ReportageFarhard Vladi - der Inselmakler

Farhad Vladi ist der erfolgreichste Inselmakler der Welt
Farhad Vladi ist der erfolgreichste Inselmakler der Welt
© Roman Pawlowski

Immer wenn es Ärger gab, in der Schule oder zu Hause, tauchte er ab. In seine Gedanken. „Ich gehe jetzt auf meine Insel“, sagte Farhad Vladi dann trotzig. „Da habe ich meine Ruhe.“ Schon als Kind hatte er von einer Insel geträumt. Seiner Insel. Das Eiland seiner Sehnsüchte sah aus wie das von Robinson Crusoe. Weißer Sand, kristallklares Wasser und Palmen, die Kokosnüsse regnen lassen. Daniel Dafoes Roman hatte er als Kind verschlungen. Immer und immer wieder. Wie die Leselampe gehörte das Buch auf seinen Nachttisch. Die Sehnsucht, die Robinson Crusoe in ihm geweckt hatte, sollte ihn nie mehr loslassen.

Es ist ein grauer Apriltag in Hamburg. Dunkle Wolken peitschen den Regen über die Binnenalster, dicke Tropfen prasseln an die Fenster des Senator-Hayn-Hauses, eines alten Kontorhauses direkt neben dem Firmensitz von Hapag-Lloyd. Doch hier oben, im fünften Stock, hinter der Tür mit dem goldenen Schild und der Gravur „Vladi Private Islands“ fühlt es sich an, als scheine immer die Sonne.

In einer Ecke steht eine Palme, die Wände der Büros zieren historische Landkarten und große Bilder von Inseln rund um den Globus. Auf Fotopapier abgezogene Träume. Weiße Atolle, die sich aus dem Meer in Hellblau und Leuchtendgrün erheben. Vor kleinen Hütten aus Holz und Glas wehen weiße Vorhänge im lauen Wind, laden Liegen zum Faulenzen ein. Fast spürt man den feinen Sand zwischen den Zehen rieseln, die warme Sonne auf der Haut. Einige Inseln sehen aus, wie Delial riecht und Raffaello schmeckt. Auf anderen erwartet man Grizzly Adams als Nachbarn, der irgendwo am Ufer Lachse angelt oder Holz aus den grünen Nadelwäldern hackt.

Über 2800 Inseln vermittelt

Vladi, ein Mann mit orientalischer Anmut und hanseatischer Attitüde, hat aus seinem Traum einen Beruf gemacht. Seit 45 Jahren verkauft der Sohn eines Persers, der 1925 nach Deutschland kam, und einer Hamburgerin Inseln. Er war der erste Makler, der sich auf Privatinseln spezialisierte. Und ist bis heute der erfolgreichste. Weltweit. Über 2 800 Paradiese hat der 72-Jährige vermittelt. Die Wirtschaftsprüfer von PwC haben das bestätigt.

Zu seinen Kunden gehören Prominente, über die er nicht reden darf. Aber an den Kabarettisten Dieter Hallervorden habe er eine Insel in Frankreich verkauft, das darf er sagen. Und eine in Kanada an Fernsehmoderator Jörg Pilawa. Richard Bransons Karibiktraum Necker Island, auf dem zuletzt der Virgin-Gründer und Inselherr mit den Obamas urlaubte, ist über Vladi zu mieten. 54 500 Dollar kostet die Nacht. Allerdings für bis zu 28 Gäste, inklusive aller Mahlzeiten und Getränke. Champagner inbegriffen und die Dienste der 60 Angestellten.

Das eigene Königreich

Aber die meisten seiner Kunden, sagt Vladi, seien ganz normale Leute. Und viele der Inseln lägen auch nicht in der Karibik, sondern in Kanada oder Skandinavien. In Seen, nicht im Meer. Nadelwald statt Palmen. Entspannen statt Party. Viele seiner Kunden suchten das Naturerlebnis, die Abgeschiedenheit. Das „Inselgefühl“, wie Vladi es nennt. „Man kontrolliert, was man sieht.“ Ein Königreich mit natürlichen Grenzen und einer Energie, die in der Ruhe liegt.

Eine solche Insel muss nicht teurer sein als eine gut ausgestattete Limousine. Und so reicht die Spanne von unter 50 000 Euro für eine Insel an der Küste von Nova Scotia bis zu 45 Mio. Euro für eine griechische Insel im Mittelmeer. Dazwischen Paradiese in der Karibik und im Pazifik.