nichts Vergleichbares – nur eine Art euphorisches Vertrauen. Aber dieses Vertrauen wird von Hackern untergraben, die in Bitcoin-Datenbanken eingebrochen sind.

Zweitens verbraucht die Bitcoin-Gemeinde eine atemberaubende Menge an Elektrizität – laut einer aktuelle Schätzung etwa so viel wie ganz Dänemark. Die Währung ist so aufgebaut, dass die Erfassung von Transaktionen und damit die Generierung neuer Bitcoins die Lösung komplexer mathematischer Probleme erfordert. Dadurch bleiben Bitcoins knapp, es bedeutet aber auch, dass große Serverkapazitäten mit komplexen Berechnungen beschäftigt werden. Wenn Umweltschützer diesen Zusammenhang verstanden haben, wird es einen Sturm der Entrüstung geben.

Drittens ist die Währung ein Vehikel für kriminelle Geschäfte und die Umgehung staatlicher Beschränkungen des Kapitalverkehrs. Aus diesem Grund ist sie in Venezuela und China so populär, weshalb in diesen Ländern die Behörden aber auch hart durchgreifen.

Viertens und das ist der wichtigste Punkt: Bitcoin befindet sich auf einem Kollisionskurs zu souveränen Staaten. Die Kryptowährung beruht auf libertären Grundsätzen, und seine Befürworter widersetzen sich emsig der Lizenzierung und Regulierung. Diese Philosophie würde in ihrer logischen Konsequenz die Abschaffung der Zentralbanken nach sich ziehen.

Regulierung wäre Gift für Bitcoin

Bislang war das Volumen der tatsächlichen Bitcoin-Transaktionen sehr gering. Westliche Regierungen dösen noch vor sich hin. Aber sollte die virtuelle Währung jemals eine kritische Masse erreichen, würden Politiker auf der ganzen Welt aufwachen.

König Philipp IV. von Frankreich konnte einst seine Schulden gegenüber seinen Bankiers, den Templern, nicht zurückzahlen. So ließ er 1307 ihre Anführer wegen erfundener Anschuldigungen verhaften und dann auf dem Scheiterhaufen verbrennen. Kein moderner Herrscher wird die Macht über den Geldbeutel aufgeben ohne einen ähnlichen – wenn auch weniger blutigen – Kampf.

Beim ersten ernsthaften (und wahrscheinlich koordinierten) Schritt der Regierungen zur Regulierung und Kontrolle der digitalen Währung, wird der Preis  auf Null sinken. In Panik werden die Besitzer aussteigen und schon platzt die Blase. Bitcoin-Futures und -Optionen können ebenso gut auf Elfen und Feen basieren. Nichts wird sie retten können. Spekulanten werden zum nächsten Wahnsinn aufbrechen. Zurück bleiben die größeren Narren, die sich fragen werden, wohin ihr vermeintlicher Reichtum verschwunden ist. Und natürlich werden sie von der Regierung verlangen, etwas dagegen zu unternehmen.

Das Gute an Bitcoin ist die Blockchain

Trotzdem bewirkt die Bitcoin-Blase etwas Gutes. Wie das sein kann? Der hohe Preis, auch wenn er stark schwankt, lenkt die Aufmerksamkeit auf die zugrundeliegende Plattform, die so genannte Blockchain. Diese Technologie könnte künftige Transaktionen vielerlei Art revolutionieren, indem sie die sichere Ausführung von „intelligenten Verträgen“ sowie eine schnelle und effiziente Schadenbearbeitung ermöglicht, die teure Zwischenhändler überflüssig macht.

Irgendwann werden solche Plattformen stabil und sicher sein. Es wird nur viel länger dauern, als es der wahnwitzige Bitcoin-Markt vermuten lässt. Aber bevor es so weit ist, stürzt Bitcoin selbst – weder stabil noch sicher – auf Null ab.

Copyright The Wall Street Journal 2017