InterviewTina Müller: „Erfolg darf man sich nicht schön reden“

Tina Müller
Tina Müller ist seit November 2017 Chefin der Parfümeriekette Douglas. Zuvor war sie als Marketingchefin von Opel für die Werbekampagne "Umparken im Kopf" verantwortlich


Wie bleibt man zukunftsfähig? Und wo bleiben dabei die Menschen? Wie wird die Zukunft der Arbeit gestaltet – und vor allem der Weg dort hin? Was treibt Unternehmenslenker um? Wenn Unternehmen sich neu erfinden müssen, um sicher auf Kurs zu bleiben: Was ist unverzichtbar? Stefanie Unger hat Strategen und Denker namhafter Unternehmen nach diesen und vielen weiteren Faktoren befragt – mehr auf www.zukunftsfähig.com.


Was hält Sie nachts wach?

Mich hält nachts grundsätzlich nichts wach. Dass ich nachts gut schlafe, ist aber auch wichtig, damit sich meine Batterien wieder aufladen und ich genug Energie für den Tag habe.

Von welchem Unternehmen können Sie am meisten für Ihre Zukunft lernen und warum?

Derzeit beschäftige ich mich viel mit den Themen Flexibilität und Agilität. Die Begriffe kommen ursprünglich aus dem IT-Bereich, aber mittlerweile sind sie vielmehr kulturprägend. „Agil“ zu sein, ist nicht nur für Unternehmen wichtig, sondern auch für mich als Unternehmerin – auch ganz persönlich. Daher beschäftige ich mich gerade viel mit Unternehmen aus dem Digital- und E-Commerce-Bereich. Ich habe mir auch einige Start-ups angeschaut und gewinne dabei viel Inspiration von Unternehmen aus anderen Branchen. Mein Fokus liegt insbesondere auf Unternehmen, die es geschafft haben, sich mit disruptiven Innovationen weiterzuentwickeln: die zum Beispiel den Trend der Digitalisierung genutzt haben und ihr Geschäftsmodell entsprechend neu ausgerichtet haben.

Wer beschäftigt sich bei Ihnen im Hause mit dem Thema Zukunft?

Bei Douglas beschäftigt sich jeder einzelne Mitarbeiter mit dem Thema Zukunft, denn eine agile Kultur können wir im Unternehmen nur zusammen etablieren. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, den Mut zu haben, neue Dinge auszuprobieren. Manchmal klappt es, manchmal klappt es nicht – auch das gehört für mich zu einer agilen Denkweise. Wichtig ist, dass man Neues wagt, um die Ideen zu finden die funktionieren und diese dann skaliert. Das ist nicht nur für mich persönlich wichtig. Ich glaube fest daran, dass diese Mentalität auch wesentlich ist für eine gesunde Unternehmenskultur – und sich schlussendlich auch positiv auf die Marke auswirkt. Als Unternehmen im Einzelhandel ist es für uns wichtig, dass wir, bei allem, was wir für die Zukunft tun, unsere Kunden nicht aus den Augen verlieren. Denn am Ende des Tages sind unsere Kunden unsere Zukunft.

Wie lang beziehungsweise kurzfristig betrachten und planen Sie Ihre Zukunft?

Es gibt eine kurzfristige Planung, um flexibel und agil zu bleiben. Und es gibt eine mittelfristige und eine langfristige Planung. Einen Plan zu haben, ist gut und wichtig, auch wenn einem das heute nicht mehr die Sicherheit gibt, die es früher gegeben hat. Heute müssen wir viel flexibler planen, da sich die Märkte innerhalb kürzester Zeit umfassend verändern.

Wie werden sich die Bedürfnisse und Wünsche Ihrer Kunden in der Zukunft ändern und wie beschäftigen Sie sich damit?

Wie sich Bedürfnisse unserer Kunden verändern, erkennt man oft schon am eigenen Einkaufsverhalten: Wir wollen unsere Produkte möglichst sofort, statt auf eine Lieferung warten zu müssen. Das Thema sofortige Warenverfügbarkeit gewinnt damit zunehmend an Bedeutung. Und natürlich wollen wir flexibel darüber entscheiden, wann, wo und wie wir einkaufen. Habe ich Zeit, um in die Stadt zu gehen oder bestelle ich lieber schnell online? Ist mein Produkt im Geschäft verfügbar? Bin ich zu Hause, wenn meine Lieferung ankommt? Bei Douglas arbeiten wir deswegen an einem nahtlosen Ineinandergreifen unserer Vertriebskanäle, damit unsere Kunden die volle Flexibilität genießen. Die bietet Douglas vielfach schon heute: Ich kann Produkte im Onlineshop recherchieren und entweder direkt bestellen oder in der nächsten Filiale reservieren – dann kann ich sie vor Ort auch noch ganz bequem ausprobieren. Umgekehrt kann ich Produkte, die in meiner Filiale gerade nicht verfügbar sind, online bestellen und zu mir nach Hause liefern lassen. So muss ich kein zweites Mal in die Stadt.

Das Bedürfnis nach Flexibilität und der Wunsch nach schnellstmöglicher Warenverfügbarkeit werden sich in Zukunft weiter verstärken. So werden wir künftig nicht ein oder zwei Tage auf unsere Onlinebestellung warten, sondern wollen sie in der nächsten Stunde geliefert bekommen – auch daran arbeiten wir. Eines aber wird sich nicht ändern: das grundsätzliche Bedürfnis der Menschen nach Schönheit. Davon bin ich überzeugt.