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Tesla Tom Zhu: Wer ist der neue Kronprinz von Elon Musk?

Tom Zhu spricht bei einer Pressekonferenz
Tom Zhu: Der 45-Jährige ist zum zweiten Mann hinter Elon Musk bei Tesla aufgestiegen
© IMAGO/China Foto Press
Tesla-Chef Elon Musk hat einen neuen zweiten Mann hinter sich etabliert: Tom Zhu. Was über den 45-Jährigen bekannt ist und welche Rolle er spielen soll

Tesla-Chef Elon Musk vertraut nur wenigen Menschen. Laut New York Times sind es gerade einmal sechs – „die sechs Musketiere“, wie die Zeitung unlängst titelte. Seine Vertrauten ähneln sich in ihrem Typus: Wer in Musks engen Kreis aufrücken möchte, muss vieles für ihn aufgeben – oder Musk schon sehr lange kennen.

Mittlerweile scheint sich der Kreis aber zu erweitern. Laut der Agentur Reuters hat der schillernde Milliardär mit Tom Zhu seinen bisherigen China-Chef als zweiten Mann bei Tesla installiert. Eine Schlüsselposition im Konzern, da Musk sich möglicherweise bald vom CEO-Posten zurückziehen könnte – Zhu wäre dann der logische Nachfolger. Insofern kann Musk gar keinen größeren Vertrauensvorschuss mehr geben.

Doch wer ist der Mann, dem Musk so stark vertraut? Viel ist über den 45-Jährigen nicht bekannt. Auch Interviews gibt Zhu nur sehr selten, was typisch ist für Tesla-Angestellte. Bekannt ist, dass Zhu in China geboren wurde und neben der chinesischen auch die neuseeländische Staatsbürgerschaft besitzt. Er schloss 2004 seinen Informatik-Bachelor an der Auckland University of Technology ab und hält seit 2010 einen MBA-Masterabschluss an der Duke’s Fuqua School of Business in North Carolina.

Nach dem Abschluss heuerte er als Projektmanager bei Kaibo Engineering an, das chinesische Bauprojekte in Afrika betreute. Bei einem Projekt im Sudan traf er hier auf Cal Lankton, der damals den Aufbau der Ladestationen bei Tesla verantwortete. Laut „Kalkine Media“ war es später Lankton, der Zhu 2014 als Projektleiter zu Tesla holte. Zhu war zunächst für den Aufbau der Ladestationen in China zuständig, legte aber schnell eine steile Karriere hin. Bereits Ende 2014 leitete er das komplette China-Geschäft, nachdem seine Vorgängerin Veronica Wu wegen schlechter Absatzzahlen gehen musste.

Ähnlicher Arbeitsethos wie Musk

Zhu gilt als unaufgeregt und extrem fleißig. Er soll über einen ähnlichen Arbeitsethos wie Musk verfügen und die Nächte teilweise im Büro verbringen. Laut Kalkine Media soll er weder eitel sein noch im Luxus leben. Er bevorzuge Fleece-Jacken der Marke Tesla und lebte bislang in einer staatlich subventionierten Wohnung, die nur zehn Minuten von der Schanghaier Gigafacotory entfernt sei.

In diesen Punkten ist er dem umstrittenen Musk ziemlich ähnlich, der nach eigenen Angaben keinen eigenen Wohnsitz hat und dort schläft, wo er arbeitet. Das muss nicht gesund sein, und eine Erfolgsgarantie ist das auch nicht. Aber auf den ersten Blick hat Zhu es damit weit gebracht: Unter ihm sind beispielsweise Verkehrsbeschränkungen für Tesla-Autos in chinesischen Großstädten gefallen. Außerdem brachte Tesla unter ihm einen Adapter heraus, mit dem die Autos an den chinesischen Ladestandard angepasst werden können. Allein im ersten Jahr verdreifachte er so den Umsatz in China.

Die Absatzzahlen wuchsen in den kommenden Jahren kontinuierlich weiter. Zuletzt verkaufte Tesla knapp 700.000 Fahrzeuge in China – auch dank der eigenen Gigafactory in Schanghai, die 2018 unter Zhu eröffnet wurde. Ein Jahr später stieg er dann zum Global Vice President auf, und damit in die erste Liga von Tesla. Jetzt gelang der nächste Sprung zur Nummer zwei hinter Musk. In dieser Position soll er offenbar die US-Montagewerke beaufsichtigen und den Verkauf in Nordamerika und Europa verantworten. Unklar ist, ob auch die Gigafactory im brandenburgischen Grünheide dazugehört.

Aktionäre setzen Musk unter Druck

Für viele US-Medien war der Aufstieg nur logisch, da Zhu in den vergangenen Jahren immer häufiger als Feuerlöscher für Brände eingesetzt wurde, die Musk verursacht hatte. Zuletzt wurden Zhu und sein Team zum Beispiel in den US-Bundesstaat Texas geschickt, um dort die Produktionsprobleme zu beheben. Seine neuen Aufgaben sind jetzt speziell darauf zugeschnitten, Musk zu entlasten, der sich auf neue Produkte und das Design fokussieren will. Das ist auch eine Hoffnung der Tesla-Aktionäre, die stark kritisieren, dass sich Musk zu sehr um Twitter kümmere. Sie fordern eine Re-Fokussierung auf den E-Autobauer, dessen Aktienkurs im vergangenen Jahr massiv eingebrochen ist.

Seit längerem verzögern sich Produkteinführungen, etwa beim Model 2, beim Cybertruck oder bei einer überarbeiteten Version des Model 3. Außerdem ist Teslas Ruf als avantgardistischer Elektroautobauer stark angekratzt. Die europäische und asiatische Konkurrenz hat in den vergangenen Monaten stark aufgeholt und droht den E-Auto-Pionier zu überholen – wenn sie das nicht schon getan hat. Umso größer ist die Aufgabe für Zhu, Tesla wieder auf Kurs zu bringen.

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