ExklusivSolarworld-Krise überrumpelt Asbeck

Der bisherige Solarworld-Chef Frank Asbeck hat eingeräumt, von der Zuspitzung der Krise bei dem Solarkonzern überrascht worden zu sein. Erst in den Tagen vor dem Insolvenzantrag habe sich gezeigt, „dass die Preise weiter fallen und wir unsere Langfristprognose nicht einhalten konnten“, sagte Asbeck dem Wirtschaftsmagazin Capital (Heft 6/2017). „Anfang Mai war das noch nicht absehbar. Da dachten wir, dass wir es schaffen können“, fügte er hinzu. Er spüre jetzt „eine große Verpflichtung, für meine Mitarbeiter und den Erhalt der Produktion zu kämpfen“, sagte der Solarworld-Chef.

Asbeck hatte dem Wirtschaftsmagazin noch am 2. Mai ein Interview in seinem Büro in der Bonner Konzernzentrale gegeben. In dem Gespräch hatte sich der Konzernchef überzeugt gezeigt, dass das Sanierungskonzept für Solarworld aufgehe und das Unternehmen aus der Krise komme. Über den Sanierunsplan sagte er: „Er ist stimmig, und wir hoffen, dass er nicht durch Marktverwerfungen konterkariert wird.“

In dem Gespräch Anfang Mai wies der Konzernchef Vorwürfe zurück, er habe durch strategische Fehler zur Schieflage des Unternehmens beigetragen. „Da Solarworld größter westlicher Hersteller ist und zu den wenigen Überlebenden in unserer Branche gehört, muss ich mit 51 Prozent meiner Entscheidungen auf der richtigen Seite stehen“, sagte er. Für die Krise von Solarworld machte er chinesische Hersteller verantwortlich, die „mit kriminellen Methoden“ die Bestimmungen der EU gegen Preisdumping umgingen.

Alarmierende Zahlen aus dem Vertrieb

Frank Asbeck in seinem Büro in der Konzernzentrale – zusammen mit Hund Duke (Foto: Albrecht Fuchs)
Frank Asbeck in seinem Büro in der Konzernzentrale – zusammen mit Hund Duke (Foto: Albrecht Fuchs)

Auf die Frage nach eigenen Fehlern sagte Asbeck:„Vielleicht hätten wir uns noch ein Jahr früher ausschließlich auf Hocheffizienz und die Perc-Technologie konzentrieren sollen.“ Perc, die Passivated Emitter Rear Cell, ist eine Solarzelle mit verspiegelter Rückseite, die das Licht innerhalb der Zelle reflektiert. So wird mehr Licht in Strom umgewandelt. Hightechkonzepte wie Perc sollten Solarworld eigentlich aus der Existenzkrise bringen.

Ein Grund für die Entscheidung, Insolvenzantrag zu stellen, waren nach Capital-Informationen die Verkaufszahlen für April und alarmierende Signale aus dem Vertrieb in den Tagen nach dem Interview am 2. Mai. Danach sei klar gewesen, dass die Mindestplanzahlen für dieses Jahr nicht mehr erreichbar seien, heißt es im Konzern. Einige Großabnehmer hätten Aufträge zurückgezogen oder forderten niedrigere Preise.

Die ganze Analyse über Frank Asbecks letzten Kampf bei Solarworld lesen Sie in der Juni-Ausgabe von Capital. Hier können Sie sich ab dem 18. Mai die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.