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Sie sind jung und brauchen Ihr Geld

, Christian Kirchner

Neue Online-Geldanlageportale fordern die etablierte Konkurrenz heraus. Ein kleiner Praxistest. Von Christian Kirchner

Vaamo © Illustration: Jan Steins
Digitale Angreifer: Oliver Vins, Yassin Hankir und Thomas Bloch (v.L.) haben 2013 Vaamo gegründet

Die Deutschen sind zwar gute Sparer, aber schlechte Anleger – noch immer dominieren kaum verzinste Spar- und Girokonten sowie schlicht Bargeld den Vermögensaufbau der meisten Menschen hierzulande. Gleich eine ganze Reihe von neuen Internetportalen wie justetf.com, Vaamo oder easyfolio (siehe Tabelle) ist in den vergangenen Monaten angetreten, das zu ändern: Sie bieten eine strikt internetbasierte, grobe Anlageberatung anhand des Chance-Risiko-Profils des Interessenten und die dazu passenden Anlageprodukte an. Die niedrigeren Kosten durch den rein internetbasierten Vertrieb geben sie an die Kunden weiter.

Doch was steckt wirklich hinter den Produkten und Angeboten?  Um dies herauszufinden, habe ich einen kleinen Selbsttest durchgeführt auf den entsprechenden Seiten: Ich bin 39 Jahre alt, angestellt und möchte einen Sparbetrag von 10.000 Euro auf rund fünf bis zehn Jahre anlegen. Dass es Rendite nicht ohne Risiko gibt, ist mir klar, daher gebe ich mich im Zuge des Selbsttests als moderat risikobereit aus – und wähle bei entsprechenden Fragen stets die „goldende Mitte“ zwischen einer chancen- und risikoorientierten Strategie aus.

Alle Anbieter – Vaamo, Easyfolio, JustETF, quirion, Financescout – bieten letztlich ein identisches Produkt an: Ein je nach Risikoneigung des Anlegers mit so genannten Indexfonds bestücktes Portfolio. Das ist ein an sich cleverer Ansatz, denn Indexfonds bilden schlicht die Kursentwicklung von Indizes wie DAX, Dow Jones und anderen ab – und das für einen Bruchteil der Kosten der aktiv verwalteten Fonds. Damit fallen die Produkte auch automatisch unter die strengen Regel der Investmentgesetze für Fonds, die ein Mindestmaß an Streuung garantieren und dafür sorgen, dass das Vermögen der Anleger auch im Pleitefall sicher ist – es wird getrennt von den Geldern der jeweiligen Anbieter verwahrt. Niemand gibt den neuen Start-ups direkt Geld, sie agieren lediglich als Vermittler. Letztlich erwirbt man die Produkte bei Banken, die als Kooperationspartner fungieren.

Zudem arbeiten die Anbieter mit vergleichsweise hohen Aktienquoten. Sehr kompakt, aber in der Gesamtheit völlig ausreichend erkundigt sich etwa Easyfolio in einem Test mit zehn Fragen nach meinem Wissen, Risikobereitschaft und Zielen. Letztlich empfiehlt man mir ein Produkt namens „Easyfolio 50“, das zu je 50 Prozent mit Aktien und Anleihen bestückt ist – damit bewegt sich Easyfolio im Schnitt der Aktienquoten, die mir angeraten werden. Auch beim Rivalen Vaamo läuft das empfohlene Portfolio für eine Einmalanlage mit mittlerem Risiko auf rund 50 Prozent Aktienquote hinaus. Bei Fianancescout24 rät man zu 45 Prozent Aktien, fünf Prozent Rohstoffen und 50 Prozent Anleihen bei einer sehr holzschnitzartigen Abfrage meines Profils.

Die Hälfte der Anlagesumme in Aktien - das ist für einen Anleger Ende 30 mit Sicherheit keine schlechte Allokation. In den USA bekam ich auf vergleichbaren Seiten gar 90 Prozent empfohlen. Privat ist meine Aktienquote sogar tatsächlich nochmals höher als 50 Prozent. Aber nach nunmehr fünf Jahren Bullenmarkt an den Aktienmärkten ist das für einen Anlagehorizont von fünf bis zehn Jahren aber auch mit einigen Risiken verbunden: Es geht auf den vielen Seiten häufig um Chancen und wissenschaftliche Erkenntnisse, aber selten um Risiken.

