InterviewWie eine Frau mit Haarbürsten ihre erste Million machte

Katrin von Hallwyl, Gründerin und Geschäftsführerin von Ikoo
Katrin von Hallwyl, Gründerin und Geschäftsführerin von Ikoo PR


Katrin von Hallwyl, 45, stellt seit 2012 mit ihrem Mann Christopher Schönheitsprodukte her. Der Durchbruch kam 2013 mit der Bürstenmarke Ikoo. Inzwischen werden mehr als 160 Stylinggeräte und Haarpflegeprodukte in 54 Ländern verkauft, überwiegend produziert in China. Das Geschäft steuern 30 Mitarbeiter in München.


Frau von Hallwyl, warum haben Sie sich ausgerechnet auf Bürsten gestürzt? Gibt es davon nicht genug?

Nein, finde ich nicht. Für unseren Anspruch an Funktion, Material, Design und Verpackung gab es nichts, was im mittleren Preissegment sowohl 14-jährige Mädchen wie auch 45-jährige Frauen angesprochen hat.

Wie sind Sie darauf gekommen?

Ich hatte als Kind ein Schlüsselerlebnis: Meine Mutter ging jeden Freitag zum Friseur und kam immer vollkommen entspannt nach Hause. Wenn sie mal schlecht drauf war, habe ich als Kind gesagt: „Mami, geh doch bitte zum Friseur.“

Nun wollen Sie alle Menschen mit Ihren Bürsten glücklich machen?

Das klingt naiv. Aber jede Frau kennt das: Mit einer guten Frisur ist die Grundeinstellung gleich viel besser. Bei meinem Mann ist das übrigens auch so. Wir sehen, dass viele Kundinnen Produkte für Männer kaufen – und die bestenfalls auch glücklicher machen.

Die aktuelle Capital

Von der Idee waren Sie so überzeugt, dass Sie vor sieben Jahren Ihren Job gekündigt haben?

Ich hatte fast zehn Jahre beim Zulieferer Skysupply gearbeitet und Flugzeuge mit Produkten wie Kosmetiktaschen, Pyjamas oder Geschirr ausgestattet. Für Singapur Airlines habe ich etwa die First-Class-Kabine mit Givenchy-Produkten bestückt. Ich habe auch als Angestellte schon sehr eigenständig gearbeitet und unternehmerisch gehandelt. Ich war voller Tatendrang und wollte mit 37 was Eigenes machen. Ich wusste, was ich kann, und habe einfach angefangen.

Wie haben Sie das finanziert?

Wir hatten zuvor gut bezahlte Jobs. Mein Mann war im Marketing bei Louis Vuitton und Porsche Design. Ein Family-Office ist mit einem kleinen Anteil bei uns eingestiegen, aber sonst sind wir eigenfinanziert. Wir waren mit unserer elektronischen Bürsten sehr schnell Marktführer in dieser Produktkategorie und waren drei Jahre nach dem Start profitabel. Mittlerweile verkaufen wir nicht nur an den Friseur-Fachhandel, sondern sind seit 2017 auch im hart umkämpften Endverbrauchermarkt vertreten bei Drogerien wie DM und Rossmann, online verkaufen wir über Amazon und unseren eigenen Onlineshop.

Mit den Bürsten haben Sie also auch Ihre erste Million gemacht? 

Zumindest machen wir mit Bürsten und anderen Pflegeprodukten, die auch von großen Wettbewerbern wie L´Oréal kopiert werden, einige Millionen Umsatz. Wir haben diese Firma nicht aus altruistischen Gründen aufgebaut, aber auch nicht, um damit reich zu werden. Wir wollen die Marke Ikoo etablieren und müssen viel Geld verdienen, um neue Märkte zu erschließen.

Aber etwas Luxus gönnen Sie sich schon ab und zu? Zumindest wirkt das so auf Ihren Instagramfotos.

Das ist ein oberflächlicher Ausschnitt meines Lebens. Ich kasteie mich nicht. Und wenn meine Freundin mich zu einer Tour auf ihrem Boot einlädt, fliege ich übers Wochenende auch mal nach Kroatien. Ich habe den Luxus, mir meine Zeit freier einteilen zu können. Das hilft mir auch bei meiner Krankheit.