LSG CateringDurststrecke bei Lufthansa

LSG Sky Chefs liefert jährlich rund 700 Millionen Mahlzeiten an mehr als 300 Fluggesellschaften ausGetty Images

Passagiere der Lufthansa müssen auf Kurzstreckenflügen derzeit mit einem geringeren Verpflegungsangebot auskommen. Grund sind Personalengpässe bei der Cateringtochter LSG Sky Chefs, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. In den Produktionsstätten an den Drehkreuzen München und Frankfurt hätten sich überdurchschnittlich viele Mitarbeiter krankgemeldet. „Das ist in der Ferienzeit ein Problem für uns“, so die LSG-Sprecherin.

Das sei auch auf zunehmende Belastungen und psychischen Druck zurückzuführen, sagt eine Verdi-Sprecherin. Der Lufthansa-Konzern will den Geschäftsbereich mit weltweit 35.000 Arbeitsplätzen noch in diesem Jahr verkaufen. Die Mitarbeiter in Deutschland, die auf rund 6000 Vollzeitstellen arbeiten, protestieren seit Wochen dagegen. „Die Mitarbeiter machen sich Sorgen um ihre Zukunft, werden darüber aber vom Lufthansa-Vorstand im Unklaren gelassen. Das ist eine starke Belastung“, sagt die Verdi-Sprecherin. Die LSG ist zwar profitabel und erzielte zuletzt einen operativen Gewinn von 115 Mio. Euro. Die Sparte generiere aber keine weiteren Synergien im Konzern, erklärte der Vorstand vor wenigen Tagen bei einem Investorentreffen.

Durststrecke auf Kurz- und Mittelstrecken

Die LSG machte keine weiteren Angaben zu den Krankmeldungen. Es würden Gespräche mit den Mitarbeitern geführt und versucht, alle Kräfte zu mobilisieren. Die Lufthansa hatte Kunden in einer Email darauf hingewiesen, dass es bereits seit Anfang Juli „Einschränkungen bei der Catering-Beladung“ gibt. Die Fluggesellschaft geht davon aus, „dass die Situation noch weitere Wochen anhalten kann.“

Das Problem trifft die Lufthansa mitten in der Ferienzeit. In den meisten Bundesländern haben die Sommerferien bereits begonnen. Viele Fluggesellschaften fürchten ohnehin, dass es in dieser Zeit erneut zu Chaos kommen könnte, nachdem im vergangenen Jahr zahlreiche Flüge ausgefallen oder massiv verspätet waren.

Der Notfallplan der LSG sieht vor, dass Lufthansa-Maschinen mit unter drei Stunden Flugzeit nur noch eingeschränkt mit Getränken und Lebensmitteln beladen werden. Bei Flügen mit mehr als drei Stunden Flugzeit gibt es nach Angaben des Unternehmens hingegen die übliche Versorgung.

Verdi mobilisiert die LSG-Mitarbeiter seit Wochen zu Protesten gegen den anstehenden Verkauf. Die rege Teilnahme an Betriebsversammlungen hat etwa in München schon zu Betriebsausfällen geführt. Die Mitarbeitervertreter beklagen, dass sie keine Informationen vom Management bekommen. Das nächste Treffen mit Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens ist für den 29. Juli terminiert.

Die Kaufinteressenten positionieren sich bereits. So hat etwa der Wiener Caterer und Restaurantbetreiber Do&Co ein Angebot für das Europa-Geschäft von LSG Sky Chefs abgegeben. Auch die Schweizer Gategroup und der Luftfahrtdienstleister Dnata aus Dubai gelten als mögliche Bieter. Die LSG gehört zu den führenden Airline-Caterern der Welt. Sie liefert jährlich rund 700 Millionen Mahlzeiten und ist an 205 Flughäfen weltweit für mehr als 300 Fluggesellschaften und eine wachsende Zahl europäischer Bahnbetreiber tätig.