Zielgruppe

Betrachtet man die Gebührenstruktur der Angebote – pro Jahr sind je nach Anbieter zwischen 0,4 und 1,2 Prozent des verwalteten Vermögens fällig, in einigen Fällen kommen noch Fondskosten von maximal 0,4 Prozent hinzu - wird deutlich, an wen sich die neuen Angebote richten: Es sind jene potenziellen Anleger, die Geldanlageentscheidung mangels Wissen oder Zeit nicht komplett selbst in die Hand nehmen wollen, aber andererseits auch keine Lust verspüren, sich in einer Bank oder bei einem Vermittler beraten zu lassen. Die Mitte quasi. Denn in Sachen Gebühren liegen die Angebote auch genau im Mittelfeld zwischen den typischen Gebühren für Selbstentscheider und eben klassischer Filialberatung: Da ich selbst zur Kategorie Selbstentscheider gehöre, bin ich auch problemlos in der Lage, mir ein Portfolio an Indexfonds entsprechend meinem Risikoprofil zusammenzubauen – unter dem Strich ist das aufgrund des Preiskriegs in der Indexfonds-Branche inzwischen für allenfalls 0,2 bis 0,3 Prozent Gesamtgebühren pro Jahr möglich.

Am anderen Ende der Gebührenskala stünden die derzeit auch im Vertrieb populären Mischfonds – hier müsste man in einer normalen Bank einmalig zwei bis vier Prozent Ausgabeaufschlag zahlen, hinzu kämen dann noch jährliche Gebühren von ein bis zwei Prozent des investierten Vermögens.

Gebühren

Für jene Zielgruppe sind die Gebühren fair – auch wenn ich beim Anbieter Vaamo ein wenig schlucken musste: 1,19 Prozent fallen dort nach Ablauf des Eröffnungsangebots für 10.000 Euro Anlagevolumen an pro Jahr – hinzu kommen nochmals Kosten für die eigentlichen Fonds von rund 0,4 Prozent. In der Ära der Niedrigzinsen fallen Gesamtkosten von 1,6 Prozent schon deutlich ins Gewicht der Gesamtrendite – immerhin arbeiten die Rivalen mit einem Drittel weniger an Kosten.

Risiken und Nebenwirkungen

Am vermutlich meisten erstaunt hat mich bei meinem kleinen Selbsttest die Tatsache, dass sich die Anbieter wenig Mühe geben, die genaue Zusammensetzung ihrer Produkte offensiver zu erläutern. Anlegern wird von Journalisten und Verbraucherschützern stets eingetrichtert, sie sollen in nichts investieren, was sie nicht verstehen. Bei den Anbietern herrscht aber offenbar die Sorge, dass zu viel Information eher verwirrt denn aufklärt.

Gewiss: Letztlich kann sich jeder – auch, weil es gesetzlich vorgeschrieben ist – bis zu den tatsächlichen Faktenblättern der Fonds durchklicken, um beispielsweise einmal nachzusehen, was denn die größten enthaltenen Aktien eines Produkts oder einer Strategie sind. Ich bin aber unsicher, ob es wirklich zum Abschluss reizt, wenn man die Zusammensetzung von Produkten mit Informationen wie „Global Core Equity Fund EUR Dis: 30% Gewichtung“ und „Global Ultra Short Fixed Income Fund EUR Dis: 10% Gewichtung“ schmückt wie bei Vaamo, wenn Easyfolio oder Financescout die „Benchmark“ des Produkts angibt oder Financescout in der Produktinformation erklärt, laut „WpDVerO“ (sic) könne man die Produktentwicklung erst nach zwölf Monaten darstellen.

Sicherlich: Erfahrene Anleger finden, was sie brauchen und verstehen dies alles. Aber diese sind schließlich nicht die Zielgruppe. Einige Anbieter – wie etwa Easyfolio – leiten zudem relativ unvermittelt an die „Partnerbanken“ weiter, bei denen man Produkte kaufen und besparen könne samt Links zu Depoteröffnungen.

Mein Fazit

Die neuen Angebote füllen eine wichtige Lücke im Markt für Anlageprodukte – und zwar jene zwischen den Produkten für reine Selbstentscheider und den klassischen Beratungsprodukten. Die Schwierigkeit für die Anbieter, aber auch die potenziellen Anbieter ist indes, dass es zu einer hohen Fluktuation der Anbieter und damit auch ihrer Produkte kommen dürfte. Warum? Weil die Markteintrittsbarrieren niedrig und die Kosten gering sind – letztlich handelt es sich um reine Vermittler von Anlageprodukten. Gut möglich, dass daher bald auch prominentere Namen in diesen Markt eintreten.

Lesen Sie in der neuen Capital unsere Titelgeschichte über das Ende der Banken, wie wir sie kennen. "Der Angriff der Portfolio-Roboter" ist Teil dieser Geschichte. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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