KolumneDas Jahr der großen Unsicherheit

Bernd Ziesemer
Bernd ZiesemerCopyright: Martin Kress

Das neue Jahr beginnt für Deutschlands Unternehmen mit so vielen bangen Fragen wie seit langem nicht mehr. In den letzten Monaten mussten bereits viele Dax-30-Konzerne ihre Gewinnerwartungen nach unten korrigieren. Und die Prognosen für 2019 fallen vielen von ihnen schwerer als in den letzten Jahren.

Unwägbarkeiten gibt es für Unternehmen immer – aber im neuen Jahr könnten sie sich gefährlich überlagern und gegenseitig verstärken. Man kann daher die Prophezeiung wagen: 2019 erfordert von den Männern und Frauen an der Spitze der Unternehmen mehr Entscheidungskraft denn je. Es kommen keine guten Monate für die Schönwetterkapitäne.

Es gibt mindestens vier große Blöcke, die sich einem Unternehmenserfolg 2019 in den Weg stellen. Da drohen erstens große internationale Verwerfungen durch den britischen Brexit und die unberechenbaren Entscheidungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, durch die zunehmende Aggressivität der Chinesen und durch die vielen ungelösten Krisen in der Welt von Syrien bis Nordkorea, aber auch durch die großen inneren Probleme der Europäischen Union.

Gefährliche Gemengelage

Zweitens entwickelt sich eine gefährliche Gemengelage an den Weltfinanzmärkten, ausgelöst durch die steigenden Zinsen, die Rückkehr des Risikobewusstseins und die Nervosität der Investoren. Drittens droht ein Einbruch des Welthandels, eine Rezession in einigen Ländern oder gar auf ganzen Kontinenten. Und last but not least beschleunigt sich der technologische Umbruch, der viele angestammte Märkte erfolgreicher Unternehmen aufmischt und mit der Chiffre „Digitalisierung“ nur zum Teil beschrieben ist.

Die Konzerne müssen in dieser Lage viele schwere Entscheidungen treffen: Sie verfügen über weniger Geld, aber müssen eigentlich mehr investieren. Sie müssen strenge Sparprogramme aufsetzen, dürfen sich aber nicht zu viel mit sich selbst beschäftigen. Sie müssen international vorsichtiger agieren, aber dürfen im globalen Wettbewerb nicht zurückfallen.

Sie müssen sich auf kurzfristige Schocks durch die Finanzmärkte einstellen, dürfen dabei aber ihre langfristigen Ziele nicht aus den Augen verlieren. Wenn man eine Metapher aus der Autowelt verwenden will: Sie müssen bremsen und zugleich Gas geben. Und dabei kommt man bekanntlich leicht ins Schlingern.

Diejenigen Konzerne, die finanziell stark dastehen und sich frühzeitig um ihre Kosten gekümmert haben, können die Gemengelage für sich nutzen und sogar Marktanteile gewinnen. Es gilt immer noch die alte Devise: In der Krise von heute entwickeln sich die Gewinner von morgen. Sorgen müssen sich die Unternehmen machen, die mit hohen Schulden und außerordentlichen finanziellen Lasten ins neue Jahr gehen – beispielsweise Bayer oder VW.

Nicht in allen Fällen spiegeln die Aktienkurse bereits alle Probleme wider – deshalb gibt es, fundamental gesehen, viele Argumente für weitere Kursverluste an den Börsen. Die Spielräume vieler Manager verengen sich dadurch weiter – und es dürfte daher 2019 auch einige spektakuläre Wechsel in den Chefetagen der Konzerne geben. Schon jetzt geht in manchen Unternehmen nach heftigen Kursverlusten die Panik um – man denke nur an die Deutsche Bank.

Insgesamt aber bleibt ein Trost: Deutschland geht, gesamtwirtschaftlich betrachtet, stärker in das kommende Jahr der Unsicherheit als fast alle anderen entwickelten Volkswirtschaften der Welt. Andere Länder wären froh, unsere Probleme zu haben. Auch 2019.