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Alternative Wertanlagen: Whisky

, Gerald Pilz

Es müssen nicht immer Aktien sein. Wie wäre es mal mit Whisky als Geldanlage? Was Sie beim Kauf beachten sollten

Erfreut sich großer Beliebtheit: Whisky von Ardbeg © Robert Omerod
Erfreut sich großer Beliebtheit: Whisky von Ardbeg

Unsere Beispiele stammen aus dem Buch "Ungewöhnliche Wertanlagen", das beim UVK Verlag erschienen ist. Der Autor  Gerald Pilz ist Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und Autor zahlreicher Bücher über Finanz- und Börsenthemen

Welche Wertsteigerung Whisky erzielt

Der Malt Whisky „Black Bowmore Final Edition“ kam bereits im Jahr 1995 auf den beachtlichen Preis von 250 DM. Nur zwei Jahre später mussten Anleger dafür 700 bis 900 DM auf den Tisch legen, und kurze Zeit später war die Flasche nur noch für 3.500 bis 4.500 DM zu haben.

Hochkonjunktur hat die in Schottland sehr angesehene Brennerei Macallan, deren Jahrgangs-Whisky 1975 es im Jahr 2002 auf 254 Euro brachte. Der „G&M Malt“ von Glen Grant aus dem Jahre 1936 bescherte Anlegern 1996 mehr als umgerechnet 485 Euro. Bereits zehn Jahre später wurde der Whisky für 1.099 Euro verkauft.

Buchcover Ungewöhnliche Geldanlagen

Als Highlight gelten Whiskys aus den Nachkriegsjahren, in denen in Schottland Gerste äußerst rar war. Beispiele dafür sind der „Glenlivet“ aus dem Jahr 1948 und der „Glen Grant 1949“. Whiskys, die eine Chance auf eine Wertsteigerung haben, sind in der Preisklasse zwischen 250 und 5.000 Euro angesiedelt.

Gefragte Whiskysorten sind beim Händler sehr schnell aus- verkauft, und die verbliebenen Flaschen anderer Hersteller eignen sich oft nicht zum Sammeln oder versprechen nur eine geringe Gewinnchance. Sie sollten daher rechtzeitig einen Whiskykauf einplanen, da viele Händler nicht bereit sind, diese hochwertigen Spirituosen für sie zu reservieren. Neben den Fachhändlern kommen auch Auktionshäuser (wie http://www.bonhams.com) in Frage.

Das weltweit renommierte Auktionshaus Christie’s versteigert auch Whisky. In Glasgow hat sich der Auktionator McTear’s (http://www.mctears.co.uk) auf das schottische Nationalgetränk spezialisiert. In Deutschland hat sich whisky- auction.de auf dieses Fachgebiet fokussiert.

Welche Whiskys sich besonders lohnen

Was viele nicht wissen: Für Whisky gibt es eine Art Ranking – die so genannten Jackson-Punkte (beim Wein wird übrigens ein vergleichbares System verwendet – die Parker-Punkte).

Hier gilt Ähnliches wie bei einer Aktienanlage: Whiskys, die bereits erheblich im Preis zulegen konnten, haben ihr Wert- steigerungspotenzial schon ziemlich ausgeschöpft. Setzen Sie mehr auf noch unentdeckte Schätze, die sich stärker entfalten können.

Verzichten Sie vor allem auf Standardabfüllungen; konzentrieren Sie sich vielmehr auf streng limitierte Abfüllungen, die keinen Massenmarkt bedienen und auf 250 bis 500 Abfüllungen begrenzt sind. Beispiele dafür sind „Bowmore Claret“, „Black Bowmore“, „Macallan 25J 1974“ oder „Glenmorangie Tain L’Hermitage“. Wenn Sie die Flasche nicht über eine Auktion erwerben, müssen Sie bei der Brennerei vor- stellig werden. Dort setzt man Sie aber in der Regel auf eine Warteliste.

Auch bei Ihrer Sammelstrategie können Sie Akzente setzen: So ist es möglich, sich auf eine bestimmte Brennerei festzulegen und bei deren Erzeugnissen das Augenmerk auf limitierte Sonderabfüllungen zu legen. Sie können aber auch verschiedene Whiskys aus einer Region sammeln.

10 Regeln für das Investieren in Whisky

1 - Sammeln Sie vorwiegend schottischen Single Malt Whisky. Irischer und amerikanischer Whiskey konnte sich als Geldanlage noch nicht so durchsetzen. Gefragt sind nur sortenreine Whiskys aus Schottland. Weltweit machen die beliebten Single Malts (in Schottland liegt ihr Anteil bei zehn Prozent) lediglich ein Prozent aus.

2 - Bestimmen Sie, bevor Sie mit dem Sammeln beginnen, ein nicht zu überschreitendes Budget für Ihre Investmentstrategie, um Ihre Ausgaben besser steuern zu können.

3 - Spezialisieren Sie sich auf einzelne Whiskymarken, und vermeiden Sie es, Ihre Investments breit zu streuen; denn dadurch erreichen Sie keine Fokussierung auf die wirklich lukrativen Sorten.

4 - Akzeptieren Sie nur einen Whisky, der im Klassifikationssystem, das von dem Whiskykenner Jackson entwickelt wurde, mindestens 90 Punkte vorzuweisen vermag.

5 - Führen Sie akribisch Buch über Ihre Investments, und informieren Sie sich in regelmäßigen Intervallen über die Wertsteigerung.

6 - Verzichten Sie darauf, billige Whiskys unter dem Schwellenpreis von 30 Euro zu erwerben. Solche Spirituosen werden als „Supermarktqualität“ angesehen und eignen sich unter keinen Umständen als Wertanlage.

7 - Whiskys, die um die 100 Euro kosten, verfügen über ein angemessenes Wertsteigerungspotenzial. Whiskys, die besonders teuer und im Preissegment von über 300 Euroangesiedelt sind, steigen in ihrer Wertentwicklung langsamer.


8 - Sammeln Sie nur Originalabfüllungen, die über ein originales Flaschenetikett verfügen. Spirituosen, die nicht aus der Brennerei stammen, sondern von einem Abfüller vertrieben werden, sind als Investmentanlage wertlos.

9 - Sammeln Sie nur solche Spirituosen, die vor 1975 abgefüllt wurden. Bei Whiskys aus der jüngeren Zeit ist die Wertentwicklung äußerst bescheiden oder gar nicht vorhanden.

10 - Kaufen Sie keine Flaschen auf herkömmlichen Onlineauktionen, wenn diese nicht ausschließlich auf Whisky spezialisiert sind. Inzwischen werden nämlich dreiste Fälschungen in den Verkehr gebracht, bei denen das Etikett nahezu perfekt nachgeahmt wurde. Auch werden leere Flaschen mit billigem Whisky aufgefüllt. Vertrauen Sie deshalb nur ausgewiesenen und sachkundigen Händlern, die über jeden Verdacht erhaben sind, oder decken Sie sich direkt bei den Destillerien ein, was die empfehlenswerteste Vorgehensweise ist.

Eine Reportage zur Destillerie Ardbeg finden sie hier.


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