InterviewKool Savas über seine erste Million

Kool Savas, Rapper und Labelbetreiber
Kool Savas, Rapper und LabelbetreiberKatja Kuhl / PR


Kool Savas, 45, bürgerlich Sava Yurderi, wurde in Aachen geboren. Mit seinen türkischstämmigen Eltern, beide Erzieher, zog er erst nach Istanbul und später nach Berlin. Sein Durchbruch als Rapper kam 2001; es folgten mehrere Nummer-eins-Alben und bald ein eigenes Plattenlabel.


Wie war in Ihrem Elternhaus das Verhältnis zu Geld?

Meine Eltern hatten sich dafür entschieden, arm zu bleiben. Sie sind überzeugte Sozialisten, sie wollten lieber politisch arbeiten. Wenn es zu Hause mal Eier gab, haben meine Mutter und ich eins geteilt.

Fanden Sie Luxus erstrebenswert?

Ich habe über Geld nicht nachgedacht, ich wollte nur Musik machen. Ich habe lange supereinfach gelebt, in einer Einzimmerwohnung mit meiner Freundin.

Palast oder Hinterhof war egal?

Die neue Capital

Ich habe gar nicht gedacht, dass es mehr geben kann. Erst als ich von Berlin wegzog, Anfang 2004 nach Heidelberg, habe ich den ersten Porsche bestellt. Den ersten Vorschuss von der Plattenfirma gab’s schon etwas früher, 160000 Euro. Da dachte ich: Mal gucken, was man damit machen kann. Stück für Stück wachsen dann die Ansprüche und Interessen.

Wie reagierten da Ihre Eltern?

Als ich den Porsche Cayenne hatte, hat mein Vater sich geweigert, einzusteigen. Zu seinem 60. bekam er eine Rolex von mir. Die trug er erst, als ich ihm gesagt habe, dass Che Guevara auch eine hatte.

Hip-Hop bedeutet Bling-Bling – also Protzen mit Statussymbolen. Bei Ihnen auch?

Ich komme eigentlich aus dem Untergrund. Ich hatte meine Phase, wo ich durchgedreht bin, da habe ich mir dann auch mal viel Schmuck gekauft. Alle Jubeljahre gönne ich mir eine Uhr und trage die auch gerne, aber ich weiß, dass ich ohne den Kram auch klarkomme.

Tatsächlich?

Ich hätte keinen Bock, noch einmal einen Golf zu fahren. Ich habe meiner Frau gesagt, ich möchte mein Leben lang auf dem Niveau bleiben, dass ich immer einen AMG C63 fahren kann.

Ist das Ihr teuerstes Auto?

Der Lamborghini Urus war ein Traum, den ich wahr machen musste. Da hatte ich mit meiner Frau schon Diskussionen, die sagte: Das ist ja bekloppt, eine Viertelmillion für ein Auto. Aber das sind so Punkte, da möchte ich die Freiheit und den Erfolg visualisieren. Für mich.

Wann war die erste Million da?

Die habe ich realistisch gemacht, als ich mich mit meiner eigenen Firma unabhängig von den Major- Labels gemacht habe. Bei einem Major kannst du es fast vergessen, dass du reich damit wirst.

Wofür geben Sie Geld aus?

Ich versuche, das meiste für meine Familie zu investieren, mein Sohn ist fünf. Ich versuche also, bleibende Werte aufzubauen. Die erste Wohnung habe ich schon 2003 gekauft.

Und jenseits von Immobilien?

Ich habe auch etwas in Kryptowährungen gesteckt. Ich war nie jemand, der sich von Hypes mitreißen lässt, aber da war es so. Es war nur nicht so geil. Bei solchen Dingen werde ich künftig häufiger auf meine Frau hören. Die meinte: Geh da raus. Ich sagte: Nein. Das wird immer wieder thematisiert zu Hause, wie bekloppt das von mir war.

Werden Sie mit 75 noch auftreten?

Meine Musik ist anstrengend, ich muss sehr schnell sehr viel sagen. Ich würde gucken, wie gut es mein Körper mitmacht. Ich bin aber auch cool damit, einfach im Häuschen am See zu sitzen und den Tag vorbeiziehen zu lassen.

 


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