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Was bringt ein Grundeinkommen?

, Hayek/Keynes

Jahrzehntelang stritten Friedrich August von Hayek und John Maynard Keynes über den Konflikt zwischen Staat und Markt. Diesmal: Wie sinnvoll ist ein bedingungsloses Grundeinkommen?

Hayek und Keynes © Jindrich Novotny
Streithähne: Friedrich August von Hayek (l.) und John Maynard Keynes

Sehr geehrter Herr Keynes,
ich darf Ihre Aufmerksamkeit auf ein interessantes Vorhaben lenken, das derzeit in einem meiner Lieblingsländer diskutiert wird: Die Schweiz stimmt noch heuer über ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle Bürger ab. Ein sehr beachtenswertes Projekt, wenn Sie mich fragen. Das müsste auch in Ihrem Sinne sein, der Sie doch von einer Abschaffung der Arbeit fantasieren.
Ihr F. A. Hayek

Werter Herr Hayek,
es wundert mich kaum, dass Sie als Theoretiker mit der praktischen Realität des Marktes am liebsten nichts zu tun haben wollen und eine solche bedingungslose Einkunft bevorzugen würden. Vielleicht hätten Sie dann ja die Zeit und Muße gehabt, so wie ich ein wirklich großes allumfassendes Werk wie die „General Theory“ zu hinterlassen. Aber ich will nicht in Ihren Wunden wühlen. Sie haben recht: Auch ich finde die Idee gar nicht so schlecht.
Ihr John M. Keynes

Capital 03/2016
Die aktuelle Capital

Sehr geehrter Herr Keynes,
irgendetwas macht mich misstrauisch an Ihrer Zustimmung. Mein Argument liegt jedenfalls in der Freiheit. Eine für alle Einwohner eines Staates gleiche Basisversorgung entledigt den Bürger der Sorge, im Notfall beim Staat betteln zu müssen, um seine Grundbedürfnisse zu stillen. Da die allermeisten mehr wollen als das, wird natürlich trotzdem weiter gearbeitet. Ich habe selbst schon 1973 formuliert, dass ein solches Minimum „nicht nur als völlig legitimer Schutz für ein Risiko erscheint, das uns allen droht, sondern auch als notwendiges Element“ einer Gesellschaft.
Ihr F. A. Hayek

Lieber Herr Hayek,
ich halte ein Grundeinkommen aus einer anderen Überlegung für richtig: Kluge Fiskalpolitik beruht ja darauf, im Boom zu sparen und im Abschwung auszugeben – und nicht andersherum, wie viele Regierungen meinen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen wäre nun wie ein Anker: Geht es mit der Wirtschaft bergab und Menschen werden arbeitslos, muss der Staat diesen Betrag in jedem Fall weiter zahlen – unabhängig von anderen Sozialprogrammen, die erst beschlossen werden müssten.
Ihr John

Sehr geehrter Herr Keynes,
von welchen „anderen Sozialprogrammen“ reden Sie denn da? Es ist doch gerade der Vorteil eines Grundeinkommens, dass alle übrigen, nach Gutdünken verteilten Zuwendungen des Staates wegfallen. Sonst sind wir wieder beim alten Spiel mit der Umverteilung.
Ihr F. A. Hayek

Ach Hayek,
jedes Mal denke ich, wir nähern uns an – und immer werde ich enttäuscht. Seine Steuerungsfunktion sollte der Staat schon noch behalten, auch mit einem Grundeinkommen. Sonst könnten wir das mit der Regierung ja gleich sein lassen. Aber, oh, das wäre ja vermutlich eh in Ihrem Sinne.
Keynes

 

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