Western von gesternKrach im Bahlsen-Clan

Zusammen halten sie den Konzernnamen (v.l.n.r): Vetter Hermann Bahlsen und die Brüder Werner-Michael und Lorenz. Zwischen den beiden Firmen-Stämmen des hannoverschen Keksherstellers krachte es gewaltig
Zusammen halten sie den Konzernnamen (v.l.n.r): Vetter Hermann Bahlsen und die Brüder Werner-Michael und Lorenz. Zwischen den beiden Firmen-Stämmen des hannoverschen Keksherstellers krachte es gewaltigdpa

Dass sich der Nachwuchs um Chips und Kekse balgt, ist in jeder Familie normal. Wenn die Familie Bahlsen heißt, stehen allerdings auch gleich Tausende Jobs und eine Wirtschaftslegende auf dem Spiel.

Deutschlands Knabberdynastie hatte sich in den 90er-Jahren so tief zerstritten, dass nur noch die Trennung half: Süßes für den einen, Salziges für den anderen Bruder. Werner Michael („M.“) Bahlsen, der damals die Kekse bekam, wurde im Juni 2015 neuer Chef des CDU-Wirtschaftsrats werden, den sein Vater nach dem Krieg einst mit aufbaute. Das klingt nach stabiler Tradition – und hätte doch ganz anders kommen können.

Es war der kreative Fabrikant Hermann Bahlsen, der zu Kaisers Zeiten aus den englischen „Cakes“ die deutschen „Kekse“ machte. Seine drei Söhne bauten das Geschäft aus, revolutionierten Europas Partykultur mit der Einführung der Salzlette. Als strenger Patriarch lenkte Sohn Werner bis zu seinem Tod 1985 den Hannoveraner Gebäckkonzern.

Doch in der dritten Generation zerbröselte Bahlsen rasant: Werners drei Kinder seien unfähig – befand ihr älterer Vetter, Hermann jr., der seit Jahren die Geschäfte führte und die „machtbesessenen Bengels“ aus dem Laden drängen wollte. Die konterten hart, indem sie ihn zu seinem 65. Geburtstag einfach per Rundschreiben in Pension schickten.

Bahlsen wird aufgeteilt

Realteilung und Rückzug lautete 1996 die zäh verhandelte Friedensformel: Hermann jr. erhielt das US-Geschäft. Seine Gegner wechselten in einen Beirat, neue Chefs sollten von außen geholt werden.

Unter den drei verbliebenen Gründerenkeln ging der Streit nun aber erst richtig los – zumal Bahlsen tief in die Miesen rutschte. Die große Schwester Andrea und der ältere Bruder Lorenz verbündeten sich gegen den wirbelnden Werner Michael.

Als Andrea starb, beschloss der Clan 1999 die nächste, diesmal radikale Trennung: Werner M., inzwischen 50, wurde der Herr aller süßen Plätzchen und des berühmten blau-roten Bahlsen-Logos. Lorenz bekam das Salzgebäck, das heute als Lorenz Snack-World in Rot-Grün firmiert. Die Familie der Schwester erbte Tochtergesellschaften in Österreich und der Schweiz; sie wechselte vom Knabberkram aber bald zu Investments in edle Manufakturen.

Werner M. traf bei der CDU auf eine alte Bekannte: Ursula von der Leyen. Deren Vater Ernst Albrecht war einst Finanzdirektor von Werner Bahlsen senior, ehe er in der CDU Karriere machte.

Hauptperson

Hermann Bahlsen, geboren 1859, gründete mit 30 Jahren seine „Hannoversche Cakesfabrik H. Bahlsen“. Die Idee hatte er aus England, sein hauseigener „Leibniz Cakes“ – benannt nach Hannovers berühmtem Universalgelehrten – wurde zum Welterfolg. Besonders dichte Kartons („TET-Verpackung“) stärkten die Marke weiter, 1911 wurde der „Cakes“ zum „Keks“. Bahlsen starb 1919. Sein jüngster Sohn Klaus holte 1935 eine ganz neue Idee aus den USA nach Europa: Salzstangen.


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