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Yngve Slyngstad
Der Chef des norwegischen Ölfonds Yngve Slyngstad
© Kim Saatvedt

Der Chef des norwegischen Staatsfonds Yngve Slyngstad würde in Deutschland gern mehr investieren. Im Capital-Interview sagte Slyngstad: „Wir würden gerne mehr in Deutschland investieren. Aber eine Reihe attraktiver Firmen sind nicht börsennotiert. Fast der gesamte Mittelstand ist nicht gelistet. Der Anteil Deutschlands an unserem europäischen Portfolio ist niedriger, als wir ihn gerne hätten.“

Trotz der Eurokrise ist der Chef des mit einem Vermögen von rund 800 Mrd. Dollar weltweit reichsten Staatsfonds vom europäischen Wirtschaftsraum überzeugt: „In europäischen Unternehmen steckt eine Menge Wert. Wir verkaufen keine Vermögenswerte in Europa. Europa bleibt unser Heimatmarkt, unsere größte Position. Unsere durchschnittliche Beteiligung an europäischen Unternehmen ist ungefähr doppelt so groß wie im Rest der Welt.“ Nach Slyngstads Einschätzung werde die Krise, die Europa gerade durchmacht, langfristig sogar gut für Investoren sein.

Das neue Geld, das dem Fonds zufließt, werde aber zum Großteil außerhalb Europas investiert. „Wir müssen uns universaler aufstellen, denn der Fonds wird immer größer, er wird länger bestehen als geplant, und die Globalisierung wird wichtiger“, so Slyngstad zu Capital.

Staatliche Pensionsfonds haben Konjunktur

Die neue Capital, am 23. Januar im Handel
Die neue Capital, am 23. Januar im Handel

Slyngstad erwartet eine stark wachsende Bedeutung vergleichbarer staatlicher Investoren. „Viele Nationen haben Devisenreserven, die sehr schnell wachsen. Zugleich gründen gerade zahlreiche Staaten Pensionsfonds, wie etwa Kanada oder Australien, denn offensichtlich sparen die Privathaushalte nicht genug für die Zukunft.“ Der demografische Wandel werde auch alle europäischen Staaten vor die Herausforderung stellen, ihr Rentensystem über neue Wege zu finanzieren.

Investmentstrategie: Norwegens Ölfonds streut sein Vermögen breit. Er beteiligt sich an rund 8000 börsennotierten Unternehmen, meist mit ein bis vier Prozent. Ausgenommen sind Tabak- und Rüstungshersteller oder der Korruption überführte Unternehmen. Fast alle DAX-Konzerne sind im Portfolio.

Yngve Slyngstad arbeitet seit 1998 bei Norwegens Staatfonds NBIM, seit 2008 ist er Chef. Zuvor war er Chief Investment Officer für Asien bei Storebrand Asset Management. Slyngstad studierte Jura und Wirtschaft in Oslo, Kalifornien und Paris.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Februar-Ausgabe der Capital, die am 23. Januar erscheint. Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.